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vom 18.06.2017, aktuelle Version,

Citybike Wien

Citybike-Verleihstation auf der Schönbrunner Brücke

Das Citybike Wien ist ein großflächig angelegtes Fahrradverleihsystem in Wien, das vom Werbeunternehmen Gewista betrieben wird. Ziel dieses an der Idee des Gratisrads angelehnten Systems ist es, den Umstieg auf das Fahrrad für kürzere und mittlere innerstädtische Wege zu erleichtern und das Angebot öffentlicher Verkehrsmittel zu ergänzen.

Entwicklung

Im Jahr 2001 wurde die Schaffung eines Gratisrad-Systems nach Kopenhagener Vorbild vereinbart, das jedoch zunächst scheiterte. Das 2002 gestartete, Viennabike genannte Projekt wurde von einem privaten Verein betrieben, der sich über Werbung auf den Fahrrädern und Zuschüssen von der Stadt Wien finanzierte. Im ganzen Bereich innerhalb des Gürtels wurden Fahrradständer errichtet, an denen mit einer Zwei-Euro-Münze als Pfand ein Fahrrad entriegelt werden konnte – genau nach dem gleichen System, wie es aus vielen Supermärkten mit Einkaufswagen bekannt ist. Die öffentlichen Appelle der Betreiber, die Gratisräder „fair“ zu benutzen, gingen aber nicht auf: Schon nach wenigen Wochen waren von den anfänglich 1500 Fahrrädern kaum noch welche in den Verleihstationen anzutreffen. Obwohl die Fahrräder einfach gehalten (drei Gänge) und mit auffälligen Werbetafeln versehen waren, ließen egoistische Benutzung, gepaart mit Vandalismus und Fahrraddiebstahl das Projekt scheitern. Mitarbeiter des Betreibers gingen noch ein paar Wochen auf Jagd nach zweckentfremdeten Viennabikes in Hinterhöfe und in die Außenbezirke (die Aufrufe, entwendete Viennabikes zu melden, wurden von einigen Seiten prompt als „Aufruf zur Denunziation“ kritisiert), bis die Fahrräder zu einer „Winterpause“ eingezogen wurden, aus der sie nicht mehr zurückkehrten. Die verbliebenen 1230 Fahrräder wurden im Internet versteigert.

In der Folge entwickelte sich ein politischer Disput, ob die Subventionen von 600.000 Euro durch die Stadt Wien für dieses Projekt gerechtfertigt waren. Bei der Suche nach einem alternativen Ersatzsystem erhielt das Werbeunternehmen Gewista, das in einem Naheverhältnis zur Stadt Wien steht, den Zuschlag. Im Jahr 2003 wurde das Citybike Wien vorgestellt.

Funktionsweise

Verleih-Terminal

Gegen eine einmalige Anmeldegebühr von 1 Euro (anfangs zwei Euro), welche allerdings bei der ersten kostenpflichtigen Nutzung gut geschrieben wird, kann an Selbstbedienungsstellen mit Berührungsbildschirm rund um die Uhr an derzeit (Dezember 2014) 120 Standorten ein Fahrrad ausgeliehen werden. Die Rückgabe erfolgt an jedem beliebigen Standort. Die Lage der Standorte, welche wie beim vorhergehenden System auf das zentrale Stadtgebiet beschränkt sind, die Anzahl der dort aktuell verfügbaren Räder und freien Bikeboxen (so werden die einzelnen Säulen genannt, an denen das Fahrrad verankert wird, um es gegen Diebstahl zu sichern, und die auch die Rückgabe eines Citybikes registrieren) kann von jedem Verleih-Terminal, aber auch über das Internet abgefragt werden.

Die Benutzung des Rades ist für die erste Stunde gratis. Die zweite Stunde kostet 1 Euro, die dritte 2 Euro, ab der vierten Stunde kostet es vier Euro. Bei Überschreitung von 120 Stunden oder Verlust des Fahrrades werden 600 Euro verrechnet.

Zur Vermeidung von Diebstahl und Vandalakten ist eine Identifizierung erforderlich, die mittels einer österreichischen Maestro-Karte (gemeinhin Bankomat-Karte genannt), internationalen Kreditkarten (Visa, MasterCard), der Citybike-Card, einem Mobiltelefon oder, speziell für Touristen, der Citybike Tourist Card erfolgen kann. Die meisten Benutzer nutzen die Bankomat-Karte (75 Prozent), gefolgt von Kreditkarten (17 Prozent), der Citybike-Card (fünf Prozent) und der Tourist Card (drei Prozent).[1] Zusätzlich muss bei jedem Entlehnvorgang ein bei der Anmeldung festgelegtes Passwort eingegeben werden. Bei der Rückgabe muss das Rad dann lediglich mit der vorgesehenen Halterung in einem Terminal einrasten. Eventuell anfallende Verleihgebühren können bei der nächsten Nutzung beglichen werden. Um kostenlose Fahrten über mehrere Stunden hinweg zu unterbinden, müssen zwischen zwei Entleihvorgängen mindestens 15 Minuten liegen. Nach einer internen Statistik enden 95 Prozent aller Fahrten innerhalb einer Stunde und damit kostenlos für den Nutzer, die durchschnittliche Entleihdauer beträgt 22,5 Minuten, die häufigste 10 Minuten.[1]

Statistik

In der nachfolgenden Tabelle werden die jährlichen Veränderungen aufgeführt.

Jahr Nutzer Fahrräder Stationen Fahrten km Bemerkungen
2003 ? 214 12 ? ?
2004 29.518 747 41 95.700 228.975
2005 45.000 874 48 200.000 >600.000
2006 76.000 897 49 277.000 867.000 Im April 2006 registrierten die Citybike-Zentralrechner während Schönwetterperioden über 10.000 Fahrten pro Woche.
2007 120.000 1.015 54 336.000 1,1 Mio. [2]
2008 ca. 160.000 1.251 60 ca. 363.000 1,14 Mio.
2009 210.000 1.282 62 397.000 1,317 Mio. [1]
2010
2011 325.252 571.334 1.877.815
2012 401.000 714.000 2,3 Mio.
2013 480.000 1.300 111 >750.000 Im Juli 2013 wurde mit 129.279 Fahrten eine neue Rekordmarke zurückgelegt, dies entspricht einer Steigerung von 45 Prozent im Vergleich zum selben Nutzungszeitraum von 2012 mit dem Citybikes. Im September 2013 verfügte das System über insgesamt 2.750 Boxen an 111 Stationen und 1.300 Fahrrädern. Am weiteren Ausbau in den westlichen Innenbezirken und den Anschlüssen an neue Universitätsgebäude wie z. B. der Wirtschaftsuniversität wird gearbeitet (Stand: September 2013).
2014 >580.000 1500 120 >980.000 3,16 Mio. Im Dezember 2014 wurde mit der Eröffnung der 120. Station der vorläufige Endausbau erreicht und es sind vorerst keinen weiteren Stationen geplant.
2015 1.500 121 >1 Mio. [3] Damit konnte die Prognose aus dem „Mobil in Wien Masterplan Verkehr 03/08“ S. 7 (2. Auflage; Stand 2010) mit 2.500 Fahrrädern nicht gehalten werden. Die Anzahl der Stationen wurde hingegen um eins übertroffen.
2016 1.500 121 >1 Mio. 3,66 Mio. [4]

Auffallend ist, dass sich die Verteilung der Räder am Abend nach den Außenbezirken verlagert. Morgens sind oftmals bei den Fahrradständern der Innenbezirke kaum Fahrräder vorhanden.

Siehe auch

Literatur

  • Wien mit dem Citybike entdecken – Die interessantesten Routen zu Kultur, Natur und Genuss; Metro Citybook, Metroverlag 2014; ISBN 978-3-99300-171-1
  Commons: Citybike Wien  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Citybike Wien, Presseinformation 1. Januar 2010
  2. Gewista Magazin – Eine Erfolgsstory – Citybike Wien
  3. Jahresbilanz 2015 - Citybike Wien. Abgerufen am 20. April 2017.
  4. Jahresbilanz 2016 - Citybike Wien. Abgerufen am 20. April 2017.