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Erich Wiederstein#

Wiederstein
Erich Wiederstein. Foto: W. Schinagl
Erich Wiederstein wurde am 26.10.1940 am Rösslhammer in Hammern Nr. 3, Gemeinde Leopoldschlag geboren.

Er besuchte in Leopoldschlag die Volksschule und erlernte anschließend das Müllerhandwerk in Ebelsberg bei Linz. 1969 heiratete er seine Hildegard, die ihn maßgeblich in all seinen Unternehmungen unterstützte. Später wechselte er in den Finanzdienst und absolvierte 1978 erfolgreich die Fachschule in Wien für die Ausbildung für eine leitende Funktion am Zollamt.

Eine heimtückische Krankheit engte ihm die Bewegungsfreiheit so sehr ein. dass er 1983 frühzeitig in Pension gehen musste. Daraufhin entfaltete sich sein Schaffensgeist und seine Liebe zu Kunst und Kultur verstärkt in Richtung Malerei, Dichtkunst und Philosophie. Er schrieb zu vielen Anlässen Gedichte und biografische Anekdoten. Seine philosophische Leidenschaft gilt neuen Betrachtungen zum Sinn des Lebens.

Publikationen:#

  • Trilogie: Am Rand des Böhmerwalds
    • Band I. Mei oide Stubm. Gedichte und Betrachtungen vom Rand des Böhmerwalds.
    • Band II: Gott und Teufel. Perspektiven eines scheinbaren Widerspruchs
    • Band III: Sehnsuchtsort Heimat. Biografischee vom Rösslhammer an der Maltsch

Auswahl an literarischen Kostproben aus Band I der Trilogie: Am Rand des Böhmerwalds:#

  • Mei oide Stubm

Mei Hoamatbodn, s'Hoamathaus, d'Stub'm die oid,

is mei eigene Wöd, wo's ma oiwei g'foit.

Is mei Freid, is mei Lebm, mei Hümi, mei Sunn,

is für mei Sö, wia a gloskloarer Brunn,

is für mei Sö, wia a gloskloarer Brunn.

A Musi, a Gaudi, trog i auf mein Huat,

hob a Freid mit da Oarbeit, sie liegt ma im Bluat.

Oba brauch i a Rost, na dann schau i mi um,

dass i boid wieda kim in mei Hoamat, mei Stubm,

dass i boid wieda kim in mei Hoamat, mei Stubm.

Des Lebm is a Kampf, dazua braucht ma Muat,

dem er föht, dem geht's schlecht, wer na hot, dem geht's guat.

Wird mei Kroft amoi zweng, na dann foahr i ma drum,

krieags g'schenkt vo dahoam, gibt ma mei Stubm,

krieags g’schenkt vo dahoam, gibt ma mei Stubm.

A Stubm, wia die mei, is wia s'Herz von an Haus,

und oiss in ihr druckt Beständigkeit aus.

Hot scho d’Großötern kennt, und es sogt mir mei Sinn,

mei Stubm wird's nu gebm, wann i längst nimma bin,

mei Stubm wird's nu gebm, wann i längst nimma bin.

Wann‘s knistat im Ofn, dann kimmt's mia so via,

a d'Stubm is hiazt glückli und redt jetzt mit mia.

Oba dann, wann i grantlt, oida üba wos brumm,

schimpft mi mit an Knaxa, an laut'n, mei Stubm,

schimpft mi mit an Knaxa, an laut'n, mei Stubm.

Kimmt a B'suach in mei Stubm, schei fröhli und frisch,

sog i, ruckt's glei zaum uman oachan Tisch.

Wird zua Jausn und Wein a nu Liada angstimmt,

dann hört ma, wauns staad wird, a Stubm, die singt,

dann hört ma, wauns staad wird, wir‘s nochi nu klingt.


  • Die Seele

Mit der Sekunde der Geburt

wird sie gesetzt an eine Furt,

mit einer Bürde Last am Rücken,

um dort den Fluss zu überbrücken.

Zu trotzen auch all der Gefahren,

die dort ihrer alle harren,

ungeahnt, wie breit der Fluss,

nur wissend, dass sie rüber muss.

Hinüber ist ihr einzig‘ Streben,

dort findet sie ein neues Leben.

Doch bis das Ufer sie erklommen,

wird ihr die Last nicht abgenommen.

Kein Milligramm darf drüben fehlen,

und schlagen noch so hoch die Wellen.

Auch Tücken vieler, unbekannt,

sind in diese Furt gebannt.

Doch jene, der die Vorsicht Pein,

sie rutscht aus am glatten Stein,

die andere wieder viel zu keck

kommt in den Treibsand und ist weg.

Bleib stark, sagt sich die Seele bang,

zu schnell kommt es zum Untergang.

Doch Gottlob, dort wo es staut,

sind rettend Inseln aufgebaut.

Umgeben all vom feinsten Kies

als Abkömmlinge vom Paradies.

Dort kann sie verletzte Sohlen

verarzten und auch Kraft sich holen.

Schon drängt das Schicksal zur Beeilung,

es bleibt die Zeit nicht zu Verweilung.

Weiter geht der schwere Weg,

ohne Brücke, ohne Steg.

Die Kräfte nochmals aufgerafft,

das Schicksal will, dass man es schafft.

Das rettend Ufer ist ihr Ziel,

und bis dahin fehlt nicht mehr viel.

Da rufet zu ihr, wie zum Hohne

der Tod schon von der Uferzone.

Die Ankunft hier mit deiner Last

wird deinem Neuweg angepasst.

So wie du diese Furt bezwungen,

wird dir die neue aufgezwungen,

denn das Ziel vom ewig‘ Leben

wird‘s in Etappen nur gegeben.

Und mahnend eine Stimme droht,

dies rettend Ufer ist dein Tod.

Doch voller Stolz die Seele spricht:

"Dich, den Tod dort fürcht‘ ich nicht."

Lass‘ mich das Ufer nur erstreben,

denn dort beginnt mein neues Leben,

doch meine größte Sorg‘ und Not,

ist untergeh‘n und ewig tot.


  • Dein Gegenüber

Diese Prosa soll verkünden,

woran sich ließ der Sinn begründen,

weil doch Materie und Geist

sich je am Gegenteil beweist,

macht oft in vielerlei Synthesen

der Geist, Materie zum Wesen,

und es braucht auf jeden Fall

alles Sein sein Gegenteil.

Es braucht der Adam für sein Glück

die Eva als sein Gegenstück.

Ohne Gut gäb‘ es kein Böse

und ohne Ruhe kein Getöse,

ohne Tal gäb‘s keinen Berg,

ohne Riesen keinen Zwerg.

Jeder Tag hat seine Nacht,

wie das Grässliche die Pracht.

Jedes Unten will sein Oben,

will der Tadel auch das Loben.

Relativ wie Jung und Alt

ist auch das Warme, ist das Kalt.

Auch was mancher gut begründet,

Leises schon als laut empfindet

ist's Anderen wieder umgekehrt,

dass laut erscheint, was man kaum hört.

Was wär‘ die Liebe ohne Hass,

was wär‘ das Trocken ohne Nass.

Auch sagt Arm zu Reich ganz offen,

du musst bangen, ich kann hoffen.

Hier ist die Richtung, dort die Wende.

Jeder Anfang hat sein Ende.

So will‘s der Tod auch mit dem Leben,

hier das Nehmen und dort Geben.

Hier steht der Dank und dort die Bitte:

"Zeig Bereitschaft für die Mitte!"

Hieran erkennst du nun mein Lieber,

den großen Sinn am Gegenüber.



  • Fallobst

Für jede Sorte oder Zucht

ist für die Güte einer Frucht,

vordergründig ohne Frage,

maßgeblich die Erbanlage.

Auch der Apfel, der mit Wonne,

entgegendrängt dem Licht der Sonne,

sich streng an diese Order hält,

auf dass er nicht zu Boden fällt.

Doch weh, ein Wurm tut voll Entzücken

ihm innerlich zu Leibe rücken.

Er kennt den Weg und liebend gern

frisst er hinein sich bis zum Kern.

Rücksichtslos und ohne Schonung

nimmt er Besitz davon und Wohnung,

bis das Gewollte er erreicht,

befriedigt sich von dannen schleicht.

Der Apfel denkt nun unterdessen,

jetzt sind wir beide angefressen.

Der Wurm, der mich hat ausgehöhlt,

hat nun die Kraft, die mir so fehlt.

Haltlos fällt er nun vom Baum,

sein Ziel zu reifen, blieb ein Traum.

So zeigt sich uns der Status quo,

für Fallobst hier und anderswo.

Kurzgeschichte:#

  • Schellengeläute

Eine Weihnachtsgeschichte nach einer wahren Begebenheit

Alljährlich in der Vorweihnachtszeit, wenn die Schneeflocken leise vom Himmel fallen, erinnere ich mich eines unvergesslichen Tages. Wir schrieben das Jahr 1945 und es war Advent. Vater war vom Krieg noch nicht zurück und Mutter wusste nicht, wie sie uns neun Kinder über den bevorstehenden Winter bringen würde.

Wie an den vorangegangenen Tagen bedeckten auch an diesem Tage schneeschwangere Wolken unser Tal, das bereits unter einer gediegenen Schneedecke lag und in dessen Mitte sich drei alte Häuser eng zusammendrängten.

Mutter wartete sorgenvoll auf Herberts Rückkehr von der Schule. Er war mit 13 Jahren der Ältere von den fünf Kindern, die schon zur Schule gingen. Ich wiederum war der Ältere von den vier Kindern, die noch zu Hause waren.

Unser Schulweg war über vier Kilometer lang. Wenn sich die Geschwister in der Früh auf den Schulweg machten, war es, wie zu dieser Jahreszeit üblich, stockfinster. Je nach Unterrichtsdauer der einzelnen Klassen kamen sie natürlich zu verschiedenen Zeiten nach Hause. Am sehnlichsten wartete Mutter immer auf Herbert, denn er war ihre große Stütze. Er musste alle Besorgungen machen. So schleppte er dürres Holz vom Wald heran, hackte es ofengerecht zu und sorgte sich um den Wasservorrat im Haus. Da es weder Brunnen noch Wasserleitung gab, musste das Wasser mit Kübeln von der nahegelegenen Maltsch herangeschafft werden. Herbert ging der Mutter dort zur Hand, wo sie ihn gerade brauchte.

An diesem Tage musste er die Milch holen, die es zweimal wöchentlichen von einem Bauern aus einem drei Kilometer entfernten Ort gab. Mutter leistete hierfur längst ihre Vorleistung, indem sie diesem Bauern im Sommer bei den Arbeiten geholfen hat. Doch Herbert, dem Mutter noch auf dem Weg zur Schule eine Kanne mitgab, um von der Gemischtwarenhandlung Petroleum für unsere Petroleumlampe mitzunehmen, kam nicht daher, wo er doch schon längst hätte zurück sein müssen. Als es nun auch noch zu schneien begann, wurde Mutter immer unruhiger, denn der Bub hatte ja noch den langen Weg des Milchholens vor sich. Endlich kommt er, dachte sie, als sie ihn aus der Ferne beim Heranstapfen durch den Schnee zu erkennen glaubte. Doch es war nicht Herbert, sondern Mitzi, die heute eine Stunde länger Unterricht hatte als Herbert. Nichts Gutes ahnend ging sie Mitzi entgegen. Von ihr erfährt sie, dass Herbert kurz vor Zuhause ausgerutscht sei. Bei dem Sturz war auch das ganze Petroleum aus der Kanne geflossen. So musste Herbert die ganze Strecke, also zwei Mal vier Kilometer, nochmals zurücklegen, damit wir abends Licht im Hause hatten. Elektrisches Licht hat es damals bei uns zu Hause nicht gegeben.

Nachdem mit der Rückkehr von Herbert vor einer Stunde noch nicht zu rechnen war, sagte sie zu Mitzi: "Dann musst halt du die Milch holen, weil ich sie für die Kleinsten unbedingt brauche." Ohne vorher noch etwas zu essen, machte sich Mitzi sogleich auf den Weg, um noch vor dem Dunkelwerden zurück zu sein. Doch kaum hatte Mutter Mitzi, die den Feldweg zum angrenzenden Wald als Abkürzung benutzte, aus den Augen verloren, wurde das Schneetreiben allmählich immer heftiger. Es dauerte nicht lange, so wurde aus dem Schneetreiben ein richtiger Schneesturm.

Mutter wartete noch immer, nun aber voll Bangen um Mitzi, auf das Eintreffen von Herbert. Gottlob, endlich kam er mit der aufs Neue gefüllten Petroleumkanne angehetzt, doch die Sorge um Mitzi war so groß, dass er gleich und ohne auszuruhen der Mitzi nachfolgen musste. Sie könnte bei diesem Schneegestöber allzuleicht vom Weg abgekommen sein und wer weiß, was da passieren könnte. Herbert ging sofort los.

Mittlerweile waren auch die übrigen Geschwister von der Schule heimgekommen. Angesichts des nicht nachlassenden Schneesturms hofften wir alle, dass Mitzi von sich aus umkehren und alsbald mit Herbert auftauchen würde. Doch wir warteten vergeblich. Sie kamen nicht und der Schneesturm tobte immer noch sehr heftig.

Mutter grämte sich, die Kinder bei diesem Wetter losgeschickt zu haben. Eine Hilfe herbeizuholen war nicht möglich, denn die Nachbarn waren alte Leute. Ein Telefon gab es zu dieser Zeit in unserer Gegend nicht.

Die Dunkelheit brach herein und auf die alte Schneedecke war inzwischen etwa ein halber Meter Neuschnee gefallen. Über den tief verschneiten Feldweg war ein Durchkommen der Kinder bereits ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Das Schlimmste befürchtend ging Mutter immer wieder vor das Haus und ein Stück des Weges entlang, auf dem sie das Kommen der beiden so sehr erhoffte. Laut schrie sie ihre Namen in die stürmische Nacht hinaus, damit sie sich, sollten sie schon irgendwo in der Nähe sein, orientieren können. Doch es war alles umsonst. In die Stube zurückkehrend verbarg sie jedes Mal ihr Weinen, um nicht auch uns noch zu verängstigen. Die älteren Geschwister erkannten aber die Sorgen und Ängste der Mutter sehr genau und begannen klammheimlich zu weinen.

Drängte sich doch unter diesen Umständen nicht die Befürchtung auf, das bevorstehende Weihnachtsfest ohne Herbert und Mitzi verbringen zu müssen? Unter diesem Eindruck begannen auch wir Kleineren zu weinen und so flossen auch mir unaufhörlich die Tränen.

Plötzlich drang durch das Fenster entferntes Geklingel von Glöckchen und Schellen. Zuerst nur in Fetzen, dann immer deutlicher, bis schließlich ein Schlittengespann vor unserem Haus hielt. Von der Hoffnung beseelt, dass dieses Schlittengespann unsere Geschwister bringen möge, liefen wir hinaus. Doch die Enttäuschung war groß, denn es saß nur ein Mann auf dem Schlittenbock. Aber noch ehe sich unsere Mutter mit ihrer Not an den Mann wenden konnte, begannen sich zwei auf dem Schlitten befindliche Schneehaufen zu bewegen und aus dickverschneiten Decken schälten sich zwei Kindern heraus. Es waren Herbert und Mitzi.

Der Bauer erklärte Mutter, dass er die beiden wegen des Schneesturms nicht mehr weggehen ließ, um sie nach der Stallarbeit selbst mit dem Schlitten nach Hause zu bringen. Daraufhin machte er kehrt und fuhr weg.

Seither erinnert mich ein Schellengeläut und Glöckchengebimmel nicht nur an die Vorweihnachtszeit, sondern auch an eine unbeschreiblich große Freude.