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vom 15.06.2019, aktuelle Version,

Camp Casablanca

Luftaufnahme von Suhareka mit dem gut erkennbaren Camp Casablanca davor (links der Bildmitte)

Das Camp Casablanca war von 1999 bis 2012 eine Militärbasis des österreichischen Bundesheeres in Suhareka im Südkosovo im Rahmen des KFOR-Einsatzes. Das Camp Casablanca wurde im Herbst 1999 ursprünglich von der Bundeswehr als Lager für die Taskforce Dulje erbaut, eine österreichisch-schweizerische Einheit, die Teil der damaligen Multinationalen Brigade Süd (MNB-S) war. Es beherbergte 25 österreichische KFOR-Kontingente und war für lange Zeit hinsichtlich der Mannschaftszahlen von etwa 560 Soldaten der größte Stützpunkt des Bundesheeres im Ausland. Im gesamten Zeitraum waren rund 10.000 Bundesheer-Soldaten im Camp stationiert.

Im Camp befanden sich eine Stabskompanie und zwei Infanteriekompanien mit ihren Pandur-Radpanzern. Die 1. Kompanie hieß „Skorpion-Kompanie“ (Scorpion Coy), die 2. Kompanie „Haifisch-Kompanie“ (Shark-Coy). Daneben waren auch der mechanisierte Infanteriezug des Schweizer KFOR-Kontingentes (Swisscoy) und Elemente der Bundeswehr untergebracht. Darüber hinaus war das Camp auch das Hauptquartier für die Taskforce Dulje, die nach dem nahe gelegenen Gebirgspass in Suva Reka benannt war. Die ursprüngliche Brigade, zu Beginn eine von fünf derartigen Verbänden, wurde in der Zwischenzeit durch die „Battlegroup West“ ersetzt. Eine Infanteriekompanie wurde 2012 aufgelöst und das Unterkunftsgebäude in ein anderes Lager im Kosovo verlegt. Ab 2000 beherbergte das Camp mehrheitlich österreichische, deutsche und Schweizer Truppen und wurde von Österreich und der Schweiz gemeinsam betrieben. Weitere kleinere Kontingente stellten beispielsweise im Sommer 2001 die Slowakei und Bulgarien.

Ausstattung

Im Camp befanden sich eine Kapelle, ein Greißlerladen (PX-Store), ein Sportplatz, ein Tennisplatz, eine Kletterwand, eine Sauna und ein Löschwasserteich der Camp-Feuerwehr. Die Camp-Kapelle wurde vom Schweizer Kontingent erbaut und im Sommer 2000 vom Militärbischof für Österreich Christian Werner eingeweiht. Die Unterkünfte bestanden aus grauweißen Containern, fünf in einer Reihe, je zwei übereinander, die mit einem montierten Holzdach vor Regen geschützt waren. Die Wohncontainer gaben auf zirka 25 Quadratmetern vier Personen Unterkunft. Die Telekom Austria hatte im Camp einen Handymast aufgestellt, mit dem zum Inlandstarif nach Hause telefoniert werden konnte. Zur Truppenbetreuung waren mehrere BarsÖsterreicherhof, Haifischbar, No-Name-Bar, Swiss-Chalet – eingerichtet. Gemeinsam produzierten Österreicher, Schweizer und Deutsche das Rundfunkprogramm Radio Casablanca.

Zivile Nutzung

Vor seiner Nutzung als Militärbasis gehörte die Liegenschaft mit den darauf befindlichen Bauten einer Reifenfabrik. Von den weißen Wänden der Produktionshalle sowie den mehrheitlich weissen Containern der temporären Wohn- und Arbeitsinfrastruktur rührt der Name „Casablanca“ (span. „weißes Haus“) her.

Der Feuerwehrplatz, im Camp-Jargon Tegetthof-Platz, war nach dem österreichischen Vizeadmiral Wilhelm von Tegetthoff benannt und diente unter anderem Repräsentationszwecken wie Flaggenparaden oder der Verleihung der NATO-Non-Article-5-Medaille. Die letzte Flaggenparade fand am 17. März 2012 statt, die mit dem Auszug der letzten österreichischen Einsatztruppen aus dem Camp nach zwölf Jahren das Ende der Truppenpräsenz markierte.

Am 17. August 2012 wurde das Camp Casablanca in einem Festakt über die UNMIK an die Gemeinde Suva Reka übergeben, welche auf dem Areal einen Industrie- und Gewerbepark, Schuleinrichtungen, einen Marktplatz und ein Sportzentrum plant.