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vom 02.04.2018, aktuelle Version,

Brief an die Unsterbliche Geliebte

Der Brief an die „Unsterbliche Geliebte Ludwig van Beethovens an eine ungenannte Frau hat zahlreiche Spekulationen ausgelöst, wozu das Fehlen von unzweifelhaften Anhaltspunkten über die Identität der Adressatin beitrug.

Im Folgenden wird der transkribierte Text dieses Briefes[1] wiedergegeben, wobei die angeführte Nummerierung zur Erleichterung nachfolgender Bezugnahmen dient.

Der Brieftext

Der erste Teil des Briefes

1.1 „am 6ten Juli Morgends.“

1.2 „Mein Engel, mein alles, mein Ich.“

1.3 „nur einige Worte heute, und zwar mit Bleystift (mit deinem)“

1.4 „erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimmt, welcher Nichtswürdiger Zeitverderb in d.g.“

1.5 „warum dieser tiefe Gram, wo die Nothwendigkeit spricht.“

1.6 „Kann unsre Liebe anders bestehn als durch Aufopferungen, durch nicht alles verlangen, kannst du es ändern, daß du nicht ganz mein, ich nicht ganz dein bin.“

1.7 „Ach Gott blick in die schöne Natur und beruhige dein Gemüth über das müßende.“

1.8 „die Liebe fordert alles und ganz mit Recht, so ist es mir mit dir, dir mit mir.“

1.9 „nur vergißt du so leicht, daß ich für mich und für dich leben muß, wären wir ganz vereinigt, du würdest dieses schmerzliche eben so wenig als ich empfinden.“

1.10 „meine Reise war schrecklich ich kam erst Morgens 4 uhr gestern hier an, da es an Pferde mangelte, wählte die Post eine andre Reiseroute, aber welch schrecklicher Weg, auf der vorlezten Station warnte man mich bey nacht zu fahren, machte mich einen Wald fürchten, aber das Reizte mich nur – und ich hatte Unrecht, der Wagen muste bey dem schrecklichen Wege brechen, grundloß, bloßer Landweg, ohne 2 solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegen geblieben Unterwegs.“

1.11 „Esterhazi hatte auf dem andern gewöhnlichen Wege hierhin dasselbe schicksaal, mit 8 Pferden, was ich mit vier.“

1.12 „Jedoch hatte ich zum Theil wieder vergnügen, wie immer, wenn ich was glücklich überstehe.“

1.13 „nun geschwind zum innern vom aüßern.“

1.14 „wir werden unß wohl bald sehn,“

1.15 „auch heute kann ich dir meine Bemerkungen nicht mittheilen, welche ich während dieser einigen Tage über mein Leben machte – wären unsre Herzen immer dichtan einander, ich machte wohl keine d.g.“

1.16 „die Brust ist voll dir viel zu sagen“

1.17 „Ach – Es gibt Momente, wo ich finde daß die sprache noch gar nichts ist“

1.18 „erheitre dich – bleibe mein Treuer einziger schaz, mein alles, wie ich dir;“

1.19 „das übrige müßen die Götter schicken, was für unß seyn muß und seyn soll.“

1.20 „dein treuer ludwig.“

Der zweite Teil des Briefes

2.1 „Abends Montags am 6ten Juli“

2.2 „Du leidest du mein theuerstes Wesen“

2.3 „eben jezt nehme ich wahr daß die Briefe in aller Frühe aufgegeben werden müßen. Montags – Donnerstags – die einzigen Täge wo die Post von hier nach K. geht.“

2.4 „du leidest.“

2.5 „Ach, wo ich bin, bist auch du mit mir, mit mir und dir rede ich mache daß ich mit dir leben kann“

2.6 „welches Leben!!!! so!!!! ohne dich“

2.7 „Verfolgt von der Güte der Menschen hier und da, die ich meyne – eben so wenig verdienen zu wollen, als sie zu verdienen.“

2.8 „Demuth des Menschen gegen den Menschen – sie schmerzt mich – und wenn ich mich im Zusammenhang des Universums betrachte, was bin ich und was ist der – den man den Größten nennt – und doch – ist wieder hierin das Göttliche des Menschen.“

2.9 „ich weine wenn ich denke daß du erst wahrscheinlich Sonnabends die erste Nachricht von mir erhältst.“

2.10 „wie du mich auch liebst – stärker liebe ich dich doch“

2.11 „doch nie verberge dich vor mir.“

2.12 „gute Nacht – als Badender muß ich schlafen gehen.“

2.13 „Ach gott – so nah! so weit!“

2.14 „ist es nicht ein wahres HimmelsGebaüde unsre Liebe – aber auch so fest, wie die Veste des Himmels.“

Der dritte Teil des Briefes

3.1 „guten Morgen am 7ten Juli“

3.2 „schon im Bette drängen sich die Ideen zu dir meine Unsterbliche Geliebte,“

3.3 „hier und da freudig, dann wieder traurig, vom Schicksaale abwartend, ob es unß erhört.“

3.4 „leben kann ich entweder nur ganz mit dir oder gar nicht,“

3.5 „ja ich habe beschlossen in der Ferne so lange herum zu irren, bis ich in deine Arme fliegen kann,“

3.6 „und mich ganz heymathlich bey dir nennen kann, meine Seele von dir umgeben in’s Reich der Geister schicken kann.“

3.7 „ja leider muß es seyn.“

3.8 „du wirst dich fassen um so mehr, da du meine Treue gegen dich kennst, nie eine andre kann mein Herz besizen, nie – nie.“

3.9 „O Gott warum sich entfernen müßen, was man so liebt, und doch ist mein Leben in V.[ien] so wie jezt ein kümmerliches Leben.“

3.10 „Deine Liebe macht mich zum glücklichsten und zum unglücklichsten zugleich.“

3.11 „in meinen Jahren jezt bedürfte ich einiger Einförmigkeit Gleichheit des Lebens – kann diese bey unserm Verhältniße bestehn?“

3.12 „Engel, eben erfahre ich, daß die Post alle Tage abgeht – und ich muß daher schließen, damit du den B.[rief] gleich erhältst“

3.13 „sey ruhig, nur durch Ruhiges beschauen unsres Daseyns können wir unsern Zweck zusammen zu leben erreichen“

3.14 „sey ruhig – liebe mich – heute – gestern.“

3.15 „Welche Sehnsucht mit Thränen nach dir“

3.16 „dir – dir – mein Leben – mein alles“

3.17 „leb wohl – o liebe mich fort – verken[ne] nie das treuste Herz deines Geliebten L.“

3.18 „ewig dein ewig mein ewig unß.“

Zur Publikationsgeschichte

Der Brief wurde nach Beethovens Tod am 26. März 1827 in einer Schublade gefunden und von Anton Schindler an sich genommen. Er veröffentlichte ihn erstmals in seiner Beethoven-Biographie 1840, jedoch ließ er mehrere signifikante Phrasen und Sätze aus und modifizierte etliche andere.[2]

Zur Datierung

Da die Jahresangabe fehlte, wurde zunächst spekuliert, dass der Brief 1801 oder 1807 geschrieben wurde, da in diesen Jahren der 6. Juli auf einen Montag fiel. 1812 wurde erstmals von Unger (1909) und Thomas-San-Galli (1909) vorgeschlagen, zusammen mit Funden von Dokumenten über Beethovens Aufenthalt in Böhmen um diese Zeit. Völlig zweifelsfrei ist das Jahr seit den Wasserzeichenuntersuchungen von Schmidt-Görg & Schmidt (1966).

Zur Ortsbestimmung

Unger (1909) und Thomas-San-Galli (1909) hatten auch die Kur- und Gästelisten durchgesehen und konnten dadurch beweisen, dass Beethoven am 5. Juli 1812 in Teplitz (Teplice) ankam. Vom 1. bis 4. Juli war er in Prag gewesen. Ein wichtiger Hinweis war auch Beethovens Hinweis auf Fürst Esterházy (1.11), der in der Tat nachweislich um dieselbe Zeit nach Teplitz kam.

Zur Zielortbestimmung

Wenig Beachtung fand in der Literatur bisher die Tatsache, dass Beethoven in seinem Brief dreimal die Frage der Zustellung seines Schreibens ansprach:

  • In 2.3 (d. h. am Montagabend) erwähnt er, dass die Post nach „K.“ montags und donnerstags früh abging. Über die Bedeutung von „K.“ ist ebenfalls spekuliert worden, solange der Absendeort nicht bekannt war. Heute besteht kein Zweifel mehr, dass damit Karlsbad (Karlovy Vary) gemeint war, von Teplitz ca. 100 km entfernt, was damals von der Postkutsche in einem Tag erreicht wurde.
  • In 2.9 drückt Beethoven seine Sorge („ich weine“) darüber aus, dass die Adressatin seine Nachricht „erst wahrscheinlich Sonnabends“ erhalten würde. Da die Postkutsche von Teplitz schon am Donnerstagabend in Karlsbad ankam, muss der Zielort eine weitere Tagereise entfernt gewesen sein, vermutlich Eger (Cheb), der nächste größere Ort in westlicher Richtung, ca. 50 km entfernt. Franzensbad ist nochmals ca. 10 km weiter als Eger. Die wesentlichste Schlussfolgerung aus diesen logistischen Überlegungen ist, dass – nach Beethovens Ansicht – die Adressatin sich zur Zeit der beabsichtigen Absendung des Briefes zwei Tagereisen von Teplitz entfernt aufgehalten haben muss (zumindest „wahrscheinlich“, Beethoven war sich offensichtlich nicht sicher). Dies bedeutet auch, dass verschiedene Spekulationen, die irrtümlich davon ausgehen, die Adressatin müsse sich garantiert in Karlsbad aufgehalten haben, nicht fundiert sind. Im Gegenteil: Alle Frauen, die im Juli 1812 nachweislich in Karlsbad waren,[3] scheiden aus diesem Grunde allein schon aus.
  • In 3.12 (am Dienstagmorgen) erfuhr Beethoven seinen Irrtum und versprach, den Brief sofort loszuschicken, damit sie den Brief schnellstmöglich (immerhin zwei Tage später) erhalten würde. Die Tatsache, dass der Brief in Beethovens Besitz blieb, zeigt an, dass er höchstwahrscheinlich als unzustellbar zurückgeschickt wurde – wiederum ein Zeichen, dass die Adressatin nicht erreichbar war.

Weitere Textanalyse

Fassen wir die gesicherten Erkenntnisse zusammen, so sind dies die offensichtlichsten („externen“) Fakten:

(1) Der Brief wurde am 6. und 7. Juli 1812 in Teplitz geschrieben.

(2) Beethoven hatte sie höchstwahrscheinlich einige Tage vorher getroffen, eine Frau, die er nicht erwartet hatte: am 3. Juli 1812 abends, als er ein Treffen mit Varnhagen in Prag verpasste, wegen eines Umstandes, „den ich nicht vorhersehen konnte“.[4]

(3) Die Adressatin muss eine Frau gewesen sein, die Beethoven eine lange Zeit geliebt hatte, und sie hatte diese Liebe erwidert. In dem Brief bezeichnet er sich ausdrücklich als ihr „Geliebter“, versichert ihr wieder seine „Treue“ ihr gegenüber und fordert sie auf, ihm ebenso treu zu „bleiben“ (1.18, 3.8).

(4) Der Brief sollte an einen Ort zwei Tagereisen von Teplitz entfernt gesendet werden, über Karlsbad (einen Tag entfernt). Daher muss Beethoven erwartet haben, dass sie sich in einem solchen Ort befinden könnte (2.3, 2.9).

(5) Dass Beethoven den Brief behielt, war höchstwahrscheinlich durch den Umstand bedingt, dass die Adressatin sich nicht mehr dort aufhielt – entweder hatte er dies vorher erfahren oder der Brief wurde als unzustellbar zurückgesandt. Dies zeigt ebenso an, dass er nicht sicher war, wo sie sich aufhielt.

(6) „Wir werden unß wohl bald sehen“ (1.14) wurde oft falsch übersetzt als “No doubt we shall meet soon”.[5] Wie im vorhergehenden Punkt war der genaue Aufenthaltsort der Geliebten zu jener Zeit ungewiss, und es war alles andere als sicher, dass dieses Wiedersehen „bald“ erfolgen sollte.

(7) Aus dem Brief wird klar, dass die Geliebte (seit einiger Zeit) in Wien lebte (wie Beethoven).

(8) Beethoven hatte zu dieser Zeit Pläne, nach England zu gehen,[6] und diese Ankündigung in dem Brief zeigt, dass er erwartete, sie würde in Wien zurückbleiben (3.5).

(9) Die folgende Ermahnung impliziert, dass die Frau genau das in der Vergangenheit getan hatte und möglicherweise wieder tun könnte: „doch nie verberge dich vor mir“ (2.11).

Zur Adressatin

Aus den Punkten (1) und (2) folgt, dass die Adressatin nur eine Frau hätte sein können, die Anfang Juli 1812 in oder in der Nähe von Prag war. Von allen möglichen „Kandidatinnen“, die jemals vorgeschlagen wurden, können nur drei ernsthaft in Erwägung gezogen werden: Antonie Brentano, die vom 3. bis 4. Juli mit Ehemann, Kind und Diener in einem Hotel übernachtete und dann nach Karlsbad weiterreiste;[7] Josephine Brunsvik, die von ihrem Ehemann nach einer zunehmend katastrophalen Ehe (höchstwahrscheinlich) verlassen worden war und im Juni geplant hatte, nach Prag zu gehen;[8] und Marie Erdödy,[9] deren genauer Aufenthaltsort zu dieser Zeit unbekannt ist – sie weilte wohl in ihrer Sommerresidenz in Hernals (bei Wien), wo Beethoven sie im Oktober 1812 besuchte.

Antonie Brentano

ad (2): Beethoven wusste sehr wohl von der Anwesenheit der Brentanos, da er sie einige Tage vorher in Wien getroffen hatte, offensichtlich auch, um ihre Reisepläne zu erörtern.[10]

ad (3): Es gab allerhöchstens acht Monate – mehr oder weniger – „intimen“ Kontakts zwischen Beethoven und Antonie, und ihr Gatte war die meiste Zeit mit dabei. Diese Tatsache ist schwer mit dem Brief in Einklang zu bringen.

ad (4): Gerade weil Antonie in Karlsbad war[11] (einen Tag entfernt mit der Postkutsche) und Beethoven dies mit Sicherheit wusste (wie auch die Reisezeiten), so folgt daraus: Er hatte nicht Antonie gemeint.

ad (5): Diese Tatsache erfordert die Annahme, dass Antonie den Brief zurückgegeben haben muss – oder man muss davon ausgehen, dass er ihn von vornherein gar nicht abschicken wollte. Dies steht jedoch im Widerspruch zu seinen verzweifelten Bemühungen, die genauen Abfahrtszeiten der Postkutsche herauszufinden.

ad (6): Dies wiederum schließt Antonie aus, da es sicher war, dass Beethoven sie „bald“ wiedersehen würde (in Karlsbad, wie bereits vorher geplant).

ad (7): Seit ihrer Heirat 1798 war Antonie keine Wienerin mehr (sie wohnte in Frankfurt), und zur Zeit des Briefes war sie nur vorübergehend in Wien, da ihr Vater gestorben war.

ad (8): Antonie war diejenige, die einige Wochen später wegging (heim nach Frankfurt); seine Absicht, nach einiger Zeit des „In-der-Ferne-Herumirrens“ zu ihr zurückzukehren, erscheint unsinnig.

ad (9): Dies ist ebenfalls unsinnig in Bezug auf Antonie. Es ist kein einziger Fall bekannt, dass sie sich jemals vor Beethoven versteckt hätte, und diese Ermahnung in seinem Brief setzt ihre zukünftige Anwesenheit voraus.

Marie Erdödy

Sie wurde zuletzt von Gail Altman (1996) als eine mögliche „Unsterbliche Geliebte“ vorgeschlagen. Allerdings kann sie die meisten dieser Punkte nicht erfüllen, insbesondere:

ad (3): Obwohl (oder vielmehr gerade weil) Beethoven für einige Zeit im gleichen Haus wie Marie gelebt hatte und sie häufig traf und er ihr auch mehrere kurze Briefe schrieb, gibt es doch keine Anzeichen irgendeiner Art von „Herzensangelegenheit“ oder Ähnliches, das mit dem Ton des Briefes vereinbar ist.

ad (9): Wie Antonie hatte Marie keine Vorgeschichte, wo sie sich jemals versteckt hätte. Im Gegenteil: Abgesehen von der kurzen Zeitperiode, als sie einen Streit hatten und Beethoven auszog, stand sie ihm jederzeit zur Verfügung, sogar so sehr, dass er sie seinen „Beichtvater“[12] nannte.

Josephine Brunsvik

Es scheint, dass aus dem Brieftext allein schon folgt, dass Josephine Brunsvik alle diese Punkte erfüllt:

ad (2): Zwar gibt es keinen Nachweis von Josephines Anwesenheit in Prag oder sonst wo in Böhmen im Juli 1812, jedoch muss Josephine selbst ohne einen solchen Nachweis als die wahrscheinlichste Kandidatin betrachtet werden,[13] weil es überwältigende Argumente gibt, die alle anderen Kandidatinnen ausschließen. Inzwischen wurde ein Dokument entdeckt,[14] das Josephines klare Absicht, im Juni 1812 nach Prag zu reisen, beweist. Josephine am 3. Juli 1812 in Prag zu treffen, muss deshalb ein extrem unvorhersehbares Ereignis für Beethoven gewesen sein.

ad (3): Josephine war in der Tat eine Frau (die einzige), die Beethoven eine lange Zeit geliebt hatte, und sie hatte seine Liebe erwidert.[15]

ad (4): Josephine war wahrscheinlich in Franzensbad (zwei Tagesreisen mit der Postkutsche von Teplitz, über Karlsbad), und sie hatte bereits im Februar 1812 geplant, dorthin zu gehen.[16]

ad (5): Falls Beethoven den Brief aufgegeben hatte, musste er als unzustellbar zurückgekommen sein, da sie Franzensbad bereits verlassen hatte. Dies ist sehr wahrscheinlich, da der Kaiser am 5. Juli in Franzensbad war, aber am Tag darauf wieder abreiste.[17]

ad (6): Es war alles andere als sicher, sie wieder zu treffen.

ad (7): Josephine hatte seit 1799 (die meiste Zeit) in Wien gelebt.

ad (8): Josephine blieb in Wien (die meiste Zeit) bis zu ihrem Tod 1821.

ad (9): Josephine hatte genau das in der Vergangenheit getan und könnte es möglicherweise wieder tun: sich verstecken.

Somit deutet die Evidenz der „externen“ Fakten fast ausschließlich auf Josephine, weil Marie Erdödy sowieso eine unwahrscheinliche Kandidatin ist und mehrere Punkte – insbesondere (2), (4), (6) and (9) – Antonie eindeutig ausschließen. Selbst die Tatsache, dass sie am 3./4. Juli in Prag war, ist nicht ausreichend, die Vorstellung zu stützen, sie könnte ein Stelldichein mit Beethoven gehabt haben, nach einer beschwerlichen Reise von zwei Tagen und ihrer Abreise am nächsten Tag in der Morgendämmerung.

Fußnoten

  1. in Brandenburg (1996, Nr. 582).
  2. Von Schindler (1840, S. 63–66) ausgelassen wurden u. a. 2.3 und 2.9 (zur Zielortbestimmung so bedeutsam), 3.12, 3.13, 3.14 und sogar 3.18: „ewig dein ewig mein ewig unß.“
  3. Beethoven wusste z. B., dass Antonie Brentano dort war (Solomon 1972, S. 572).
  4. Brief an Varnhagen vom 14. Juli 1812, in Brandenburg (1996, Nr. 583).
  5. Anderson (1961, Nr. 373).
  6. Brief von Oliva an Varnhagen (3. Juni 1812, in Brandenburg 1996, Nr. 578).
  7. Solomon (1972), von einigen amerikanischen Autoren unterstützt (wie Kinderman 1995, Lockwood 2003).
  8. Erstmals von La Mara (1920) vorgeschlagen, von Kaznelson (1954), Massin & Massin (1955, 1970), Ley (1957), Riezler (1962), Goldschmidt (1977/1980, 1988), Tellenbach (1983, 1987, 1988, 1993/1994, 1996, 1998, 1999), Beahrs (1986, 1988, 1993), Dahlhaus (1991), Pichler (1994), Noering (1995), Hornyák (1996), Stackelberg (2001), Steblin (2001, 2002, 2007, 2009, 2009a) und Caeyers (2012) unterstützt.
  9. Steichen (1959), Altman (1996).
  10. Solomon (1972, S. 572).
  11. Solomon (1972, S. 578).
  12. Schindler (1860, S. 248 f.).
  13. Massin & Massin (1955, S. 240).
  14. von Steblin (2007).
  15. Siehe die Liebesbriefe in Schmidt-Görg (1957 & 1969).
  16. Goldschmidt (1980, S. 236).
  17. „Der Gründer von Franzensbad, Kaiser Franz I., besuchte die Stadt … im Jahre 1812, als er seine Tochter Maria Luisa begleitete, die aus Dresden nach Paris zurückkehrte … Am Nachmittag des 5. Juli kamen sie in dem Badeort an, in einer Kutsche mit acht Pferden, um zu übernachten … am nächsten Morgen um halb sechs reisten die geschätzten Gäste wieder ab, der Kaiser nach Wien, Maria Luisa nach Paris.“ (@1@2Vorlage:Toter Link/www.frantiskovy-lazne.info (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)   Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..

Literatur

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  • Tellenbach, Marie-Elisabeth: Psychoanalysis and the Historiocritical Method: On Maynard Solomon’s Image of Beethoven. Part 2. In: The Beethoven Newsletter (1994), S. 119–127.
  • Tellenbach, Marie-Elisabeth: Noch eine Geliebte Beethovens gefunden – oder erfunden? Zu Klaus Martin Kopitz: „Sieben volle Monate“: Beethoven und Therese von Zandt. In: Musica (1996), S. 78–83.
  • Tellenbach, Marie-Elisabeth: Psychoanalyse und historisch-philologische Methode. Zu Maynard Solomons Beethoven- und Schubert-Deutungen. In: Analecta Musicologica (1998), S. 661–719.
  • Tellenbach, Marie-Elisabeth: Die Bedeutung des Adler-Gleichnisses in Beethovens Brief an Therese Gräfin Brunswick. Ein Beitrag zu seiner Biographie. In: Die Musikforschung (1999).
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