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vom 29.12.2018, aktuelle Version,

Befreiung der SS-Geiseln in Südtirol

Die Befreiung der SS-Geiseln in Südtirol fand zum Ende des Zweiten Weltkrieges am 30. April 1945 in Niederdorf (italienisch Villabassa) im Hochpustertal statt. Soldaten der Wehrmacht unter Führung von Hauptmann Wichard von Alvensleben befreiten 141 Sonder- und Sippenhäftlinge, die aus Deutschland und fünfzehn weiteren europäischen Staaten stammten, aus den Händen eines SS-Kommandos. Unter den Befreiten befanden sich Totgeglaubte wie der ehemalige österreichische Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg, der frühere französische Ministerpräsident Léon Blum und Pastor Martin Niemöller sowie weitere bekannte Persönlichkeiten wie der Großindustrielle Fritz Thyssen und der frühere Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht.[1]

Vorgeschichte

Ausgangspunkt war vermutlich ein Plan Ernst Kaltenbrunners, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, prominente Häftlinge als Geiseln der SS in die „Alpenfestung“ nach Südtirol zu verschleppen. Als Faustpfand sollten sie dort für Waffenstillstandsverhandlungen mit den Westalliierten zur Verfügung stehen. Im Frühjahr 1945 wurde hierfür eine Auswahl solcher Häftlinge und einiger Angehöriger aus verschiedenen nationalsozialistischen Konzentrationslagern, darunter Buchenwald, Flossenbürg und Mauthausen, im Konzentrationslager Dachau zusammengelegt. Von Dachau aus, dem sich bereits amerikanische Truppen näherten, wurden die inzwischen 141 Häftlinge aus 16 Nationen Europas in drei Gruppen am 17., 24. und 26. April 1945 von einem Sonderkommando der SS und des SD zunächst in das Lager Reichenau in Innsbruck deportiert. Der Transport wurde von SS-Obersturmführer Edgar Stiller geleitet. Die Begleiter waren fünfzig, nach anderen Angaben achtzig SS-Männer, die den Auftrag hatten, die Gefangenen im Zweifelsfall zu liquidieren. Die meisten waren SS-Wachleute aus Dachau, die übrigen gehörten zu einem SD-Kommando unter einem SS-Untersturmführer Bader.[1]

Von Innsbruck aus wurde der Gefangenentransport am 27. April mit Bussen und Lastwagen fortgesetzt. Am Morgen des 28. April traf der Transport bei Niederdorf im Hochpustertal ein. Das ursprüngliche Ziel, ein normalerweise in dieser Jahreszeit noch geschlossenes Hotel am nahegelegenen Pragser Wildsee, war wider Erwarten von den Wehrmachtsgenerälen Hans Schlemmer, Hans Jordan und Belovius mit ihren Stäben belegt.[1]

Während Stiller nach einer Lösung suchte, ließen sich die Gefangenen von ihren Bewachern nicht hindern, zu Fuß nach Niederdorf zu laufen. Die Südtiroler Bevölkerung zeigte Sympathie und Hilfsbereitschaft. Die Gefangenen wurden teils in Gasthöfen sowie im Pfarrhof, teils auf provisorisch aufgeschüttetem Stroh im Gemeindeamt untergebracht.[1]

Besonders prominente Häftlinge

Unter den Internierten befanden sich der ehemalige österreichische Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg mit Frau und Tochter, der ehemalige Wiener Bürgermeister Richard Schmitz, der frühere französische Ministerpräsident Léon Blum mit Frau, der französische Bischof von Clermont-Ferrand, Gabriel Piguet, der ehemalige ungarische Ministerpräsident Miklós Kállay, der Oberbefehlshaber des griechischen Heeres, General Alexandros Papagos mit seinem Stab, die beim Venlo-Zwischenfall entführten Agenten des britischen Geheimdienstes Sigismund Payne Best und Richard Henry Stevens, die Theologen Johannes Neuhäusler und Martin Niemöller, der ehemalige Generalstabschef des deutschen Heeres, Generaloberst Franz Halder mit Ehefrau, die Generale der Infanterie Alexander Freiherr von Falkenhausen und Georg Thomas, der Generalstabsoberst Bogislaw von Bonin, Philipp Prinz von Hessen, der Widerstandskämpfer und Offizier Fabian von Schlabrendorff, der Großindustrielle Fritz Thyssen mit Ehefrau, der frühere Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht, die Kabarettistin und spätere Ordensschwester Isa Vermehren sowie unter den nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 festgenommenen „Sippenhäftlingen“ acht Familienangehörige von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und sieben aus der Familie des ehemaligen Leipziger Oberbürgermeisters Carl Goerdelers.

Befreiung aus Gewahrsam der SS durch die Wehrmacht

Ober ­grup ­pen ­füh ­rer Karl Wolff (1937)
Haupt ­mann Wichard von Alvens ­leben (um 1960)
Auf dem Von-Kurz-Platz in Niederdorf in der linken Bildhälfte ließ Alvensleben das Gemeindeamt umstellen
Gemeindeamt von Niederdorf
Hotel „Pragser Wildsee“

Am 29. April 1945 gelang es einem der Sonderhäftlinge, Oberst Bogislaw von Bonin, heimlich mit dem Oberkommando der Heeresgruppe C in Bozen zu telefonieren. Er bat General Hans Röttiger, den Stabschef des Oberbefehlshaber Südwest, Generaloberst Heinrich von Vietinghoff, um Hilfe. Nach einem Gottesdienst in der Niederdorfer Pfarrkirche erklärte SS-Führer Stiller bei einer Versammlung, die Kontrolle an ein zuvor gegründetes Häftlingskomitee unter Leitung des britischen Geheimdienstagenten Sigismund Payne Best und die durch Bonin alarmierte Wehrmacht abgeben zu wollen. Den SS-Häftlingen drohte aber weiter Gefahr, welche von dem als skrupellos beschriebenen SS-Untersturmführer Bader und seinem SD-Trupp ausging.[1]

Als Reaktion auf das Telefonat Bonins mit General Röttiger traf um Mitternacht Hauptmann Wichard von Alvensleben aus Moos bei Sexten in Niederdorf ein, um sich ein erstes Lagebild zu verschaffen.[1]

Am 30. April kam Alvensleben morgens erneut nach Niederdorf, wo ihm SS-Untersturmführer Bader erklärte, sein Auftrag sei „erst dann erledigt, wenn die Gefangenen tot sind.“[2] Alvensleben enthob Bader von seiner Funktion und forderte bei seiner Kompanie in Sexten telefonisch fünfzehn mit Maschinenpistolen bewaffnete Unteroffiziere an, die wenig später das Gemeindeamt umstellten, wo die SS ihr Quartier aufgeschlagen hatte. Nachdem zusätzliche hundertfünfzig Grenadiere aus Toblach eingetroffen waren und den Platz vor dem Gemeindeamt umstellt hatten, konnte Alvensleben mit telefonischer Rückversicherung aus Bozen durch SS-Obergruppenführer Karl Wolff den SS-Untersturmführer Bader und seinen SD-Trupp dazu bringen, abzuziehen.[1]

Die Wehrmacht übernahm nun den Schutz der befreiten SS-Gefangenen. Wie Alvensleben später erklärte, war der kampflose Abzug von Baders SD-Trupp „das alleinige und eindeutige Verdienst des Karl Wolff,“ der Alvenslebens „eigenmächtiges Unternehmen sanktionierte und der SS gegenüber autorisierte.“[3]

Da die drei Wehrmachtsgeneräle mit ihren Stäben inzwischen auf Anweisung von Generaloberst Vietinghoff umquartiert worden waren und das Hotel „Pragser Wildsee“ verfügbar war, wurden die befreiten Häftlinge am Abend des 30. Aprils dorthin gebracht. Dort organisierten sie unter Leitung der Hotelbesitzerin Emma Heiss-Hellensteiner das Notwendigste. Wehrmachtssoldaten sicherten mit fünf Maschinengewehren das Hotelareal. SS-Obersturmführer Stiller, der mit dreißig seiner Männer ebenfalls im Hotel unterkommen wollte, wurde abgewiesen.[1]

Kaltenbrunner versuchte weiterhin, die Geiseln wieder in seine Gewalt zu bringen. Von der Geheimen Staatspolizei in Klagenfurt soll Hans Philipp, der Gestapo-Chef von Sillian, am 1. Mai den schriftlichen Befehl erhalten haben, die Häftlinge zu liquidieren bzw. sie über die Grenze ins Deutsche Reich zu bringen. Während Niederdorf im italienischen Südtirol liegt, befindet sich Sillian zwanzig Kilometer östlich davon jenseits der italienischen Grenze im damaligen Großdeutschen Reich. Philipp führte dies aber nicht aus und nahm sich laut Sterbebuch am 4. Mai 1945 mit Schlaftabletten das Leben.[1]

Übernahme durch US-Truppen

Zwei Tage nach der bereits am 29. April 1945 mit Vollmacht von Generaloberst Vietinghoff und SS-Obergruppenführer Wolff in Caserta unterzeichneten,[4] aber erst am 2. Mai offiziell in Kraft getretenen Kapitulation der Wehrmacht in Italien trafen am 4. Mai amerikanische Truppen am Pragser Wildsee ein und übernahmen die Gefangenen. Einen Tag später erschienen Journalisten und Pressefotografen von alliierter Seite und die Ereignisse machten außerhalb von Deutschland Schlagzeilen. Darin blieb allerdings der Beitrag von Alvenslebens unberücksichtigt.[1] In zwei Transporten, die am 8. und 10. Mai aufbrachen, gelangten dann die ehemaligen Geiseln unter US-amerikanischer Bewachung über Verona und Neapel nach Capri, wo die Odyssee für alle als „unbelastet“ geltenden Gefangenen schließlich endete und sie freigelassen wurden. Für einige ehemalige SS-Sonderhäftlinge führte die Übernahme durch die Amerikaner jedoch zu erneuter Gefangenschaft, so für Oberst von Bonin (weitere zwei Jahre in amerikanischer Kriegsgefangenschaft) und für Schacht (später bei dem Nürnberger Prozess als Hauptkriegsverbrecher angeklagt, 1946 freigesprochen).[5]

Liste der 141 in Niederdorf befreiten Häftlinge aus 16 Staaten

[1] [6] (Staaten in den Grenzen von 1938 vor dem Anschluss Österreichs, in alphabetischer Folge)

Dänemark (6)

  • Hans Frederik Hansen, Marineingenieur, Special Operations Executive (SOE), Deckname „Frederiksen“[7]
  • Adolf Theodor Larsen, SOE, Deckname „Andy“[8]
  • Hans Mathiesen Lunding, Rittmeister, Chef des dänischen Geheimdienstes
  • Max Johannes Mikkelsen, Kapitän, SOE[9]
  • Jørgen Lønborg Friis Mogensen, ehemaliger Vizekonsul in Danzig
  • Knud Erik Pedersen, Kapitän, SOE[10]

Deutschland (29)

Frankreich (6)

Griechenland (7)

  • Konstantinos Bakopoulos, Generalleutnant, Befehlshaber der Metaxas-Linie
  • Panagiotis Dedes, Generalleutnant
  • Vassilis Dimitrion, Soldat
  • Nikolaos Grivas, Feldwebel
  • Georgios Kosmas, Generalleutnant
  • Alexandros Papagos, Feldmarschall
  • Ioannis Pitsikas, Generalleutnant, Bürgermeister von Athen

Großbritannien und Nordirland (14)

  • Sigismund Payne Best, Deckname Wolf, Captain (Hauptmann), britischer Geheimdienst (Organisation Z) in Den Haag
  • Jack Churchill, Lieutenant Colonel (Oberstleutnant).
  • Peter Churchill, Captain (Hauptmann), Special Operations Executive (SOE)
  • Thomas J. Cushing, Staff Sergeant (Feldwebel)
  • Harry M. A. Day, Wing Commander (Oberstleutnant) der Royal Air Force (RAF)
  • Sydney Dowse, Squadron Leader (Major) der RAF
  • Hugh M. Falconer, Squadron Leader (Major) der RAF, Special Operations Executive, Funkexperte, in Tunesien gefangen
  • Wadim Greenewich, geboren in Rußland, 1929 eingebürgert, Resident im Foreign Office Passport Control Department in Sofia
  • Bertram James, Flight Lieutenant (Hauptmann) der RAF
  • John McGrath, Lieutenant Colonel (Oberst), sollte eine irische Brigade gründen
  • Patrick O’Brian, Soldat
  • John Spence, Bauer
  • Richard Henry Stevens, Lieutenant Colonel (Oberst), britischer Geheimdienst (Passport Control Office) in Den Haag
  • Andrew Walsh, Soldat, Flugzeugmechaniker der RAF

Italien (7)

  • Amechi[12]
  • Eugenio Apollonio, stellvertretender Polizeichef der Italienischen Sozialrepublik in Salò
  • Mario Badoglio, Hauptmann der Regia Aeronautica, Sohn des Marschalls Pietro Badoglio
  • Burtoli[12]
  • Enrico Ferrero, genannt „Capitano Davide“, Führer einer auf deutscher Seite gegen die kommunistischen Partisanen kämpfenden Partisaneneinheit[13]
  • Sante Garibaldi, Offizier, Neffe von Giuseppe Garibaldi
  • Tullio Tamburini, Polizeichef der Italienischen Sozialrepublik in Salò

Jugoslawien (3)

  • Hinko Dragic, Oberst
  • Novak D. Popovic, Generalpostmeister
  • Dimitrije Tomalevsky, Journalist

Lettland (1)

Niederlande (1)

  • Johannes J. C. van Dijk, ehemaliger Verteidigungsminister

Norwegen (1)

  • Arne Simenson Daehli, Kapitän der Marine, Chef der Walfangabteilung, Widerstandskämpfer[14]

Österreich (5)

  • Konrad Praxmarer, Schriftsteller, kurzzeitiger Leiter der Studienbibliothek in Linz, Wehrmachtsdolmetscher[15]
  • Richard Schmitz, ehemaliger Bürgermeister von Wien
  • Kurt Schuschnigg, Deckname Auster, ehemaliger Bundeskanzler
  • Vera Schuschnigg, Ehefrau des Kurt, war seit Dezember 1941 zusammen mit der gemeinsamen Tochter Vera freiwillig bei ihrem Mann in KZ-Haft und wurde daher offiziell nicht als Gefangene geführt[1]
  • Maria Dolores Elisabeth Schuschnigg, Tochter des Kurt und Vera

Polen (3)

  • Jan Izycki, Brigadegeneral der polnischen Luftwaffe, später Vice Air Marshal
  • Stanislaw Jensen, Bomberpilot der Royal Air Force
  • Graf Aleksander Leszek Zamoyski, Hauptmann der Kavallerie

Schweden (1)

  • Carl S. Edquist, SS-Obersturmführer, Mitarbeiter des SD, Doppelagent

Sowjetunion (6)

  • Ivan Georgievich Bessonov, NKWD, Brigadekommandeur
  • Viktor Viktorovich Brodnikov, Oberst
  • Fyodor Ceredilin, Soldat
  • Vassily Vassilyevich Kokorin, angeblicher Neffe des Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow
  • Pyotr Privalov, Generalmajor, Kommandeur der 192. Gebirgsdivision
  • Nikolai Rutschenko, Oberleutnant, Historiker

Tschechoslowakei (4)

  • Josef Burda, Kaufmann
  • Imrich Karvaš, Gouverneur der slowakischen Nationalbank
  • Josef Rys-Rozsévač, Journalist
  • Jan Stanek, Major im Generalstab

Ungarn (10)

  • Aleksander von Ginzery, Oberst der Artillerie
  • Josef Hatz (Hattszegi), Major, Olympiasieger im Fechten, Militärattaché in Sofia[16]
  • Samuel Hatz, Lehrer, Vater des Josef
  • Andreas von Hlatky, Staatssekretär im Ministerpräsidium
  • Miklós Horthy jr., Diplomat, Sohn des Miklós Horthy
  • Géza Igmándy-Hegyessy, Generalleutnant a. D., Mitglied des Oberhauses
  • Miklós Kállay, ehemaliger Ministerpräsident
  • Julius Király, Oberst der Gendarmerie, Sektionschef im Innenministerium
  • Desiderius Ónody, Sekretär des Horthy jr.
  • Baron Péter Schell, ehemaliger Innenminister

Sippenhäftlinge (37)

  • Fey von Hassell Pirzio Biroli, Tochter des Ulrich von Hassell
  • Annelise Gisevius, Schwester des Hans-Bernd Gisevius
  • Anneliese Goerdeler, Frau des Carl Goerdeler
  • Benigna Goerdeler, Tochter des Goerdeler
  • Gustav Goerdeler, Bruder des Carl
  • Marianne Goerdeler, Tochter des Carl
  • Ulrich Goerdeler, Sohn des Carl
  • Irma Goerdeler, Frau des Ulrich Goerdeler, Schwiegertochter des Carl Goerdeler
  • Jutta Goerdeler, Cousine der Benigna Goerdeler
  • Käte Gudzent, NKFD-Sippenhäftling
  • Hildur von Hammerstein, Tochter des Kurt
  • Maria von Hammerstein-Equord, Frau des Kurt
  • Ilse Lotte von Hofacker, Frau des Cäsar von Hofacker
  • Anna-Luise von Hofacker, Tochter des Cäsar
  • Eberhard von Hofacker, Sohn des Cäsar
  • Therese Kaiser, Frau des Jakob Kaiser
  • Elisabeth Kaiser, Tochter der Therese
  • Arthur Kuhn, Rechtsanwalt
  • Lini Lindemann, Frau des General Fritz Lindemann
  • Josef Mohr, Bruder der Therese Kaiser
  • Käthe Mohr, Frau des Josef Mohr
  • Gisela Gräfin von Plettenberg-Lenhausen, Tochter des Walther Graf von Plettenberg-Lenhausen
  • Walther Graf von Plettenberg-Lenhausen, Händler
  • Alexander Schenk Graf von Stauffenberg, Bruder des Claus Schenk Graf von Stauffenberg
  • Markwart Schenk Graf von Stauffenberg (senior), Oberst
  • Alexandra Schenk Gräfin von Stauffenberg, Tochter des Markwart
  • Klemens jr. Schenk Graf von Stauffenberg, Sohn des Markwart
  • Elisabeth Schenk Gräfin von Stauffenberg, Frau des Klemens
  • Inèz Schenk Gräfin von Stauffenberg, Tochter des Markwart
  • Maria Schenk Gräfin von Stauffenberg, Frau des Berthold
  • Marie-Gabriele Schenk Gräfin von Stauffenberg, Tochter des Klemens
  • Otto Philipp Schenk Graf von Stauffenberg, Sohn des Klemens sen
  • Ingeborg Schröder, Frau des Johannes Schröder (Pfarrer)
  • Hans-Dietrich Schröder, Sohn der Ingeborg
  • Harring Schröder, Sohn der Ingeborg
  • Sybille-Maria Schröder, Tochter der Ingeborg
  • Isa Vermehren, Kabarettistin, Tochter des Erich Vermehren

Strafrechtliche Auswirkungen

Die SS-Führer Stiller und Bader sowie die am Gefangenentransport beteiligten SS-Soldaten wurden nach Kriegsende für ihre Taten nie zur Rechenschaft gezogen. Das Verfahren gegen Stiller wurde in München eingestellt. Bader konnte untertauchen und auch die SS-Wachen blieben straffrei. Richardi sieht darin den Grund, weshalb das Geiselunternehmen in Vergessenheit geriet und erst wieder von ihm als Dachau-Forscher umfangreich erforscht werden musste.[17]

Erhaltene Dokumente

SS-Obersturmführer Edgar Stiller ordnete vor seinem Abzug eine Verbrennung von Unterlagen an. Einige Akten wurden dem Geheimdienstagenten Best am 2. oder 3. Mai 1945 heimlich von einem der SS-Bewacher übergeben. Unter diesen befand sich der Geheimbefehl zur Liquidierung des Hitler-Attentäters Georg Elser im KZ Dachau. Auf dem Umschlag war er beschriftet mit: „Nur von SS U.Stuf. Edgar Stiller oder einer von ihm bevollmächtigten Person zu öffnen. Ungeöffnet zu vernichten, falls U.Stuf. Stiller tot ist.“[18] Wenige Tage bevor der Gefangenen-Transport in Dachau startete, waren Elser und der französische General Charles Delestraint durch den Leiter des dortigen KZ-Krematoriums Theodor Heinrich Bongartz ermordet worden.[19] In dem Schnellbrief vom 5. April 1945 wird auch die dem Gefangenentransport vorausgegangene Zusammenführung einiger der Gefangenen im KZ-Dachau angeordnet.[20]

Ob es im ungünstigsten Fall tatsächlich zur Tötung der Gefangenen gekommen wäre, hält der Autor und Journalist Hans-Günter Richardi, der die Geschichte der SS-Geiselbefreiung besonders intensiv erforscht hat, für spekulativ. Historische Belege liegen dafür nicht vor.[17]

Einige der SS-Geiseln haben ihre Erinnerungen aufgezeichnet und zum Teil in Biografien veröffentlicht, u. a. Isa Vermehren, Kurt von Schuschnigg, Fabian von Schlabrendorff, Sigismund Payne Best, Bertram Arthur "Jimmy" James und Josef Müller.

Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee

Gedenktafel zur Befreiung am Haus, Pragser Wildsee, in Prags

An dieses Geschehen erinnert heute das Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee, das im Jahre 2006 von Caroline M. Heiss und Hans-Günter Richardi im Hotel „Pragser Wildsee“ gegründet wurde.

Literatur

  • Hans-Günter Richardi: SS-Geiseln in der Alpenfestung. Die Verschleppung prominenter KZ-Häftlinge aus Deutschland nach Südtirol. Edition Raetia, Bozen 2005, ISBN 88-7283-229-2.
  • Peter Koblank: Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol. In: Online-Edition Mythos Elser 2006.
  • Hans-Günter Richardi: SS-Geiseln am Pragser Wildsee. Der Leidensweg prominenter KZ-Häftlinge aus 17 Ländern Europas nach Südtirol. Prags 2006.
  • Hans-Günter Richardi: Das Hotel am Pragser Wildsee. Geschichte eines Grandhotels in den Dolomiten. Prags 2009.
  • Volker Koop: In Hitlers Hand. Sonder- und Ehrenhäftlinge der SS. Köln 2010.

Erinnerungen Beteiligter:

  • Isa Vermehren: Reise durch den letzten Akt. Ravensbrück, Buchenwald, Dachau: eine Frau berichtet, Hamburg 1946.
  • Kurt von Schuschnigg: Ein Requiem in Rot-Weiß-Rot. Aufzeichnungen des Häftlings Dr. Auster, Zürich 1946.
  • Fabian von Schlabrendorff: Offiziere gegen Hitler, Zürich 1946.
  • Sigismund Payne Best: The Venlo Incident. London 1950.
  • Bertram Arthur "Jimmy" James: Moonless Night: The Second World War Escape, London 1983. dt.: Pechschwarze Nacht: Leben für die Flucht, Berlin 2008.
  • Josef Müller: Bis zur letzten Konsequenz. Ein Leben für Frieden und Freiheit, München 1975.

Film

  • Wir, Geiseln der SS, zweiteiliges Doku-Drama der Gebrüder Beetz Filmproduktion, Autor und Regie: Christian Frey, Szenenregie: Carsten Gutschmidt, ZDF/ARTE, Deutschland 2014.
  Commons: Befreiung der SS-Geiseln in Südtirol  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Peter Koblank: Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol, Online-Edition Mythos Elser 2006.
  2. Allen Dulles/Gero von Schulze-Gaevernitz: Unternehmen »Sunrise«. Die geheime Geschichte des Kriegsendes in Italien. Düsseldorf 1967, S. 295.
  3. Erklärung von Wichard von Alvensleben vom 20. Oktober 1968 im Nachlass Josef Müller in der Hanns-Seidel-Stiftung. Siehe: Richardi (2005), S. 217 und S. 304, Fußnote 153.
  4. Dulles/Schulze-Gaevernitz S. 249–251.
  5. „Wir, Geiseln der SS“: Eine Busfahrt ins Ungewisse. In: diepresse.com. 27. April 2015, abgerufen am 18. Juni 2018.
  6. Hans-Günter Richardi: SS-Geiseln in der Alpenfestung. Die Verschleppung prominenter KZ-Häftlinge aus Deutschland nach Südtirol. Bozen 2005, Appendix auf raetia.com.
  7. Niels-Birger Danielsen: Modstand 1933–1942: Frihedskampens rødder. 1. Auflage. Politikens Forlag, 2015, ISBN 978-87-400-2821-8 (dänisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Thorkild Nielsen, Egon Jensen: Optrevlingen af Aarsgruppen februar 1944 (da) Vesthimmerlands Museum. 2013. Abgerufen am 14. Februar 2016.
  9. Jørgen Kieler: Nordens lænkehunde: Den første Holger Danske gruppe. Kopenhagen 2017, S. 189.
  10. Nigel West: The A to Z of British Intelligence. Lanham 2009, S. 132.
  11. Informationen zu Heidel Nowakowski siehe Einzelnachweis Nr. 16 auf Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol auf mythoselser.de, abgerufen am 14. April 2018.
  12. 1 2 Informationen zu Amechi und Burtoli siehe Einzelnachweise Nr. 19 und 22 auf Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol auf mythoselser.de, abgerufen am 25. Dezember 2018.
  13. Roberto Gremmo: I partigiani alleati dei nazisti. Il Battaglione Davide dalla Resistenza astigiana alla Risiera di Trieste. Storia ribelle, Biella 2015.
  14. Åke Svenson, Bent Vandberg: De hvite bussene. Gyldendal, Oslo 1945, S. 7476, urn:nbn:no-nb_digibok_2014052308054 (norwegisch, 181 S.).
  15. Monika Eichinger: Die Studienbibliothek Linz in der NS-Zeit. Wien 2009, S. 22ff auf wienbibliothek.at (PDF).
  16. Magyar Életrjzi Lexikon 1000–1990: mek.oszk.hu
  17. 1 2 Interview mit Hans-Günter Richardi. In: Dorfablattl – Informationen aus der Gemeinde Niederdorf. Nr. 32, März 2015, S. 6–7.
  18. Peter Koblank: Die Entdeckung des Befehls zur Liquidierung Elsers, Online-Edition Mythos Elser 2006.
  19. Stanislav Zámečník: Das war Dachau (= Fischer 17228 Die Zeit des Nationalsozialismus). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-17228-3, S. 380.
  20. Abbildung des Schnellbriefes