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vom 24.01.2017, aktuelle Version,

Donnerbrunnen

Der Donnerbrunnen im Zentrum des Neuen Marktes
Nahansicht der Providentia

Donnerbrunnen ist der volkstümliche Name für den von Georg Raphael Donner gestalteten und von 1737 bis 1739 errichteten Providentiabrunnen auf dem Neuen Markt im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Die Wiener konnten mit dem Begriff providentia (lat. für Vorsehung) jedoch wenig anfangen, weshalb sie ihn nach seinem Erbauer benannten. Kunsthistorisch ist öfter auch vom Mehlmarktbrunnen die Rede, da der Neue Markt im 18. Jahrhundert noch Mehlmarkt hieß.

Geschichte

Neuer Markt mit Blick auf den Donnerbrunnen ( Carl Wenzel Zajicek, 1913)

Im Jahr 1737 sind Verhandlungen zwischen der Stadt Wien und Donner (aber auch mit Lorenzo Mattielli) dokumentiert. Die Stadt Wien tritt hier als Bauherr auf, was in der künstlerisch vom Kaiserhaus und Hochadel bestimmten Barockzeit eher einen Ausnahmefall darstellt. Den Auftrag für die Steinmetzarbeiten erhielt der bürgerliche Steinmetzmeister zu Wien Johann Sebastian Knox. [1]

Die Figuren, für die Georg Raphael Donner nur die Modelle geschaffen hat, wurden von Johann Nikolaus Moll in einer Blei-Zinn-Legierung gegossen und 1739, am Namenstag Kaiser Karls VI. aufgestellt. Unter der Herrschaft Maria Theresias wurde die Nacktheit der Figuren als anstößig gesehen und sie wurden 1773, angeblich auf Betreiben der Keuschheitskommission entfernt. Der Bildhauer Johann Martin Fischer wurde beauftragt sie einzuschmelzen, erkannte jedoch ihren künstlerischen Wert und restaurierte sie. 1801 wurden sie wieder auf ihren alten Platz gestellt.

Der Wiener Gemeinderat behandelte am 7. Juli 1871 den schadhaften Zustand. Der vom Stadtbauamt vorgelegte Kostenvoranschlag basiert vor allem auf Wöllersdorfer Stein, denn derselbe kommt billiger als jeder andere. Das Becken ist ebenfalls neu aus Stein .. aus Granit. Die Sohlenplatten im Bassin sind mit Stein zu ersetzen und dazu härtester Kaiserstein zu verwenden. In Gemeinderatsitzungen 1872 wurden die Arbeiten der Firma Eduard Hauser überlassen. [2] 1873 wurden die Figuren durch Bronzekopien ersetzt; die Originale bilden heute das Zentrum der Barockabteilung der Österreichischen Galerie Belvedere.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Donnerbrunnen entfernt und erst am 30. April 1947 wieder aufgestellt.

In den 1980er Jahren war der Donnerbrunnen ein beliebter Treffpunkt der Wiener Subkultur, vor allem der Mod-Bewegung.

Otto Wagners Gutachten

1913 bestand die Gefahr, dass der Donnerbrunnen dem Verkehr geopfert und auf einen anderen Platz, etwa den Lueger-Platz, verbannt würde. Dazu das Gutachten von Otto Wagner.[3] Der Mutwille und die "Wasserweiber" taten ein übriges. Letztere schöpften mit ihren Bitteln in die Eisenreifen versehenen Butten, welche am Brunnenrand aufgestellt wurde, um die Anrainer damit zu versehen, wodurch der Brunnenrand arg beschädigt wurde. Der Gemeinderat beschloss daher, den Brunnen völlig neu herzustellen. Der entzückende Ton des Bleis, der ursprünglichen Plastik musste der minderschönen aber haltbaren Bronze und das aus weißem Kaiserstein ausgeführte Brunnenbecken dem dauernden, leider polierten Granit weichen.

Aufbau

In der Mitte des Brunnens steht die Providentia, die Allegorie der Voraussicht beziehungsweise guten Regierung, die sich wohl nicht zuletzt auch auf die gute Wasserversorgung Wiens bezieht. Umgeben wird sie von vier allegorischen Figuren, die Flüsse im Erzherzogtum Österreich darstellen. Ein solches Schema ist im Manierismus und Frühbarock recht beliebt, ein bekanntes Beispiel ist der Vierströmebrunnen Berninis in Rom. Die Darstellung von Flüssen in Form allegorischer Personen war bis ins 19. Jahrhundert beispielgebend, etwa für den Austriabrunnen auf der Freyung oder der Danubiusbrunnen an der Albertinarampe.

Die vier Flussfiguren stellen auch die vier Lebensalter und Temperamente dar. Die beiden männlichen Figuren repräsentieren die Flüsse aus Oberösterreich, die beiden weiblichen diejenigen aus Niederösterreich.

  • Traun ist eine jugendliche Gestalt, die mit einem Dreizack nach einem Fisch am Grunde des Beckens sticht. Die Figur ist sehr dynamisch aufgebaut und bietet keine Frontalansicht – sie schaut direkt in das Wasser.
  • Enns ist ein alter Fährmann, der mit einem Ruder an einem Felsbrocken lehnt und so die Enns als wichtige Verkehrsstrecke in den Alpen symbolisiert.
  • Ybbs ist eine ruhende Mädchengestalt mit wasserspendendem Gefäß.
  • March ist eine weibliche Figur, die an ein Relief gelehnt ist, das eine Schlacht (möglicherweise der Römer gegen die Markomannen) darstellt und so den Charakter der March als Grenzfluss hervorhebt.

Den Sockel umgeben vier Putten mit wasserspeienden Fischen (Hecht, Karpfen, Wels und Lachs), die als die eigentlichen Wasserspender des Brunnens dienen und die Donau symbolisieren. Das Becken und der Sockel des Brunnens bestehen aus Mauthausener Granit.

Literarische Bearbeitung

Franz Karl Ginzkeys Novelle Der selige Brunnen aus dem Jahre 1940 erzählt von Donners Jugendjahren sowie von der Entstehung des titelgebenden Providentiabrunnens.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Der alte Donnerbrunnen, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Oberkammeramtsrechnung 1738 + 1739: Johann Georg Knox, bürgerlicher Steinmetzmeister. In Helmuth Furch (Hrsg.): Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch Nr. 55, September 1999, S 15f.
  2. Der alte Donnerbrunnen, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Gemeinderatsprotokolle 1871-1873. Gemeinderat Neumann am 30. Mai 1873 .. wie die Herren sich selbst überzeugt haben werden, wurde aus dem Bassin dieses Brunnens mit großen Gefäßen Wasser geholt, die auf das Bassin selbst gestellt wurden, wodurch die Zerstörung des ehemals bestandenen Kunstwerks so schnell herbeigeführt wurde. Nachdem dies bei einem monumentalen Brunnen, welcher mit so enormen Kosten hergestellt wurde, nicht stattfinden darf: Zum Schutze dieses Brunnens wird eine permanente Wache von Sicherheitsorganen beigegeben, welche bei Tag und Nacht den Brunnen zu überwachen hätte. Der Antrag wird genehmigt. In Mitteilungen Nr. 55, September 1999, S 14–18.
  3. Gutachten des Architekten Otto Wagners über die Verlegung des Donnerbrunnens, um 1913. In Mitteilungen 55, September 1999, S 18.

Literatur

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien, 1993
  • Josef Donner: Auf springt der Quell, Wasser im Stadtbild, ein Wiener Brunnenlexikon. Verlag Österr. Vereinigung für d. Gas- u. Wasserfach, ÖVGW, 1998
  • Sinhuber u. Stumpf: Wien – Metamorphosen einer Stadt, München 1992.
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