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vom 24.03.2018, aktuelle Version,

Bonaventura von Rauch

Johann Bonaventura von Rauch
Johann Bonaventura von Rauch

Johann Bonaventura von Rauch (* 25. Juli 1740 in Peterskirchen/Oberbayern; † 9. Februar 1814 in Spandau) war ein preußischer Generalmajor.

Leben

Bonaventura von Rauch entstammte einer bayerischen Familie. Sein Vater Johann Anton Rauch (um 1686–1745) war Lehrer. Rauch begann seine Karriere 1756 als Page am Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel. Im Jahr 1761 erschien er als Ingenieur im braunschweigischen Dienst. Unter dem preußischen General Herzog Ferdinand von Braunschweig nahm er in der Schlussphase des Siebenjährigen Krieges im Feldzug von 1761/62 an den Belagerungen von Kassel, wo er verwundet wurde, von Meppen und von Ziegenhain teil. Seit 1764 Kondukteur im Ingenieurkorps der braunschweigischen Armee, stieg Rauch 1766 zum Leutnant und 1772 zum Kapitän auf.

Auf Empfehlung Ferdinands von Braunschweig wechselte Rauch im August 1777 in die preußische Armee. Ausgestattet mit einer persönlichen Instruktion Friedrichs des Großen[1] übte er fortan eine Lehrtätigkeit im Mineurkorps in Königsberg aus, unterbrochen 1778/79 durch einen Einsatz im Bayerischen Erbfolgekrieg. Im Jahr 1788 gründete König Friedrich Wilhelm II. in Potsdam die Königliche Ingenieurakademie. Rauch übertrug er die Ausbildung von Ingenieurgeographen und beförderte ihn zum Major. Zum Zweck der Landesaufnahme bereiste Rauch 1791 Schlesien und im Frühjahr 1792 das Glatzer Schneegebirge. Er trat als Verfasser militärtheoretischer Traktate und als Kartograf hervor.

In der Kampagne in Frankreich diente Rauch als Capitain des Guides im königlichen Stab. Rauch wirkte bei den Eroberungen der Festungen Longwy und Verdun mit, erkrankte danach an der Ruhr und blieb bis November 1792 in einem Koblenzer Lazarett. Im Jahr 1796 machte der König Rauch zum Oberstleutnant und berief ihn zum Direktor der Ingenieurakademie.

Seit 1805 Generalmajor, wurde Rauch bei Ausbruch des Krieges gegen Frankreich im Sommer 1806 dem Gouverneur der Festung Stettin, dem 77-jährigen Generalleutnant Romberg, als Vizekommandant beigegeben. Unter dem Eindruck der verlorenen Schlachten von Jena und Auerstedt und der weitgehenden Auflösung der preußischen Feldarmee während ihres Rückzugs brach Romberg moralisch zusammen. Als 800 französische Reiter am 29. Oktober 1806 vor Stettin erschienen, übergab er ihnen, ohne die Stärke des Gegners beurteilt zu haben, die voll verteidigungsbereite Festung samt den darin befindlichen 5184 Mann. Rauch hatte dem widerstandslos zugestimmt.[2] Für sein Versagen wurde er am 1. Dezember ohne Abschied aus der Armee entlassen, später unter Hausarrest gestellt und 1809 zu lebenslangem Arrest in der Festung Spandau verurteilt.[3]

Rauchs Schicksal erweckte im preußischen Offizierkorps Anteilnahme. Die Strafe erschien als zu streng, weil Romberg nie im Feld kommandiert hatte, sondern als verdienter Lehrer und Wissenschaftler bekannt war. Selbst das Interesse der Königin Luise erreichte bei Friedrich Wilhelm lediglich, dass Rauch ab Januar 1810 die halbe Generalmajorspension gewährt und ihm gestattet wurde, den Arrest in der Stadt Spandau abzusitzen.

Familie

Seitdem er 1777 in den preußischen Militärdienst gewechselt war, führte er unbeanstandet das Adelsprädikat.

Rauch heiratete am 13. Juni 1773 in Kunow Johanna Bandel (* 31. März 1752 in Wildenbruch; † 29. August 1828 in Potsdam), die Tochter des königlich preußischen Amts- und Kammerrats Johann Justus Bandel in Schwedt und der Helene Catharina Copal. Aus der Ehe gingen zwölf Kinder hervor:

∞ I 1802 Caroline Freiin von Geusau (1780–1867), Tochter des preußischen Generalleutnants und Generalquartiermeisters Levin von Geusau (geschieden 1815)
∞ II Rosalie von Holtzendorff (1790–1862), Enkelin des preußischen Generalmajors Georg Ernst von Holtzendorff

Spätestens ab 1796 lebte Rauch als Direktor der Ingenieurakademie mit seiner großen Familie in einer Dienstwohnung im Akademiegebäude am Potsdamer Neuen Markt 1, dem später so genannten Kabinetthaus.

Literatur

  • Gothaisches Adliges Taschenbuch. B 1928 (ältere Genealogie) und 1939, S. 468ff.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Bände B VII (1965), S. 335ff., und B XXI (1995), S. 434ff.
  • Die Familie von Rauch in der preußischen Armee. in: Militär-Wochenblatt. Nr. 79, S. 1979ff.
  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 3, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, ohne Jahr, S. 180–182.

Einzelnachweise

  1. Wortlaut bei Priesdorff (Lit.), S. 182
  2. Zu den Vorgängen in Stettin siehe Oscar von Lettow-Vorbeck: Der Krieg von 1806 und 1807. 2. Band: Prenzlau und Lübeck. Mittler, Berlin 1892, S. 288–293.
  3. Zu den Verurteilungen siehe: Großer Generalstab (Hrsg.): 1806. Das Preußische Offizierkorps und die Untersuchung der Kriegsereignisse. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1906, S. 48–50.