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Bohr, Heinrich#


* 5. 3. 1884, Wien

† 28. 11. 1961, Wien


Klassischer Gitarrist


Heinrich Bohr
Heinrich Bohr
Quelle: Heinrich Wallnöfer

Als Sohn eines bekannten Wiener Volksarztes, nach dem im dritten Bezirk der Stadt noch heute eine Gasse benannt ist, schien seine berufliche Laufbahn zunächst vorgezeichnet.

Während seines Studiums jedoch geriet der Student der Medizin schon bald in Konflikt mit seinen Interessen und verschrieb sich der klassischen Gitarre, deren Technik er am Konservatorium bei Professor Jakob Ortner studierte. Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Instrument unterrichtete er bald selber, gemeinsam mit Karl Scheit und Luise Walker an der Seite Ortners und konnte sich so, mit einigen Privatschülern zusätzlich, seinen Lebensunterhalt verdienen.

Einer der Schüler, die er privat unterrichtete, war der Universitätsmediziner und spätere Direktor der "Urania" Dr. Heinrich Wallnöfer, der berichtete, dass Bohr, obwohl er sehr geläufig und virtuos gespielt habe, nur ungern Konzerte gab. Diese Scheu zeigt sich auch in seiner wenig ausgeprägten Verbindung zur ansonsten lebhaften Wiener Gitarrenszene; er pflegte nur einige wenige Freundschaften: so zu Heinrich Wallnöfer, Alfred Rondorf, den Gitarrenbauern Franz Nowy und Anton Guggenberger, sowie dem Wiener "Gitarrendoktor" Josef Zuth, der bis 1918 ebenfalls am Konservatorium das Fach "Gitarre" unterrichtete.

Das künstlerisch introvertierte Naturell Heinrich Bohrs schlägt sich auch in seinem kompositorischen Schaffen nieder. Seine Stücke sind Zeugnis einer liebevollen Beschäftigung mit dem Instrument, die weniger die große Form als vielmehr den der Gitarre eigenen Zauber, das Geheimnisvolle suchen. Sein überliefertes Œuvre umfasst fünfunddreißig Kompositionen für die Sologitarre, zumeist von programmatischem Charakter, in denen der Titel eine bestimmte Situation oder Stimmung skizziert, die von der Musik farbenfroh ausgestaltet wird. Einige dieser Kompositionen sind "von didaktischem Charakter, in denen er neue Akkordfolgen und koloristische Effekte anwendete". Bohr bringt auch eine bemerkenswerte Neuerung in einer Verbindung von harfenartigen Brechungen und geklopften Tönen.

Einige Stücke aus Bohrs Feder seien hier hervorgehoben: Das Schlummerlied könnte durchaus inspiriert sein von Tärregas El Sueno (der Traum) oder dem prominenteren Recuerdos de la Alhambra und geht ebenso wie diese musikalisch über die rein technischen Aspekte einer Tremoloetüde hinaus. Das klagende Lied — es spricht die Gitarre hält, was sein Untertitel verspricht: Es ist eine elegische und klangschöne Hommage an die Gitarre; ebenso wie die Ballade, in der sich eine sonderbare Stimmung ankündigt, wenn sie mit einem Sekundakkord auf "fis" beginnend erst etwas später ihre e-moll - Grundtonart verrät. Bemerkenswert ist hier übrigens, wie in der Mitte des Stückes ein Lauf, der an Villa-Lobos' siebte Etüde erinnert, auftaucht.

Insgesamt fünf seiner Stücke tragen Widmungen, die sicher im Sinne einer freundschaftlichen Geste zu verstehen sind: an Heinrich und Donata Wallnöfer, Prof. Rudolf Süß, Alfred Coletti und Prof. Jakobus Ortner.

In seinen Märchen und seinen Artikeln für die Wiener Gitarrezeitschrift zeigt Heinrich Bohr eine ganz andere Facette seiner Persönlichkeit. Heinrich Wallnöfer beschreibt Bohr als einen Menschen, "dem der Schalk aus allen Winkeln blitzte". In einigen seiner Stücke ist dieser Schalk auch hörbar.

Werke (Auswahl) #

Alle Kompositionen sind Ersteinspielungen auf Tonträger. Herzlichen Dank an Dr. med. Heinrich Wallnöfer - Freund und Schüler von Heinrich Bohr - für seine Unterstützung und seine wertvollen Ratschläge. Aufgenommen im November/Dezember 2016. Gitarre: Weißgerber 1946/59. © Dr. Helmut Richter, 2017.

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