unbekannter Gast
vom 26.01.2017, aktuelle Version,

Bruno Görgen

Bruno Görgen, Lithographie von Josef Kriehuber, 1836

Bruno Görgen (* 22. August 1777 in Trier; † 29. Mai 1842 in Wien) war ein österreichischer Psychiater.

Leben

Görgen wurde als Sohn eines Architekten in Trier geboren und um die Jahrhundertwende in Wien zum Doktor der Medizin promoviert. Schon als junger Arzt war er Primarius der Irrenanstalt im k.k. allgemeinen Krankenhaus, zu der auch der bekannte Narrenturm gehörte (1805–1808), den er als höchst unglücklich empfand. Ab dem Jahr 1813 projektierte Görgen eine Irrenanstalt für besser situierte Geisteskranke und war auch für die Hofkanzlei als Gutachter in solchen Fragen aktiv. Das Palais Windischgrätz in Gumpendorf bei Wien eignete sich für diesen Zweck und konnte im Juli 1819 erste Kranke aufnehmen. Später siedelte die Anstalt in den ehemaligen Besitz des Barons Heniketein im Mai 1831 über. Damit war der Grundstock für die bis 1917 bestehende Döblinger Privatanstalt gelegt. Görgens Neuerungen bestanden darin, nach napoleonischem Vorbild die Irren als Kranke zu sehen und Zwangsmaßregeln wie Ketten, Gurte und die englische Weste niemals anzuwenden (No restraint). Er legte großen Wert auf Beschäftigungstherapie bei den Kranken, Werkstätten und die heilende Wirkung der Musik. In seinem Ideal gibt es keine Wärter mehr, sondern Therapeuten. Der berühmteste Bewohner der Anstalt dürfte der gemütskranke Dichter Nikolaus Lenau gewesen sein.

Nach Görgens unerwartetem Tod 1842 übernahm sein Sohn Gustav (1814–1860) die Leitung der Anstalt,[Anm. 1] diesem folgte 1860 Maximilian Leidesdorf.[1] 1917 wurde im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling die Görgengasse nach Bruno Görgen benannt.

Literatur

  • Franz Englisch: Die Döblinger Privatirrenanstalt. In: Wiener Geschichtsblätter. Bd. 1 (1969), S. 398-406.
  • Bruno Goergen: Privat-Heilanstalt für Gemüthskranke. In Wien eröffnet. Franz Wimmer, Wien 1820 (Digitalisat).
  • Joseph Johann Knolz: Darstellung der Humanitäts- und Heilanstalten im Erzherzogtum Österreich unter der Enns. Wien 1840.
  • Heinrich Obersteiner: Bruno Görgen. In: Theodor Kirchhoff (Hrsg.): Deutsche Irrenärzte. Band 1, Springer, Berlin 1921, S. 103–105.
  • Manfred Skopec: Strassennamen – Zeugen berühmter Ärzte, 44: Bruno Görgen (1777–1842). In: Arzt, Presse, Medizin. Jg. 78, H. 11, S. 6–8.

Anmerkungen

  1. Gustav Görgen wurde infolge des in seiner Döblinger Klinik von Graf Stephan Széchenyi, Gründer der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, im April 1860 vollzogenen Selbstmords der Vorwurf der (als Vergehen zu ahndenden) Mitschuld am Tode des Patienten gemacht. Nach Zustellung des gerichtlichen Anklagebeschlusses nahm sich Görgen im Leidesdorf’schen Haus (heute: Schloss Braiten) in Baden bei Wien am 5. Oktober des Jahres das Leben. – Siehe: Einst und Jetzt eines österreichischen Badeortes. Von einem alten Wiener. In: Beilage des neuen Fremden-Blattes, Nr. 172/1867 (III. Jahrgang), 25. Juni 1867, S. 13 (unpaginiert). (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfb;
    Wiener Nachrichten. (…) Dr. Goergen, jener Arzt, unter dessen Obhut (…). In: Die Presse, Nr. 107/1860 (XIII. Jahrgang), 18. April 1860, S. 3 (unpaginiert), Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr;
    Vermischte Nachrichten. An der Spitze der bekannten (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 241/1860, 12. Oktober 1860, S. 4113 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz

Einzelnachweise

  1. Vermischte Nachrichten. An der Spitze der bekannten (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 241/1860, 12. Oktober 1860, S. 4113 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.