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vom 27.12.2016, aktuelle Version,

Armand Léon von Ardenne

Armand Léon Baron von Ardenne

Armand Léon Baron von Ardenne[1] (* 26. August 1848 in Leipzig; † 20. Mai 1919 in Groß-Lichterfelde) war ein preußischer Generalleutnant und Militärhistoriker. Er schrieb unter dem Pseudonym Bernays. Von Ardenne ist das Urbild der Romanfigur Baron Geert von Innstetten in Fontanes Effi Briest.

Leben

Ardenne war Sohn des Königlich Belgischen Generalkonsuls für das Königreich Sachsen Louis Célestin Prosper von Ardenne. Er galt als musisch (Klavier) begabt und besuchte bis 1866 die humanistische Thomasschule zu Leipzig.[2] Militärisch interessiert, nahm er 1866 am Deutschen Krieg gegen Österreich teil. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870 erlitt er eine Schussverwundung und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Von 1871 bis 1875 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin. Am 9. Oktober 1873 wurde er durch Allerhöchste Kabinettsorder in den Adelsstand als Baron erhoben. Der Leutnant, von 1866 bis 1875 stationiert beim Husaren-Regiment „von Zieten“ in Rathenow, verlobte sich 1871 in Stechow und ehelichte am 1. Januar 1873 in Zerben Elisabeth von Plotho, geb. Edle und Freiin von Plotho-Zerben, Tochter des Gutsherren Felix von Plotho, für die er seit ihrer ersten Begegnung eifrig warb. Danach wohnten sie in Lützow beim Zoologischen Garten Berlin, wo er ab 1875 als Hauptmann im Großen Generalstab tätig war. Sie hatten drei Kinder.

1879 wurde er als Adjutant des Kommandeurs der Kavallerie-Brigade nach Metz und 1881 als Rittmeister und Eskadronchef zum 2. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 11 nach Düsseldorf versetzt. Dort lebten sie im Schloss Benrath. Ardenne arbeitete ab dem 1. Oktober 1884 als Adjutant des Kriegsministers Paul Bronsart von Schellendorff und Referent im Kriegsministerium in Berlin. Im November 1886 kam er einer Affäre seiner Frau, Elisabeth von Plotho, mit dem Amtsrichter Emil Hartwich, der sie anfangs malte und mit dem sie später in Korrespondenz stand, auf die Schliche. Er forderte ihn zum Pistolenduell heraus und erschoss ihn auf der Hasenheide bei Berlin. Nach seiner Verhaftung und Buße von achtzehn Tagen in Festungshaft in der Zitadelle Magdeburg wurde er entlassen und von Kaiser Wilhelm I. zum Major beim Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 24 befördert.[3] Im März desselben Jahres ließ er sich von seiner Frau scheiden und behielt das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder. Er zahlte ihr eine Abfindung von 32.000 Reichsmark. 1888 heiratete er die Soubrette Julie Peters. Die Ardenne-Affäre wurde von Theodor Fontane in seinem Roman Effi Briest aufgegriffen.

1893 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Vom 18. April 1897 bis 18. Mai 1901 war er Regimentskommandeur in Darmstadt. 1895 erfolgte die Ernennung zum Oberst. 1897 wurde er in Glogau Kommandeur der 9. Kavallerie-Brigade und Generalmajor. Am 30. Mai 1901 beauftragte man Ardenne mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Inspekteur der 3. Kavallerie-Inspektion in Münster. Gleichzeitig hatte er in Vertretung bis zum 13. November 1901 die Führung der 13. Division zu übernehmen.[4] Am 3. April 1902 folgte seine Beförderung zum Generalleutnant und als solcher war Ardenne vom 1. April 1902 bis zum 14. April 1904 Kommandeur der 7. Division in Magdeburg. Im Anschluss wurde Ardenne in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt.[5]

Ardenne wurde 1906 durch Kaiser Wilhelm II. beauftragt, eine Expertise über den Rückstoß bei Kanonen auszuarbeiten. Anders als Wilhelm II., der die Firma Krupp bevorzugte, hielt Ardenne das von Heinrich Ehrhardt der Rheinischen Metallwarenfabrik erstellte Gerät für geeigneter.[6] Während des Ersten Weltkrieges war er Kommentator beim Berliner Tageblatt. Er verfasste zahlreiche Schriften zur Militärhistorie (u. a. mit Hans Ferdinand Helmolt, Wilhelm von Voss und Rudolf von Caemmerer) und lehrte an der Preußischen Kriegsakademie.

Ardenne war u. a. mit dem Industriellen Friedrich Alfred Krupp und dem Maler Max Liebermann befreundet. Er war der Großvater des Physikers Manfred von Ardenne. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Parkfriedhof Lichterfelde.[7]

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Geschichte des Zieten’schen Husaren-Regiments. Berlin 1874.
  • Bergische Lanziers, Westfälische Husaren Nr. 11. Berlin 1877, Digitalisat
  • Unsere Maschinengewerbe, ihre Entwicklung und Verordnung. Leipzig 1915.
  • Unser Train. Seine Bedeutung und seine Aufgaben. Leipzig 1915.
  • Der deutsch-französische Krieg 1870/71. Berlin 1916.
  • Kämpfe nach der Winterschlacht an den masurischen Seen. Deutsche Armeen in Westgalizien und den Karpathen. Berlin 1916.
  • Die deutsche Ostfront 1917 bis zum Angriff auf Riga. Berlin 1919.
  • Die Kämpfe im Westen. Die Winterschlacht in der Champagne. Die französisch-englische Sommer-Offensive 1915. Berlin 1919.
  • Das Heer und die Offiziere. Berlin 1919.

Einzelnachweise

  1. Ardenne, Armand Leon Baron v. im Deutschen Biographischen Adelsrepertorium 1200–1999 des Institutes Deutsche Adelsforschung.
  2. Richard Sachse, Karl Ramshorn, Reinhart Herz: Die Lehrer der Thomasschule zu Leipzig 1832–1912. Die Abiturienten der Thomasschule zu Leipzig 1845–1912. B. G. Teubner Verlag, Leipzig 1912, S. 43.
  3. Die echte Effi – Elisabeth von Plotho. In: Der Tagesspiegel. 8. Februar 2009.
  4. Militär-Wochenblatt. Nr. 49 vom 5. Juni 1901, S. 1305.
  5. Militär-Wochenblatt. Nr. 48 vom 23. April 1904, S. 1169.
  6. Rudolf Augstein: Heros und Heulhuber. In: Der Spiegel. Nr. 28, 1998 (online).
  7. Armand Leon Baron von Ardenne. Friedparks.de, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  8. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Preußisches Kriegsministerium (Hrsg.): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1903. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1903, S. 57.