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vom 14.08.2016, aktuelle Version,

Antlassritt

Beim Antlassritt („Antlas“ von mittelhochdeutsch antlaz für Ablass, Entlassen aus der Buße‘) handelt es sich um eine am Fronleichnamsfest durchgeführte eucharistische Prozession zu Ehren des im Allerheiligsten als gegenwärtig geglaubten Herrn. Der Anlass für das Gelöbnis der jahrhundertelang geübten einzigen Prozession zu Pferd am Fronleichnamstag in Nordtirol ist nicht mehr sicher festzustellen, wird aber häufig auf die „Schwedengefahr“ gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges zurückgeführt.

Teilnehmer und Verlauf

Schwedenkapelle in Kirchberg in Tirol

An der Prozession beteiligen sich neben den Seelsorgern der Gemeinden Brixen im Thale, Kirchberg in Tirol und Westendorf ausschließlich Männer aus den genannten Dörfern. Der Antlassritt beginnt am Fronleichnamstag um 13 Uhr bei der Dekanatskirche in Brixen und führt über die Bundesstraße nach Kirchberg bis zur 1750 errichteten Klausenkapelle („Schwedenkapelle“) und zurück. Auf der Klausenkapelle findet sich mit der Jahreszahl 1643 die Aufschrift "Bis hieher (sic!) und nicht weiter kamen die Schwedischen Reiter". Die Kapelle markiert zugleich die bis 1816 gültige, alte Landesgrenze zwischen Salzburg und Tirol. Glockengeläut und das Spiel der örtlichen Musikkapellen begleiten den Zug.

Geschichte

Bezüglich des geschichtlichen Hintergrundes des Antlassrittes gibt es verschiedene Überlieferungen. Am Klausenbach, der eine natürliche Talenge (Klause) durchfließt, sollen im Dreißigjährigen Krieg die sogenannten „Enterlender Bauern“, das heißt die Kirchberger, Brixner und Westendorfer, den eingebrochenen Schweden entgegengeritten sein und sie in einem harten Kampf besiegt haben.

Nach einer anderen Version habe der Brixner Dekan die anstürmenden Feinde durch das Entgegenhalten der Monstranz zu wilder Flucht veranlasst. Diese Schilderung kann allerdings mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen, denn es ist historisch nachgewiesen, dass die Schweden das rechte Innufer – und damit das Brixental – nie erreicht haben, obwohl die Aufschrift auf der Klausenkapelle auf den ersten Blick dagegen spricht. Die Annahme des Heimatforschers Anton Dörrer, es handle sich bei dem Ritt um ein Gelöbnis zur Bannung der Schwedengefahr, gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit.

Dörrer vermutet im Antlassritt außerdem eine uralte germanische Darstellung vom Sieg des Sommers über den Winter und gibt als Begründung dafür das Umreiten des Maibaumes als Symbol des Wachstums und der Fruchtbarkeit an. Nach dem Verblassen der Erinnerung an die ursprüngliche Bedeutung habe sich dann der Ritt in den Kriegsnöten des 17. Jahrhunderts mit einer gelobten Prozession zur Schwedenkapelle verschmolzen.

Literatur

  • Franz Caramelle: Der Brixentaler Antlaßritt. In: Sebastian Posch (Hrsg.): Brixen in Thale 788–1988. Innsbruck 1988 (= Schlern Schrift Nr. 281)
  • Günter Kapfhammer: Brauchtum in den Alpenländern. München 1977
  • Ludwig von Hörmann: Tiroler Volksleben. Stuttgart 1909