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vom 10.11.2017, aktuelle Version,

Alter Dom (Linz)

Der Alte Dom, vom Hauptplatz aus gesehen

Der römisch-katholische Alte Dom ist eine Kirche im Rathausviertel der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz.

Der Dom, der bis zum Bau des Mariä-Empfängnis-Doms (Neuer Dom) als Ignatiuskirche bekannt war, wurde von 1669 bis 1678 gebaut. Der Architekt ist nicht bekannt, jedoch werden die Pläne dem Architekten Pietro Francesco Carlone unter Mitarbeit von Carlo Antonio Carlone zugeschrieben. Von 1785 bis 1909 war er die Bischofskirche der Diözese Linz. Seitdem er in dieser Funktion vom Neuen Dom abgelöst wurde, wird der Alte Dom vom Jesuitenorden betreut.

Geschichte

Der Alte Dom, Süd-Ost-Ansicht
Innenraum

Anfänglich war der Dom eine Jesuitenkirche. Die Grundsteinlegung erfolgte 1669 durch David Fuhrman. Nach einer Bauzeit von knapp unter 20 Jahren wurde das Gebäude 1678 Ignatius von Loyola geweiht, dem Gründer des Jesuitenordens.

Der Dom ist einschiffig, besticht aber durch seine Weiträumigkeit. Dem Baustil des Barock entsprechend ist das Innere leuchtend hell und hat seitliche Kapellennischen. Über dem Eingangstor befinden sich Wappen der Grafengeschlechter Starhemberg, Weissenwolf und Kuefstein.

1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben, die Kirche stand daraufhin leer. Kaiser Joseph II. zwang die Diözese Passau mit einem Vertrag vom 4. Juli 1784 zum Verzicht auf ihre Pfarren in Oberösterreich und gründete die Diözese Linz. Nach der Bestätigung per päpstlicher Bulle vom 28. Januar 1785 durch Papst Pius VI. wurde der Passauer Weihbischof Ernest Johann Nepomuk Graf Herberstein als erster Linzer Bischof eingesetzt. Dieser wählte die immer noch unbenutzte Kirche als Dom, anstelle der zuerst dafür vorgesehenen Stadtpfarrkirche.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Linz so stark gewachsen, dass der Platz im Dom nicht mehr ausreichte. Bischof Rudigier ließ daraufhin einen neuen, größeren Dom errichten (den heutigen Neuen Dom). Bis 1909 blieb die Kirche die Domkirche von Linz, seither heißt sie Alter Dom.

Architektur

Hochaltar

Hochaltar

Der Hochaltar[1] ist ein Meisterwerk von Giovanni Battista Colombo und Giovanni Battista Baberini. Das Altarbild zeigt Mariens Aufnahme in den Himmel. Ursprünglich befand sich dort ein Bildnis des hl. Ignatius. Dieses Bild wurde allerdings ersetzt durch eben das Marienbild. Es stammt ursprünglich aus der Schwarzspanierkirche in Wien.

Chorgestühl

Das Chorgestühl stammt aus dem Stift Garsten. Bischof Rudigier erwarb es, da ihm das vorhandene zu einfach war. Das Chorgestühl kam auf dem Wasserweg bis Mauthausen und per Pferd dann nach Linz.

Kanzel

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Kanzel mit ihrem wunderbaren Schalldeckel. An den vier Ecken befinden sich Engelsputten, dann die vier Evangelisten. In der Mitte befindet sich Jesus mit der Weltkugel als Verkünder des Evangeliums. Den Abschluss bildet die Statue von Johannes dem Täufer.

Brucknerorgel

Brucknerorgel

Die Linzer Brucknerorgel ist in mehrerer Hinsicht eine herausragende Denkmal-Orgel: wegen ihrer Qualität, ihrem Bezug zu Anton Bruckner, ihrer Größe und ihres Erhaltungszustandes.
Sie war 1768–1770 von Franz Xaver Chrismann für die Stiftskirche Engelszell angefertigt worden. Nach der Säkularisation des Klosters wurde er angewiesen, das Instrument nach Linz zu verfrachten, um sie in einem neu entworfenen Orgelgehäuse in der gerade inaugurierten Domkirche einzubauen. Diese Maßnahme führte er 1790 zu Ende, wobei er das vormals als Brüstungswerk ausgeführte Positiv mittig zwischen den Orgelkästen platziert hatte. Anton Bruckner, der 1856–1868 Domorganist war, ließ sie zwischen 1856 und 1867 peu à peu nach seinen Wünschen von Josef Breinbauer umgestalten. Unter anderem wurden das Blockwerk durch Schleifladen registrierbar gemacht und die vorhandenen Halbregister voll ausgebaut. Auch nach seiner Übersiedlung nach Wien kam Bruckner häufig nach Linz zurück, um auf dem nach seinen Klangvorstellungen adaptieren Instrument zu improvisieren.
Die im hergebrachten Zustand erhaltene Schleifladen-Orgel hat auf drei Manualen und Pedal 32 Register, die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch. Sie wird, beginnend im Sommer 2016, von Kuhn restauriert.[2]

Eine Gedenktafel an der Fassade des Alten Domes erinnert an Anton Bruckners Wirken als Linzer Domorganist.

I Hauptwerk CDEFGA–c3
Pordun 16′
Salicional 8′
Coppel 8′
Quint 6′
Octav 4′
Piccolo 4′
Quint 3′
Superoctav 2′
Mixtur VII
Cornett IV
II Mittelmanual CDEFGA–c3
Flauto 16′
Principal 8′
Coppel 8′
Gamba 8′
Vox humana 8′
Echo 8′
Octav 4′
Flöte 4′
Fagott (B) 8′
Trombete (D) 8′
III Oberwerk CDEFGA–c3
Principal 8′
Coppel 8′
Salicet 8′
Spitzfloete 4′
Quint 3′
Superoctav 2′
Mixtur III
Pedal CDEFGA–gis0
Principalbaß II 16′ + 8′
Subbaß 16′
Octavbass 8′
Pedal Mixtur VI
Pombarton 16′

Gräber

Im Alten Dom befindet sich das Grab von Maria Elisabeth, einer Tochter von Maria Theresia. Ebenso sind alle Jesuiten, die vor der Auflösung verstorben sind, hier begraben. Auch heute ist der Dom wieder Begräbnisort für die Jesuiten des Domes und des Kollegiums Aloisianum am Freinberg. Die zwischen 1785 und 1924 verstorbenen Bischöfe von Linz wurden ebenfalls im Alten Dom bestattet; ihre Särge wurden nach der Fertigstellung des Neuen Doms in die neue Kathedrale verlegt.

Literatur

  • Otto Constantini: Die Linzer Jesuitenkirche (= Linzer Sehenswürdigkeiten, Band 3 (richtiger 4)), 2. Aufl., Linz 1966.
  • Dom-Kirche in Linz, nebst den Bischöfen, Domherren und Ehren-Domherren seit der Entstehung des Bisthums, sammt einem Anhange, dann der ältesten Dekanats- und Pfarr-Eintheilung in Oesterreich ob der Enns in der dortmaligen Passauer-Diöcese, hrsg. von Benedikt Pillwein. Druck der J. Weinmayr’schen Buchdruckerein: Linz 1843.
  • Gefährten Jesu – Gefährten der Menschen. 100 Jahre Jesuiten am Alten Dom 1909–2009, hrsg. von der Jesuitenkommunität St. Ignatius, Linz 2009, ISBN 978-3-902330-35-2.
  • Heinz Urban: St. Ignatius – Alter Dom Linz, Innsbruck 1994.
  Commons: Alter Dom (Linz)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ruth Pucher: Mit der Lilie durch die Kirche … . Entdeckungen und Anmerkungen zur Ikonografie ausgewählter Bilder und Altäre. In: Lit. Gefährten Jesu 2009, S. 127–136.
  2. Nähere Informationen zur Bruckner-Orgel und zur Disposition