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Merkantilismus#

Wirtschaftstheorie und -politik des Absolutismus im 17. und 18. Jahrhundert; in Frankreich konzipiert, in Österreich eng mit dem Prozess der Staatsbildung verbunden.

Die Herrschaftsgebiete der Habsburger mussten vorerst ein einheitliches Staats- und Wirtschaftsgebiet werden (Verwaltungsreformen 1749, böhmisch-österreichisches Zollgebiet ohne Tirol und Vorlande und ohne Ungarn 1775). Als Erster fasste Philipp Wilhelm von Hörnigk 1684 "Österreich" in diesem Sinne auf ("Österreich über alles wann es nur will"). Die wichtigsten Anreger waren Johann Joachim Becher ("Politischer Discurs", 1667), Hörnigk und W. von Schröder ("Fürstliche Schatz- und Rentkammer", 1686).

Durch J. H. G. von Justi ("Staatswirtschaft oder Systematische Abhandlung aller oekonomischen und Cameralwissenschaften", 1758) und Joseph Freiherr von Sonnenfels ("Grundsätze der Polizey ...", 1771) wirkte der "Kameralismus" bis in das 19. Jahrhundert weiter.


Analog zum Einzelunternehmen fordert der Merkantilismus für eine ganze Volkswirtschaft höhere Einnahmen als Ausgaben (aktive Handelsbilanz). Der "Universalkommerz" der habsburgischen Länder untereinander und der aktive Außenhandel wurden durch die Schaffung von Kommerzbehörden (Kommerzienkolleg 1665, Haupt-Commercien-Collegium in Wien 1718, Commerzdirectorium 1746) gefördert, Binnenzölle wurden gesenkt oder ganz beseitigt, Handelskompagnien (1. und 2. Orientalische Compagnie 1667 und 1719) und Produktionsunternehmungen erhielten Privilegien ("Fabriksprivilegien" zur Befreiung von Zunftzwang und allen zünftischen Beschränkungen, Handelsbefugnisse), die oft mit Monopolen verbunden waren.

Auch die staatlichen Monopole - neben dem traditionellen Bergregal das Salzmonopol, das Tabakmonopol (1701/23) sowie Quecksilberproduktion und -handel - wurden ausgebaut, wenngleich Handelsmonopole oft verpachtet waren ("Appalt").


Unter Kaiser Karl VI. und seinen Nachfolgern wurden besonders die Verkehrswege ausgebaut: "Kommerzialstraßen" schufen eine Verbindung mit Wien als Zentrum bzw. mit den "Meerporten" (1719 Freihäfen Triest und Fiume/Rijeka); die Triester Straße über den Semmering (1728) und den Karst sowie die Loiblstraße wurden neu trassiert, unter Joseph II. auch die Arlbergstraße. Der geplante Ausbau der Wasserstraßen scheiterte an finanziellen und natürlichen Hindernissen. Auch die Postverbindungen wurden ausgebaut; die Schaffung von Kreditinstituten sollte primär der Deckung des Staatskredits (1706 Wiener Stadtbank) dienen.

In der Produktion förderte der Merkantilismus zuerst Luxusprodukte (Glas und Seide), erst sekundär die Produktion von Massenwaren (Leinen, Wolltuche, Baumwollstoffe). Der Merkantilismus vertrat eine Niedriglohntheorie und bezweckte durch die Verbindung der Großbetriebe ("Manufakturen", in der Regel privilegierte "Fabriken") mit massenhafter Verlagsarbeit auf dem flachen Land sowie durch die Verbindung von Fabriksarbeit mit Arbeits-, Zucht- und Waisenhäusern die Erziehung einer arbeitsamen, disziplinierten Gesellschaft ("Gewerbsfleiß", also "Industrie" von lateinisch "industria"). In den großen privaten oder staatlichen Manufakturen waren als verlegte Heimarbeiter Tausende Arbeitskräfte, meist Inwohner oder Kleinhäusler, im "Verlag" beschäftigt. Dabei spielten arbeitssparende Maschinen und neue Energiequellen noch keine Rolle.

Literatur#

  • L. Sommer, Die österreichischen Kameralisten in dogmengeschichtlicher Darstellung, 1920 und 1925
  • H. Matis (Hg.), Von der Glückseligkeit des Staates, 1981
  • H. Stekl, Österreichs Zucht- und Arbeitshäuser 1671-1920, 1978