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vom 04.04.2018, aktuelle Version,

Burg Strechau

Burg Strechau
Alternativname(n): Schloss Strechau
Entstehungszeit: 11. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile renoviert
Ort: Lassing
Geographische Lage 47° 31′ 41,8″ N, 14° 19′ 2,1″ O
Burg Strechau (Steiermark)
Burg Strechau
Burg Strechau, Uhrturm

Die Burg Strechau, auch Schloss Strechau genannt, ist eine Höhenburg im Ortsgebiet der Gemeinde Lassing im Ortsteil Burgfried und die zweitgrößte Burg der Steiermark. Zwar liegt die Burg im Gemeindegebiet von Lassing, ist aber nach dem Rottenmanner Stadtteil Strechau benannt.

Frühgeschichte

Etwa in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstand am Burgberg von Strechau der erste Wehrbau. Wahrscheinlich bestand er nur aus einem Turm.

Ab etwa 1120 saßen Mitglieder eines Geschlechts, das sich „von Strechau“, auch „von Winklern“ oder „von Ennstal“ nannte, als Burggrafen auf Strechau. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts folgten als Inhaber die Gebrüder Rudolf und Konrad von Trenstein (auch „von Kindberg“).

Die Burg gehörte zu dieser Zeit dem Erzbischof von Salzburg, die Trensteins verwalteten sie als Lehen in seinem Namen. Zu dieser Zeit wurden auch zwei Burgen auf dem Berg erwähnt, eine obere und eine untere Burg.

1282 fiel Strechau an Herzog Albrecht I. Sie wurde so landesfürstlich und vom Abt von Admont verwaltet. Bis ins 15. Jahrhundert wechselten häufig die Inhaber der Herrschaft.

Reformationszeit und Verkauf an das Stift Admont

Nach weiteren Besitzwechseln verkaufte die Familie von Mosheim die Burg 1528 an Hanns Hofmann von Grünbühel. Die Hofmanns liehen Kaiser Ferdinand I. zur Ungarnabwehr Geld und gaben ihr Silbergeschirr zur Prägung neuer Münzen. Dafür verpfändete der Kaiser Hofmann unter anderem die Maut zu Rottenmann und verkaufte ihm das Schloss und die Herrschaft Strechau zum „rechten, reinen und unverkümmerten Eigentum“.

Die Hofmanns bestellten auf den von ihnen verwalteten Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg Prediger aus Nürnberg, um den protestantischen Glauben in diesem Gebiet zu verbreiten. In dieser Zeit wurde auch die Burg umgebaut, ein renaissancehafter Arkadenhof errichtet und die berühmten manieristischen Deckengemälde in der „evangelischen Kapelle“ gemalt.

Im Zuge der Gegenreformation musste die letzte Besitzerin der Burg aus dem Hause Hofmann, Anna Potentiana Jörger, die Burg verkaufen und das Land verlassen. Das Stift Admont übernahm unter Abt Urban Weber „Textor“ die Burg. In der Zeit des Besitzes durch das Stift (1629–1892) wurden der große Speicher, Stallungen und Verwaltungsgebäude errichtet. Auch die Deckenmalerei und Stuckaturen im großen Festsaal sowie eine Kapelle wurden im barocken Stil errichtet.

Vom 19. Jahrhundert bis heute

Der admontische Verwalter Anton Stary, ein Freund des Erzherzogs Johann, adaptierte, nach zweimaliger Besetzung durch französische Truppen, einige Räume für persönliche und repräsentative Zwecke des Erzherzogs. Zu dieser Zeit wurde ein sehr schöner Burggarten beschrieben, der sich bis zum Meierhof der Burg erstreckte. Erzherzog Johann traf sich mehrmals mit seiner späteren Ehefrau Anna Plochl auf der Burg und wollte dort auch seine Hochzeit feiern. Diese Absicht scheiterte jedoch an dem Nein seines Bruders, Kaiser Franz I.

Nach dem Jahre 1848 wurde die Verwaltung auf Grund der Aufhebung der Grundherrschaft beendet und die Burg blieb fast 50 Jahre dem Verfall überlassen.

1892 wurde sie vom Wiener Industriellen Julius Hofmeier (* 31. Mai 1857 in Prag, † 30. Oktober 1934 in Graz) angekauft, neu eingerichtet und ein Gutsbetrieb durch Ankauf von angrenzenden Bauerngütern mit einem Meierhof beim Nichtlgut errichtet.

Durch persönliche Schicksalsschläge war Hofmeier gezwungen, die Burg weiterzuveräußern. Adolf Boesch kaufte 1909 die Burg und den Gutsbesitz, der für ihn eine gute Ergänzung seines Guts Süßenbrunn bei Wien war.

In der Zeit der Inflation verlor sein Sohn Adolf Egon Boesch den Besitz und die Stiftung Theresianische Akademie in Wien übernahm ihn. Die Burg blieb jedoch unbenutzt, bis 1938 ein großzügiger Umbau für die Unterbringung einer NAPOLA-Schule (1938–1945) und anschließend eines Kindererholungsheimes erfolgte. Bis 1945 galt die Burg als Reichsbesitz und wurde als Erholungsheim genutzt.

Im Jahr 1979 plante die Theresianische Akademie den Verkauf der heruntergekommenen und fast gänzlich leeren Burg. Zuerst gab es Pläne von Seiten einer amerikanischen Hotelgesellschaft, schließlich kaufte der Enkel des ehemaligen Besitzers Harald Boesch die Burg. Seit damals wird sie vorbildlich renoviert und befindet sich nun im Besitz der Boesch-Privatstiftung. Seit Mai 2006 ist eine Oldtimerausstellung zu besichtigen. Seit 1978 steht die Burganlage unter Denkmalschutz.

Bauwerk

Die Bastei mit dem Burgtor
Renaissance-Arkaden im Innenhof

In die Burganlage gelangt man durch das Tor in der ehemaligen Bastei. Über dem Tor befindet sich ein Wehrerker. Hinter den drei ovalen Maueröffnungen der Bastei standen einst Kanonen. Auf dem Schindeldach stehen drei Wetterfahnen. Eine stellt eine auf einem Besen reitende Hexe dar.

Entlang dem folgenden langen Hof liegen ehemalige Stallungen, Wirtschaftsgebäude, ein Pulvermagazin und das Pflegerhaus.

Der innere Burghof beeindruckt durch die dreigeschoßigen Renaissance-Arkaden an der Ost- und Westseite.

Im Schloss sind sehenswürdig

  • das Kaiserzimmer
  • der ehemalige protestantische Betraum mit Deckenmalereien von 1579, deren theologisches Programm von David Chyträus stammt, sowie
  • der Festsaal im zweiten Obergeschoß des Osttraktes. Seine Decke ist durch Stuck und Ölmalerei (1652) mit Darstellung von Szenen aus Ovids Metamorphosen gestaltet. Ein barockes Ölgemälde zeigt das neutestamentliche Gleichnis vom Hochzeitsmahl: Viele sind gerufen, aber wenige auserwählt (Matthäus 22, 1–14).

Die Burgkapelle

Innenansicht der Kapelle

Die im Südtrakt liegende und von dort aus zugängliche kleine Marienkapelle hat ein vierjochiges Kreuzgratgewölbe. Sie ist barock eingerichtet. Der Altar wird dem Admonter Stiftsbildhauer Georg Remele zugeschrieben und wurde 1637 aufgestellt. Er hat im Schrein als Mittelfigur eine Madonna mit Kind. Assistenzfiguren sind links die hl. Barbara, rechts die hl. Katharina. Im gesprengten Giebel steht der Erzengel Michael.

Burg Strechau in der Kunst

Literatur

  • Kleine Zeitung, Beate Pichler: Da schreibt Schönheit Geschichte, vom 13. Juli 2014, Teil 9 der Serie AufgeSCHLOSSen, Seiten 34 und 35.
  • Hannes P. Naschenweng: Burg Strechau. Mit Beiträgen von Friedmund Hueber, Heinz Leitner u. a. = Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Sonderbd. 24, Liezen 1997.
  • Benedikt Schneider: In: Gemeinde Lassing (Hrsg.): 950 Jahre Lassing. Lassing 1986.
  • Franz Wohlgemuth: Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales. Gaishorn 1955.
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