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Siedlungsformen#

Art, Zahl und räumliche Anordnung menschlicher Behausungen. Unterschieden werden ländliche und städtische Siedlungsformen. Bei ländlichen Siedlungsformen sind weiters in Einzel- und Gruppensiedlungen (Sammelsiedlungen) zu trennen. Zur Einzelsiedlung zählen der alleinstehende Einzelhof bzw. die Streusiedlung, zu den Gruppensiedlungen Einschicht, Weiler, Rotte, Dorf, Markt und Stadt. Die Übergänge zwischen Einzel- und Gruppensiedlung sind mitunter fließend. 2 benachbarte Einzelhöfe (weniger als 150 m voneinander entfernt) bilden noch eine Einschicht, mehrere Häuser in lockerer Siedlung (in den Alpen- und Waldgebieten) bilden eine Rotte. Die Streusiedlung besteht aus Einzelhöfen, die von ihren Grundstücken umgeben sind.

Zwischen zirka 1000 und 1400 n. Chr. angelegt, findet sie sich vor allem in gebirgigen und hügeligen Landschaften: auf steilen Talhängen, welligen Hochflächen und Kuppen der Alpen- und Voralpengebiete, des Mühlviertels, des südwestlichen Waldviertels und der Oststeiermark. Ländliche Sammelsiedlungen können unabhängig von ihrer Größe als Waldhufen- oder Gewannsiedlung angelegt sein. Die Waldhufensiedlung ist die älteste Siedlungsform, sie besteht aus weit voneinander entfernten Höfen in Waldgebieten. Sie unterscheidet sich durch ihre durchlaufenden Grundstreifen (Hufen) von den unregelmäßig und blockartig verteilten Grundstücken einer Streusiedlung. Bei der Gewannsiedlung ist das Gemeindegebiet ("Hotter") in eine unterschiedliche Zahl von Rieden oder Gewannen aufgeteilt.

Sie umfasst alle Formen des Dorfs. An wirtschaftlichen und verkehrsgünstigen Plätzen haben sich Dörfer zu Märkten oder Städten entwickelt, zum Beispiel an Kreuzungspunkten von Handelswegen, am Zusammenstoß von Tälern, an Talausgängen, am Übergang vom Bergland zur Ebene (Wilhelmsburg, Kirchdorf an der Krems, Kirchberg an der Pielach, Weyer, Aschach an der Donau, Tamsweg, Althofen am Rand des Krappfelds). Wenn Siedlungen im Lauf ihrer Entwicklung das Markt- bzw. Stadtrecht erhalten haben, stellen sie "gewordene" Märkte und Städte dar (Krems, Salzburg, Wien). "Gewachsene" Städte und Märkte besitzen Merkmale von Siedlungsformen aus verschiedenen Zeiten. Orte, die bereits bei der Gründung (12.-14. Jahrhundert) das Markt- bzw. Stadtrecht erhalten haben, nennt man "gegründete" Märkte und Städte (Bruck an der Mur, Enns, Feldkirch, Klagenfurt, Korneuburg, Leoben, Wiener Neustadt). Sie lassen häufig die ursprüngliche Anlage (Befestigungsmauern) erkennen (Friesach, Kufstein, Leoben, Linz, Radstadt, Retz, Rust). Wenn nur noch Flurnamen an ehemalige Siedlungen erinnern, handelt es sich um Wüstungen oder abgekommene Siedlungen.

Das Alter vieler Siedlungen geht aus ihren Namen hervor. So weist die Endung "-ing" auf alte bairische Besiedlung hin (von den 359 vor 800 entstandenen Orten haben in Oberösterreich 24 %, in Niederösterreich 2,8 %, in der Steiermark und Kärnten 1,4 % und in Tirol 1,3 % diese Endung). Es folgen Orte mit der Endung "-bach". Jüngeren Datums sind die Endungen "-dorf" oder "-hausen", am jüngsten "-holz", "-loh" "-hart", "-moos", "-ried". Ortsnamen mit den Bestandteilen "mauer", "burg" oder "walchen" deuten zuweilen auf eine alte Römersiedlung hin. Ebenso geben die Siedlungs- und Flurnamen über die verschiedenen Siedlungsschichten Auskunft (keltische, rätische, römische, slawische usw.).

Literatur#

  • A. Klaar, Die Grundzüge der Siedellandschaft im österreichischen Donauraum, 1937