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vom 13.06.2017, aktuelle Version,

Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim

Porträt des Kardinals
Altarbild in Pfarrkirche Gaibach um 1745, es zeigt drei einflussreiche Generationen aus dem Hause Schönborns, darunter vorne links Damian Hugo Philipp

Damian Hugo Philipp Reichsgraf von Schönborn-Buchheim (* 19. September 1676 in Mainz; † 19. August 1743 in Bruchsal) war ab 1721 Kardinal und Fürstbischof von Speyer und ab 1740 Fürstbischof von Konstanz.

Herkunft - Das Haus Schönborn

Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim stammte aus dem Geschlecht der von Schönborn. Er wurde als dritter Sohn von 18 Kindern des kurmainzischen Staatsministers Melchior Friedrich Graf von Schönborn-Buchheim geboren und hatte den Mainzer Kurfürst-Erzbischof Lothar Franz von Schönborn als Onkel.

Seine Brüder waren die Fürstbischöfe Franz Georg von Schönborn-Buchheim, Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim und Johann Philipp Franz von Schönborn und der Politiker Rudolf Franz Erwein von Schönborn; sein Großneffe und Patenkind war der Speyerer Domkapitular und spätere Bischof von Roermond, Philipp Damian von Hoensbroech (1724–1793).

Leben

Geistliche Laufbahn

Obwohl er eine tief religiöse Erziehung erhielt, war er zunächst nicht für den geistlichen Stand ausersehen. Nach Studien an den Universitäten in Würzburg, Mainz, Rom, Leiden und Löwen war er 1699 Kompanieführer im Heer Kaiser Leopolds I. Von 1699 bis 1706 wirkte er auch als Komtur der Deutschordenskommende St. Aegidius in Aachen und von 1707 bis 1715 als Landkomtur der Ballei Hessen des Deutschen Ordens in Alden-Biesen und Marburg sowie Gesandter am Wiener Hof und unternahm diplomatische Missionen.

Auf Vorschlag des polnischen Wahlkönigs August der Starke wurde er 1713 von Papst Clemens XI. ins Kardinalskollegium berufen, obwohl er noch nicht die Weihen erhalten hatte. 1721 war er Kardinaldiakon der Titeldiakonie San Nicola in Carcere. Trotz seiner Teilnahme an zwei Konklaven blieb Hugo Damian an der Kurie ohne Einfluss. 1719 erfolgte durch Vermittlung seines Onkels Lothar Franz seine Wahl zum Fürstbischof von Speyer. Erst danach empfing er am 15. August 1720 die Priesterweihe. Die Bischofsweihe spendete ihm am 24. Februar 1721 Johann Edmund Gedult von Jungenfeld, Weihbischof in Mainz; Mitkonsekratoren waren Johann Baptist Gegg, Weihbischof in Worms, und Johann Joachim Hahn, ebenfalls Weihbischof in Mainz. Kardinal von Schönborn nahm am Konklave 1721 teil, das Papst Innozenz XIII. wählte; er erschien einen Tag vor Ende des Konklaves in Rom.

Bischof von Speyer

Seine über zwanzigjährige Zeit als Bischof von Speyer war eine friedliche Epoche, verbunden mit einem wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Damian Hugo Philipp bemühte sich um eine Konsolidierung des Finanzhaushaltes, dazu führte er verschiedene Verwaltungsreformen durch und gründete Musterbetriebe zur Belebung der Wirtschaft. 1722 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Nach heftigen Streitereien mit dem Rat der protestantischen Reichsstadt Speyer verlegte er 1723 seine Residenz nach Bruchsal, wo er das prächtige Schloss Bruchsal durch den genialen Baumeister Balthasar Neumann bauen ließ. In Waghäusel ließ er ab 1724 von Johann Michael Ludwig Rohrer das Jagdschloss Eremitage erbauen, das ab 1737 von Neumann erweitert wurde. Beim Konklave 1724, das Papst Benedikt XIII. wählte, war er nicht anwesend.

Im Jahre 1730 nahm Kardinal Schönborn am viermonatigen Konklave in Rom teil, in dem Clemens XII. zum Papst gewählt wurde.[1]

Späte Jahre

Damian Hugo Philipp von Schönborn auf dem Sterbebett, 1743

Unter Mithilfe seiner Brüder wurde er bereits 1722 zum Koadjutor des Bistums Konstanz gewählt, erlangte aber erst 18 Jahre später Besitz über das Hochstift und konnte dort keinen Einfluss mehr ausüben. Am Konklave 1740 konnte er nicht mehr teilnehmen. Hugo Damian von Schönborn starb an den Folgen einer Malaria-Erkrankung, die er sich in seiner Zeit in Rom zugezogen hatte. Nach vorübergehender Bestattung wurde er 1755 in der Bischofsgruft der auf seine Anweisung hin neu erbauten Peterskirche zu Bruchsal beigesetzt. Trotz größerer Bauaktivitäten hinterließ er seinem Nachfolger 1,8 Millionen Gulden in der Staatskasse.

In seine Lebens- und Regierungszeit fällt der Höhepunkt des Einflusses der Schönborn-Familie auf die Geschicke des Reichs.

Wappen

Fürstbischöfe führten üblicherweise ein gemehrtes persönliches Wappen, das sich aus Elementen des Familienwappens und dem Wappen des Bistums zusammensetzt.

Prunkwappen des Fürstbischofs

Das Prunkwappen von Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim an der Fassade des von ihm errichteten Schlosses Bruchsal beinhaltet die folgenden drei Wappenschilde: Der (optisch) linke Wappenschild ist geviert. Im Wechsel findet sich jeweils in Blau ein silbernes Kreuz (für das Hochstift Speyer) sowie in Rot eine silberne Burg mit Tor und zwei Türmen, darüber eine goldene Krone (für die Fürstpropstei Weißenburg). Diese Vierung deutet auf die länger andauernde Personalunion der beiden Ämter hin. Der rechte Schild zeigt das Familienwappen der Schönborn: in Rot ein auf drei silbernen Spitzen schreitender zweischwänziger goldener Löwe, der blau gekrönt ist. In der Mitte findet sich ein kleinerer Wappenschild mit einem doppelten schwarzen Tatzenkreuz in Silber, der für die beiden Landkomtureien des Deutschen Ordens Alden-Biesen und Marburg steht (siehe auch Liste der Kommenden des Deutschen Ordens). Die drei Einzelwappen sind unter einem Fürstenhut angeordnet. Verziert mit weiteren Herrschaftsinsignien wird das Wappen von einer goldenen Fassung eingerahmt, die nach oben mit einem Kardinalshut abschließt. Hinweise auf das Bistum Konstanz fehlen in dieser Darstellung, weil Damian Hugo es erst deutlich später übernahm.

Varia

Aus seinem Umfeld soll die Redewendung „Das ist alles für Hugo“ stammen. Wenn seine Bediensteten Dinge für ihn sortierten, sollen sie mit dieser Redewendung die Sachen in den Ofen geworfen haben. Das 1723 von ihm gestiftete und 1755 gegründete Schönborn-Gymnasium Bruchsal, das sich ursprünglich im Bruchsaler Schloss befand, wurde 1954 nach ihm benannt.

Der Heidelberger Medizinprofessor Johannes Christoph Ludwig Beringer (1709–1746) fungierte als sein Leibarzt.

Bauten des Fürstbischofs Damian Hugo

Literatur

  Commons: Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Quelle zur Teilnahme am Konklave von 1730 in der Google-Buchsuche
Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich Hartard von Rollingen Fürstbischof von Speyer und
Fürstpropst von Weißenburg

1719–1743
Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg
Johann Franz II. von Stauffenberg Fürstbischof von Konstanz
1740–1743
Kasimir Anton von Sickingen
Friedrich von Renesse Komtur der Kommende in Aachen
1699–1706
Bertram Anton von Wachtendonk