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vom 05.03.2020, aktuelle Version,

Adalbert Stifter Verein

Der Adalbert Stifter Verein (abgekürzt ASV) ist ein eingetragener Verein und wurde am 5. Mai 1947 in München von deutschen Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern aus Prag und den Sudetengebieten errichtet, die 1945 ihre Heimat verlassen mussten.

Namensgebung

Der Name Adalbert Stifter Verein (ASV) wurde nicht gewählt, um sich ausschließlich mit dem Leben und Werk von Adalbert Stifter zu befassen, sondern weil der Dichter exemplarisch für die kulturelle Verbundenheit zwischen Böhmen, Deutschland und Österreich steht.

Sitz, Aufgabe und Finanzierung

Der Adalbert Stifter Verein e.V. hat seit 1985 seinen Sitz im Sudetendeutschen Haus in München, zuvor war sein Büro an verschiedenen Adressen in München. Seit 1952 wird er nach § 96 BVFG (Bundesvertriebenengesetz) gefördert, wofür der Staatsminister bzw. die Staatsministerin in der Bundesregierung für Kultur und Medien zuständig ist. Dafür erhielt der Verein 2016 442.000 Euro ohne die Mittel für einen von sechs Kulturreferenten „als Kulturvermittler mit eigenem Fördertitel mit dem Schwerpunkt der kulturellen Jugend- und Erwachsenenbildung. Die Fördermittel des Bundes betrugen 2015 826.000 Euro und 2016 827.000 Euro.“[1]

„Der Adalbert-Stifter-Verein ... vermittelt Geschichte und Kultur, vor allem die deutschsprachige Literatur Böhmens, Mährens und Sudetenschlesiens einschließlich ihrer Wechselwirkung mit der tschechischen Literatur, und fördert den deutsch-tschechischen Kulturaustausch.“

Deutscher Bundestag, 18. Wahlperiode, 25. Februar 2016 [2]

Geschichte und Tätigkeit

Auf der Gründungsversammlung, die Franz Haibach initiiert, wurde die Satzung diskutiert und der Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender Franz Haibach, 2. Vorsitzender Franz Longin, Schriftführer Walter Becher, stellvertretender Schriftführer Roman Herlinger, Kassenwart Eduard Klimesch, Jugendreferent Erhard Trenkler. Weiter wurden als Bürgen (die behördlich bestätigte Nicht-Nazis sein mussten) gewählt: Franz Ziegler, Richard Reitzner, Pater Paulus Sladek, Karl Schreiner und Martha Krause. Die Lizenzierung durch Münchner Polizeipräsidium erfolgte im Oktober 1947.[3]

Der Verein wurde ursprünglich gegründet, um die Vertriebenen aus dem Sudetenland kulturell zu fördern und zu betreuen. Zu den Zielen des Vereins hieß es bei der Errichtung: „Der Verein soll ein Sammelpunkt der kulturell wirksamen Kräfte des Sudetenlands sein. In sachlicher Bewältigung seiner Aufgaben hat er sich in drei Abteilungen (Kunst, Wissenschaft, Volkstumspflege) gegliedert, die durch eine Jugendabteilung und ein Referat für soziale Fürsorge ergänzt werden“. Der Verein erfüllte neben der kurz vor ihm gegründeten katholischen Ackermann-Gemeinde die Aufgabe, den sudetendeutschen Vertriebenen eine neue kulturelle und soziale Heimat zu vermitteln. Existenzielle Fragen des Weiterlebens nach der Vertreibung standen im Zentrum der ersten Jahre. Mit Beginn der staatlichen Finanzierung 1952 entwickelte sich die Arbeit des Vereins im Sinne eines Kulturinstitutes in Form von kulturgeschichtlichen Ausstellungen, literaturwissenschaftlicher und literaturgeschichtlicher Forschung und der gezielten Förderung von Künstlern. Bis 1986 erfolgte die Geschäftsführung durch Johanna von Herzogenberg.

Seit 1986 und der Öffnung des Eisernen Vorhanges 1989 veränderten sich die Tätigkeiten des Adalbert Stifter Vereins im unmittelbaren deutsch-tschechischen Kulturaustausch unter der Geschäftsführung von Peter Becher.

Seit 1994 verleiht der Verein zusammen mit anderen Organisationen den Kunstpreis zur deutsch-tschechischen Verständigung an Personen, die sich auf besondere Weise für die Zusammenarbeit der beiden Länder engagiert haben.

Mitglieder

Die Mitgliedschaft steht grundsätzlich jedem offen; derzeit zählt der Verein knapp 200 Mitglieder. Vorsitzender ist seit 2019 der Germanist und Literaturhistoriker Peter Becher.

Seit 2002 ist im Verein der Kulturreferent für die böhmischen Länder angesiedelt, der ebenfalls institutionell vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird. Die breitenwirksame Vermittlung der Kultur und Geschichte der Deutschen aus den böhmischen Ländern (auch Sudetendeutsche genannt) im Geiste der Völkerverständigung und in Kooperation mit tschechischen Partnern ist das zentrale Anliegen seiner Tätigkeit. Ziel ist es dabei u. a. auch, Menschen außerhalb des Vertriebenenmilieus für dieses Kulturerbe zu interessieren. Fester Bestandteil des Veranstaltungsangebots des Kulturreferenten sind z. B. Exkursionen in Kulturregionen Böhmens, Mährens und Schlesiens, Autorenlesungen, Filmvorführungen, Vorträge zur deutsch-böhmischen Kultur, Zeitzeugengespräche zum Thema Flucht und Vertreibung, Konzerte mit böhmischen Komponisten, Ausstellungen etc. Außerdem können bei ihm Zuschüsse für Maßnahmen der kulturellen Breitenarbeit auf Basis von § 96 BVFG beantragt werden. Ähnliche Kulturreferenten-Stellen wurden von der Bundesregierung für Ostpreußen, Westpreußen, Südosteuropa, Pommern und Schlesien eingerichtet.

Vorsitzende

Geschäftsführung

  • 1948 bis 1949: Otto Zerlik
  • 1949 bis 1951: Theodor Hutter
  • 1951 bis 1952: Adolf Tosch
  • 1952 bis 1985: Johanna von Herzogenberg
  • 1986 bis 2018: Peter Becher
  • seit 2019: Zuzana Jürgens

Bedeutung des BVFG für ASV und Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Auf Initiative des Bundes, aller damaligen Bundesländer, der Stadt Regensburg sowie des Adalbert Stifter Vereins und Künstlergilde e.V. wurde 1970 die „Ostdeutsche Galerie“ in Regensburg gegründet, in der die Bestände des Adalbert Stifter Vereins und der Künstlergilde Esslingen vereint wurden.[4]

„Zweifellos am wichtigsten waren die Folgen des Bundesvertriebenengesetzes von 1953, wo es dem damaligen bayerischen Staatssekretär Theodor Oberländer (auf Betreiben Walter Bechers) gelungen war, einen Paragraph 96 einzufügen, der die Sicherung und Erhaltung des Kulturguts der Vertriebenen und dessen allseitige Verwertung durch entsprechende Einrichtungen Bund und Ländern zur Pflicht machte, was heute noch gilt (Pohl, Integration, 326-361). Das bedeutete nicht nur eine Anerkennung des hohen Wertes der kulturellen Traditionen des Ostens, es flossen dadurch auch erheblich Mittel an verschiedenste Einrichtungen, von den Museen bis zur Medienarbeit. Besonders hervorgehoben seien im Kunstbereich die bedeutende „Ostdeutsche Galerie“ in Regensburg (eröffnet 1970, seit 2003 „Kunstforum“)...“

Walter Ziegler „Soziale und kulturelle Beziehungen“ im Historischen Lexikon Bayerns.

Die Gründung der „Ostdeutschen Galerie“ fällt in die Zeit der Geschäftsführung von Johanna von Herzogenberg. Ihren eigenen Äußerungen ist zu entnehmen, dass durch Unterstützung des Bayerischen Sozialministeriums ermöglicht wurde, Werke von Künstlern in Bayern, die aus den verschiedenen Vertreibungsgebieten stammten, anzukaufen. Nachdem durch diese nach künstlerischen und sozialen Gesichtspunkten erfolgten Ankäufe eine Sammlung vorlag, wurde dem Direktor der Regensburger Museen, Walter Boll, vorgeschlagen, die ersten hundert Blatt der Sammlungen sudetendeutscher Graphik als Geschenk einzubringen und diese als Grundstock einer "Sudetendeutschen Galerie" in der Kunsthalle am Stadtpark unterzubringen. Gleichzeitig wurde der Oberbürgermeister von Regensburg um die Schirmherrschaft und Förderung für ein Künstlertreffen gebeten. Von 1957 an waren die Oberbürgermeister von Regensburg Schirmherren der bis 1989 jährlich stattfindenden Künstlertreffen.[5]

Literatur

  • Tobias Weger: Zur Gründungsgeschichte des Adalbert Stifter Verein. In: „Volkstumskampf“ ohne Ende? Sudetendeutsche Organisationen, 1945–1955. Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-57104-0, S. 229 ff.

Einzelnachweise

  1. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Hrsg.): Bericht der Bundesregierung über die Maßnahmen zur Förderung der Kulturarbeit gemäß § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) in den Jahren 2015 und 2016. 8.1 Bildungs- und Vermittlungsarbeit der Kulturreferentinnen und Kulturreferen-ten, S. 24, untere Mitte (Online als PDF [abgerufen am 22. Dezember 2019]).
  2. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Weiterentwicklung der Konzeption zur Erforschung, Bewahrung, Präsentation und Vermittlung der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa nach § 96 des Bundesvertriebenengesetzes. Unterrichtung durch die Bundesregierung. 25. Februar 2016, 3. Institutionell durch die BKM geförderte Einrichtungen und Projektförderung, S. 8, untere Mitte (Online als PDF [abgerufen am 22. Dezember 2019] Drucksache 18/7730). Abrufbar unter Drucksachen und Plenarprotokolle des Bundestages - ab 1949. Deutscher Bundestag, 25. Februar 2016, abgerufen am 22. Dezember 2019 (Abgerufen über Dokumentnummer 18/7730).
  3. Vgl. Becher, Peter: Die Anfänge des Adalbert Stifter Vereins (1947–1953). In: 50 Jahre Adalbert Stifter Verein 1947–1997. München 1998, 12–22; Paleczek, Raimund: Von Prag nach München. Die Gründer des Adalbert Stifter Vereins. In: 60 Jahre Adalbert Stifter Verein. Festakt, Chronik 1998–2007, Kolloquium. München 2008, 141–153; Pohl, Karin: Zwischen Abhängigkeit und Förderung. Die frühen Jahre des Adalbert Stifter Vereins (1947–1957) in ebd., 155–170.
  4. Dike Attenbrunner: Auf der Suche nach Identität; Aufsatz zu Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg vom 25. August 2014, Online: http://www.regensburg-digital.de/auf-der-suche-nach-identitaet/25082014
  5. Vgl. Herzogenberg, Johanna: Neubeginn (1953–1968). In: 50 Jahre Adalbert Stifter Verein 1947–1997. München 1998, 23–32