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Inflation#

Teuerung und unverhältnismäßige Vermehrung der umlaufenden Zahlungsmittel gegenüber dem Güter- und Dienstleistungsangebot; positiv für Schuldner, negativ für Gläubiger, Sparer und Bezieher von fixen Einkommen.


  1. Münzinflation: Zur Zeit Friedrichs III. wurden so genannte "Schinderlinge", Münzen mit sehr geringem oder ohne Edelmetallgehalt, geprägt (1458-62). Da bis in das 19. Jahrhundert der Münzwert nach dem Silbergehalt berechnet wurde, galten sie als minderwertig. Die 2. große Münzinflation erfolgte als Zuspitzung einer latenten Inflation ab dem späten 16. Jahrhundert ("Kipper und Wipper"). Sie wird zeitgenössisch mit den Machinationen eines Münzkonsortiums (A. von Wallenstein, J. Bassevi, H. de Witte, K. Liechtenstein und andere), dem die böhmische und niederösterreichische Münze für ein Jahr verpachtet worden war, bzw. verschiedener Münzverantwortlicher in Innerösterreich interpretiert, war aber ein Mittel zur Finanzierung der ersten Kriegsphase des 30jährigen Kriegs. 1623 erfolgte eine Stabilisierung ("callada") und die Einwechslung der schlechten Münzen zu rund 10 % des Nennwerts. Da der Gütererwerb von beschlagnahmten Adelsgütern besonders in Böhmen zum Teil mit Hilfe der wertlosen Münzen durchgeführt wurde, gab es noch jahrzehntelang Rückforderungen des Ärars an die Nutznießer der Kipper-und-Wipper-Inflation, besonders an die Liechtenstein.

  2. Papiergeldinflation: Ab 1762 wurden in Österreich "Bancozettel" im Nennwert von 5-100 Gulden ausgegeben, die zunächst auf dem Kredit des Wiener Stadtbanco basierten und im Kurs lange pari blieben. Zur Finanzierung der Kriege gegen das revolutionäre Frankreich wurde die Ausgabe von Bancozetteln vervielfacht, weshalb ihr Kurs zu fallen begann. Ab 1800 wurden auch 1- und 2-Gulden-Zettel ausgegeben, was zum Verschwinden der geprägten Münzen führte. Nun beschleunigte sich der Kursverfall; entsprachen im Jahr 1800 115 Gulden Bancozettel noch 100 Gulden Conventionsmünze (C. M.), waren es 10 Jahre später bereits 489 Gulden Bancozettel. Der unglückliche Krieg von 1809 führte schließlich in die galoppierende Inflation. Durch das Patent vom 20. 2. 1811 wurden die Bancozettel im Wert von 1.060,000.000 Gulden auf ein Fünftel ihres Werts herabgesetzt und in Einlösungsscheine von 212 Millionen Gulden gewechselt ("Staatsbankrott"). Ihnen folgten so genannte "Anticipationsscheine" (ab 1813), die ab 1816 (Gründung der Oesterreichischen Nationalbank, Währungsstabilisierung) sukzessive eingelöst wurden. Von da an blieb die neue Papiergeldwährung ("Wiener Währung") in einem stabilen Verhältnis zur Conventionsmünze von 250 : 100, bis sie 1860 von der einheitlichen "Österreichischen Währung" abgelöst wurde.


Während in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Währungsstabilisierung gelang und 1900 mit dem Übergang zur Kronenwährung Goldstandard erreicht wurde, begann eine neue Welle beschleunigter Inflation mit dem 1. Weltkrieg. Der Krieg wurde über Anleihen finanziert. Der Ausweitung der Geldmenge korrespondierte keine entsprechende Gütermenge; die Verknappung auf fast allen Gebieten führte rasch zu Teuerungserscheinungen, das Preisniveau bei Kriegsende betrug das 15fache des Jahres 1914. Enorme Budgetdefizite auch nach Kriegsende (unter anderem zur Subventionierung der Lebensmittel) und eine Anti-Krone-Spekulation trieben die Inflation weiter. Maßnahmen zur Kaufkraftabschöpfung waren weitgehend wirkungslos. Der Wert der Papierkrone gegenüber der Goldkrone fiel bis August 1922 auf 14.400 : 1. Erst im Zusammenhang mit der Genfer Sanierung vom Oktober 1922 (Bundeskanzler Ignaz Seipel) und der dadurch erzwungenen Budgetstabilisierung festigte sich der Kurs der Krone. 1924 wurde die neue Schilling-Währung eingeführt (10.000 Papierkronen = 1 Schilling).

Auch der 2. Weltkrieg führte zu inflationären Erscheinungen, die aber bis Kriegsende verdeckt blieben. Stabilisierungsschritte: Schillinggesetz November 1945, Währungsschutzgesetz 1947 mit Streichung von Sperrkonten aus dem Krieg, 5 Lohn-Preis-Abkommen der Sozialpartner 1947-50, Preissenkungsaktion der Wirtschaft und Einschränkung des Bundesdefizits 1951/52 sowie Verlangsamung des Geldmengenzuwachses durch Finanzminister Reinhard Kamitz. Die nachkriegsbedingte Inflation (unter anderem durch Besatzungskosten und allgemeine Entgüterung) endete 1951. Seither bleibt die Inflation in Österreich einigermaßen im üblichen Rahmen der europäischen Länder, freilich hat die starke Erhöhung des Budgetdefizits zur Bekämpfung der Stagnationserscheinungen nach 1975 und nach 1991 überdurchschnittlich hohe Inflationsraten hervorgerufen. 2019 betrug die Inflationsrate 1,4451 %

Literatur#

  • A. Beer, Die Finanzen Österreichs im 19. Jahrhundert, 1876 (Nachdruck 1973)
  • K. Bachinger und H. Matis, Der österreichische Schilling, 1974
  • F. Butschek, Die österreichische Wirtschaft im 20. Jahrhundert, 1985