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vom 12.12.2016, aktuelle Version,

Anna von Mildenburg

Anna von Mildenburg
Grab der Familie Bahr

Anna von Mildenburg (geborene Bellschan von Mildenburg, verehelichte Anna Bahr-Mildenburg; * 29. November 1872 in Wien; † 27. Jänner 1947 in Wien) war eine österreichische Opernsängerin (Sopran) und gefeierte Wagner-Interpretin.

Leben

Sie war Schülerin von Rosa Papier am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Durch die Zusammenarbeit mit Cosima Wagner und Gustav Mahler erwarb sie eine umfassende Darstellungsfähigkeit.

Ihr erstes Engagement trat sie 1895 am Hamburger Stadttheater (jetzige Hamburgische Staatsoper) an, wo sie die Rolle der Brünnhilde gesungen hat, eine der schwierigsten Wagner-Rollen. Mit Gustav Mahler, der bereits seit 1891 Kapellmeister an diesem Hause war, begann sie ein Liebesverhältnis, das allerdings 1897 bereits wieder deutlich abgekühlt war. 1897 sang sie in Bayreuth die Kundry.

Obwohl das Verhältnis mit ihr beendet war, holte Gustav Mahler sie 1898 an die Wiener Hofoper, wo sie in den berühmten Inszenierungen Mahlers enormen Erfolg hatte. Ferner war sie europaweit als Sängerin tätig. Anna von Mildenburg war bis 1917 gefeiertes Mitglied der Wiener Hofoper und kehrte bis 1930 gastweise immer wieder dorthin zurück. Die Neuinszenierung von Tristan und Isolde, bei der Mildenburg die Isolde sang, Alfred Roller das Bühnenbild schuf und Mahler dirigierte, gilt bis heute als legendäre Aufführung.

Ab 1904 hatte sie eine Beziehung mit Hermann Bahr, die 1909 nach seiner Scheidung in der Ehe mündete. Gemeinsam übersiedelten sie 1912 nach Salzburg. 1920 nahm sie dann eine Stelle als „Lehrerin der Darstellungskunst“ an der Akademie der Tonkunst in München an. Nach Bahrs Tod 1934 betätigte sie sich als seine Nachlassverwalterin und versuchte, mäßig erfolgreich, seine Schriften zu ordnen.

Anna von Mildenburg gastierte bei den Salzburger Festspielen 1922–1927 in Hugo von Hofmannsthals Das Salzburger Große Welttheater und unterrichtete 1929 an der Internationalen Sommerakademie Mozarteum in Salzburg.

Ihr Nachlass befindet sich heutzutage zusammen mit jenem ihres Ehemannes im Österreichischen Theatermuseum in Wien.

Ehrungen und Auszeichnungen

Literatur

  • Joseph Gregor: Bahr-Mildenburg, Anna. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 540 (Digitalisat).
  • Karin Martensen: Die Frau führt Regie. Anna Bahr-Mildenburg als Regisseurin des Ring des Nibelungen (= Beiträge zur Kulturgeschichte der Musik. 7). Mit einem Anhang: Regiebücher zu Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. Allitera-Verlag, München 2013, ISBN 978-3-86906-506-9 (Zugleich: Hannover, Hochschule für Musik, Theater und Medien, Dissertation, 2012).
  • Anna Bahr-Mildenburg, in: Internationales Biographisches Archiv 25/1947 vom 9. Juni 1947, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Anna Bahr-Mildenburg: Erinnerungen. Wiener Literarische Anstalt, Wien u. a. 1921.
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