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vom 07.02.2017, aktuelle Version,

Cafe Drechsler

Cafe Drechsler, Außenansicht
Gastraum im Cafe Drechsler
Engelbert Drechsler bei einem Versorgungsgang von seinem Kaffeehaus zum Naschmarkt, August 2005

Das Cafe Drechsler ist ein Kaffeehaus in der Nähe des Naschmarktes im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf, Linke Wienzeile 22, Ecke Girardigasse 1.

Geschichte

Im Jahr 1918 eröffnete Engelbert Drechsler (I.) am Standort Linke Wienzeile 22 das Markt-Café „An der Wien“, welches zu einem späteren Zeitpunkt auf „Cafe Drechsler“ umbenannt wurde. Sein Sohn Engelbert Drechsler (II.) führte das Kaffeehaus in den Jahren 1928 bis 1957. Von 1957 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 war Engelbert Drechsler (III.) († 21. November 2015), der Enkel des Gründers, Eigentümer des Unternehmens.

Engelbert Drechsler (III.) erwarb sich im Lauf der Jahre einen legendären Ruf. Sein Kaffeehaus war von Montag bis Freitag von 4 bis 20 Uhr und am Samstag von 4 bis 18 Uhr geöffnet. Bekanntheit erlangte das Café Drechsler vor allem deshalb, weil die Nachtschwärmer Wiens dort einkehren konnten, nachdem bereits sämtliche Nachtbars der Bundeshauptstadt zugesperrt hatten. Manch ein Gast, der sich nach durchzechter Nacht zur Erholung seiner Magennerven ein Frühstück oder eine Eierspeise gönnen wollte, wurde von Engelbert Drechsler umgestimmt und konsumierte letztlich um vier Uhr morgens bereits ein Wiener Schnitzel. Die Preise waren in der Ära Engelbert Drechsler (III.) moderat, und das gastronomische Angebot umfasste neben Kaffeespezialitäten sowie Frühstück allerlei Gerichte aus dem Fundus der Wiener Küche.

Augenfällig waren die zahlreichen Liefergänge Engelbert Drechslers zu den Naschmarktstandlern. Bereits am frühen Morgen brachte er den Standlern höchstpersönlich Häferlkaffe, zu Mittag lieferte er ihnen Gulasch, Knödelgerichte und dergleichen, und am Nachmittag folgten neuerlich Verpflegungsgänge mit Häferlkaffee sowie kleinen Imbissen.

Kurz vor der Pensionierung von Engelbert Drechsler im Jahr 2005 kursierte in Wien das Gerücht, dass das Cafe Drechsler von einer Fastfood-Kette übernommen werde. Wie sich später herausstellte, hatten sich tatsächlich mehrere internationale Ketten für den Standort interessiert. Schließlich wurde das alte Eckkaffeehaus von der „GMG Gastronomiemanagement GmbH“, einem gemeinsamen Unternehmen von Alexander Maculan und Hotel Triest-Chef Manfred Stallmajer übernommen und um 700.000 Euro saniert und umgebaut. Am 15. Februar 2007 wurde das Kaffeehaus von den neuen Besitzern unter dem Name Cafe Drechsler wiedereröffnet.

Ambiente, Interieur

Mit der Neugestaltung des Cafe Drechsler wurde der britische Designer Sir Terence Conrad beauftragt, der sich bemühte, den alten Kaffeehauscharakter zu erhalten. Beispielsweise wurde die alte Innenvertäfelung komplett abgenommen und nach sorgfältiger Renovierung wieder montiert. Moderne Akzente, die etwa im Barbereich oder mit der Installation moderner Beleuchtungselemente umgesetzt wurden, fielen moderat aus. Markant sind vor allem die Wandbeschriftungen, die einen Teil der Speisekarte wiedergeben. Die Sitzgelegenheiten und Tische repräsentieren auch noch nach der Neugestaltung den konservativen Stil eines Altwiener Kaffeehauses.

Spezielle Nachtöffnungszeiten

Nach der Wiedereröffnung im Jahr 2007 überraschte das Cafe Drechsler sein Publikum mit Beinahe-rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten. Einige Jahre lang war täglich von 3 Uhr bis zur darauf folgenden Nacht um 2 Uhr geöffnet. Nach einer Ruhepause von nur einer Stunde sperrte das Kaffeehaus erneut auf. Ab September 2013 mussten sich die Besucher des Cafe Drechsler an Öffnungszeiten gewöhnen, die pro Woche mehrmals unterschiedlich sind. War es zuvor auch ein ausgesprochenes Nachtkaffeehaus gewesen, so ist das Cafe Drechsler seither nur noch am Wochenende auch nach Mitternacht geöffnet.

Literatur

  • Hans Veigl: Wiener Kaffeehausführer, Kremayr & Scheriau Verlag, Wien 1989, S.10.
  • Thomas Martinek: Kaffeehäuser in Wien, Falter Verlag, Wien 1990, S. 142f.
  • Wolfgang Parterno: König Engelbert III. Artikel im „Falter“ 13/02 vom 27. März 2002.
  • Alles Wurst mit Senf und ohne Artikel von Severin Corti in der Tageszeitung „Der Standard“ vom 24. Oktober 2009.
  • Café Drechsler bleibt zur späten Stunde künftig geschlossen Artikel in der Tageszeitung „Der Standard“, Online-Version vom 26. August 2013
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