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vom 29.03.2018, aktuelle Version,

Alfred Gerstenberg

Alfred Gerstenberg (* 6. April 1893 in Grainau[A 1]; † 1. Januar 1959 in Bad Tölz[A 2]) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant[A 3] im Zweiten Weltkrieg, dabei u. a. für die Verteidigung der Ölförderanlagen und Raffinerien in Ploiești, Rumänien verantwortlich.

Leben

Vorkriegszeit

Alfred Gerstenberg begann seine militärische Karriere am 9. April 1912 mit dem Eintritt als Fahnenjunker in das Ulanen-Regiment „Kaiser Alexander III. von Rußland“ (Westpreußisches) Nr. 1 in Militsch. Am 18. Dezember 1912 erreichte er den Rang eines Fähnrichs. 1912 bis August 1913 wurde er in die Kriegsschule in Danzig abkommandiert und am 18. August 1913 zum Leutnant befördert.

Erster Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg kam Gerstenberg an der Ostfront zum Einsatz. Später wurde er als Pilot zur Luftaufklärung in die Luftstreitkräfte des Deutschen Kaiserreichs versetzt. Seit dem 31. August 1917 diente er in der Jagdstaffel 11 unter Manfred von Richthofen.

Am 20. Oktober 1917 wurde sein Flugzeug in einem Luftkampf über Vossemolen in Belgien getroffen, wonach er bei Rollegem-Kapelle mit schweren Lungenverletzungen notlanden musste. Im folgenden Jahr nahm er seinen Dienst als Offizier wieder auf, allerdings flog er keine Einsätze mehr.

Zwischenkriegszeit

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gerstenberg in die Reichswehr übernommen und diente ab 1. Januar 1920 im 9. (Preußisches) Reiter-Regiment in Fürstenwalde, zuletzt als Oberleutnant (seit 1. Juni 1922) und Adjutant. Am 31. Juli 1926 schied er aus dem aktiven Dienst aus.

Vom 1. August 1926 bis 1932 war er im Büro der Reichswehr in Moskau als Assistent des Leiters Oskar von Niedermayer tätig. 1934 trat er in die Dienste der späteren Luftwaffe.

Vom 1. Juli bis 30. September 1934 war er Generalstabschef des Deutschen Luftsportverbandes. Ab dem 1. Oktober 1934 war er im Range eines Majors bis zum 31. Juli 1936 Generalstabschef der Luftwaffe-Reserve. Zwischen dem 1. August 1936 und dem 31. März 1938 war er als taktischer Ausbilder im Range eines Oberstleutnants an der Kampffliegerschule Tutow tätig. Am 1. Oktober 1938 wurde er zum Oberst befördert.

Nach 1938 war er als Luftwaffenattaché in den deutschen Botschaften von Warschau (1. Juni 1938 bis 1. September 1939) und Bukarest (1. Juni 1938 bis 27. August 1944) tätig.

Zweiter Weltkrieg

Öltanks der Columbia Aquila Raffinerie brennen nach dem amerikanischen Luftangriff am 1. August 1943

Am 1. September 1941 wurde Gerstenberg zum Generalmajor befördert. Zwischen dem 15. Februar 1942 und dem 27. August 1944 diente Gerstenberg als Kommandierender General und Befehlshaber der Deutschen Luftwaffe in Rumänien. Seine wichtigste Aufgabe war hierbei die Aufstellung eines Flugabwehrgürtels um die Ölförderanlagen und Raffinerien im rumänischen Ploiești, eine der wichtigsten Rohstoffquellen für das Deutsche Reich.

Unter Gerstenbergs Kommando, der am 1. September 1943 in den Rang eines Generalleutnants aufstieg, befanden sich circa 36.000 Soldaten; davon waren etwa 25.000 in Ploiești und etwa 11.000 in der Nähe von Bukarest stationiert. Die Verteidigung verfügte über mehrere hundert schwere Flugabwehrkanonen (8,8 – 10,5 cm) und unzählige Kanonen mit kleinerem Kaliber, die in Heuhaufen, Eisenbahnwaggons und Gebäudeattrappen versteckt waren.[1] Drei Kampfgruppen – bestehend aus insgesamt 52 Messerschmitt Bf 109-Jagdfliegern und Messerschmitt Bf 110-Zerstörern – befanden sich zusammen mit einigen rumänischen IAR-80-Jagdflugzeugen in Reichweite von Ploiești.[2]

Die US Air Force erlitt hierdurch unter anderem bei Luftangriffen im Rahmen der Operation Tidal Wave am 1. August 1943 schwere Verluste. Jedoch fanden bis zum 19. August 1944 noch zahlreiche weitere Luftangriffe statt, die eine weitgehende Zerstörung der Anlagen zur Folge hatten.[3]

Nach dem Königlichen Staatsstreich Michaels I. und dem einhergehenden Seitenwechsel Rumäniens am 23. August 1944 versuchte Gerstenberg mit seinen Truppen im Rahmen der Operation Margarethe II,[A 4] strategisch wichtige Punkte innerhalb Bukarests zu besetzen. Seine Einheiten wurden jedoch eingekreist, und trotz Unterstützung durch Fallschirmjäger des Fallschirmjägerbataillons Brandenburg schlug der Versuch fehl. Darauf ordnete Adolf Hitler die Bombardierung von Bukarest an.[4]

Am 28. August 1944 ergab sich Gerstenberg der Roten Armee. Er wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt, und am 12. Oktober 1955 aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft entlassen, die er seit Juli 1952 im Gefangenenlager Wladimirowka verbracht hatte. Er starb 1959 an Tuberkulose.

Auszeichnungen

Literatur

  • Ioan Scurtu, Gheorghe Buzatu: Istoria Românilor în Secolul XX. Paideia, București 1999, ISBN 973-9368-64-6, S. 456.

Einzelnachweise

  1. Duane Schultz: Into the Fire: Ploesti, the Most Fateful Mission of World War II. Westholme Publishing, 2008, ISBN 978-1-59416-077-6, S. 64–65. (englisch)
  2. Edward Jablonski: Airwar, Volume 1 (Tragic Victories), Book II (The Big League). Doubleday, 1979, ISBN 0-385-14279-X, S. 157, 161. (englisch)
  3. thelevantandthebalkanswwii.devhub.com (Memento des Originals vom 14. November 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/thelevantandthebalkanswwii.devhub.com, The Levant and the Balkans WWII: Ploiesti Air Raids, Romania - USAAF WWII - Chronology. 11. Januar 2011. (englisch)
  4. Narcis I. Gherghina: Bombardamentele germane asupra Bucureştiului: 23-26 August 1944. In: Dosarele Istoriei. Nr. 8 (97), 2004, S. 35–38. (rumänisch)
  5. 1 2 3 4 Rangliste des Deutschen Reichsheeres, Hrsg.: Reichswehrministerium, Mittler & Sohn, Berlin 1925, S. 169.

Anmerkungen

  1. Eine andere Quelle nennt Nowa Wieś Królewska (Oppeln) (deutsch Bolko, bis 1930 Königlich Neudorf) als Geburtsort.
  2. Eine andere Quelle nennt als Todestag den 4. Januar 1959 und als Sterbeort Garmisch-Partenkirchen.
  3. Einige Quellen deuten an, dass Gerstenberg am 1. September 1944 in den Rang eines Generals der Flieger erhoben wurde. Dies ist allerdings unwahrscheinlich, da er sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Kriegsgefangenschaft befand.
  4. Operation Margarethe II war die geplante Besetzung Rumäniens im Falle eines Separatfriedens mit den Alliierten