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vom 29.06.2017, aktuelle Version,

Eberndorf

Eberndorf
Dobrla vas
Wappen Österreichkarte
Wappen von Eberndorf
Dobrla vas
Eberndorf (Österreich)
Eberndorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Völkermarkt
Kfz-Kennzeichen: VK
Fläche: 67,81 km²
Koordinaten: 46° 35′ N, 14° 39′ O
Höhe: 476 m ü. A.
Einwohner: 5.873 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 87 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9141
Vorwahl: 0 42 36
Gemeindekennziffer: 2 08 03
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 1
9141 Eberndorf
Website: www.eberndorf.at
Politik
Bürgermeister: Gottfried Wedenig (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(23 Mitglieder)
12
5
3
3
12  5  3  3 
Von 23 Sitzen entfallen auf:

Lage der Marktgemeinde Eberndorf
Dobrla vas im Bezirk Völkermarkt
Bleiburg Diex Eberndorf Eisenkappel-Vellach Feistritz ob Bleiburg Gallizien Globasnitz Griffen Neuhaus Ruden Sankt Kanzian am Klopeiner See Sittersdorf Völkermarkt Kärnten Lage der Gemeinde Eberndorf im Bezirk Völkermarkt (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap

Südtor zum Hof der Stiftskirche Eberndorf
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Eberndorf (slow. Dobrla vas) ist eine zweisprachige[1][2] Marktgemeinde mit 5873 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Bezirk Völkermarkt, Kärnten (Österreich).

Geographie

Die Gemeinde liegt im Jauntal in dem südlich der Drau sich erstreckendem Jaunfeld.

Gemeindegliederung

Eberndorf besteht aus den acht Katastralgemeinden Buchbrunn (Bukovje), Gablern (Lovanke), Gösselsdorf (Goselna vas), Kühnsdorf (Sinča vas), Loibegg (Belovče), Mittlern (Metlova), Mökriach (Mokrije) und Pribelsdorf (Priblja vas). Das Gemeindegebiet gliedert sich in folgende 24 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2015[3]):

  • Buchbrunn - Bukovje (92)
  • Buchhalm - Podhom (123)
  • Eberndorf - Dobrla vas (1069)
  • Edling - Kazaze (194)
  • Gablern - Lovanke (253)
  • Gösselsdorf - Goselna vas (637)
  • Graben - Graben (0)
  • Hart - Dobrava (153)
  • Hof - Dvor (58)
  • Homitzberg - Homec (27)
  • Humtschach - Humče (126)
  • Köcking - Kokje (213)
  • Kohldorf - Voglje (72)
  • Kühnsdorf - Sinča vas (1532)
  • Loibegg - Belovče (102)
  • Mittlern - Metlova (584)
  • Mökriach - Mokrije (89)
  • Oberburg - Zgornji Podgrad (68)
  • Pribelsdorf - Priblja vas (225)
  • Pudab - Pudab (20)
  • Sankt Marxen - Šmakež (114)
  • Seebach - Jezernica (62)
  • Unterbergen - Podgora (19)
  • Wasserhofen - Žirovnica (15)

Nachbargemeinden

Völkermarkt
Sankt Kanzian am Klopeiner See Bleiburg
Gallizien Sittersdorf Feistritz ob Bleiburg

Geschichte

Arkadenhof des Stifts Eberndorf

Von historischer Bedeutung für die heutige Gemeinde und die Region war das Stift Eberndorf, das auf einer Stiftung des Friulaner Grafen Chazelin († vor 1106) beruhte und durch den Patriarchen von Aquileia Peregrin/Pilgrim (reg. 1132–1161) als Augustiner-Chorherrenstift gegründet wurde. Das für weite Teile des Jauntals wichtige Stift wurde im Zuge der Gegenreformation 1604 aufgelöst und durch eine Jesuitenresidenz ersetzt, die bis zur Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 bestand. 1809 wurde das Stift und der dazugehörige Grundbesitz dem Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal übergeben, das bis heute der Eigentümer ist. Die spätgotische Stiftskirche und die barocke Stiftsanlage prägen noch heute das Ortsbild.

Die Ortsgemeinde Eberndorf wurde 1850 gebildet und wuchs zunächst bis 1866 durch Eingemeindungen zur flächenmäßig größten Kärntens heran. 1876 wurden Globasnitz, Rückersdorf und Sittersdorf abgetrennt und als eigene Ortsgemeinden etabliert sowie Grabelsdorf mit St. Kanzian vereinigt. Neben der Eingliederung der Katastralgemeinde Mökriach 1944 gab es seither nur geringe Gebietskorrekturen. Das Recht zur Führung der Bezeichnung „Marktgemeinde“ wurde Eberndorf 1952 zugesprochen.

Von 1902 bis 1971 war der Ort auch mit der Vellachtalbahn (Schmalspurstrecke Kühnsdorf – Eberndorf – Eisenkappel) erreichbar. Die Bahnstrecke wurde 1971 stillgelegt und anschließend abgetragen. Einige wenige Spuren sind erhalten, so z. B. das Heizhaus des ehemaligen Bahnhofs Kühnsdorf.

Brunnen im Stiftshof
Hauptportal der Stiftskirche Maria Himmelfahrt
Altes Turmuhrwerk

Bevölkerung

Zum Zeitpunkt der Volkszählung 2001 hatte Eberndorf 6.014 Einwohner, davon besaßen 95,5 % die österreichische und die 2,5 % bosnische Staatsbürgerschaft. 8,6 % gehörten der slowenischsprachigen Volksgruppe an.

Hochaltar in der Stiftskirche Maria Himmelfahrt
Wasserhofen, im Hintergrund die Brücke über den Völkermarkter Stausee, Völkermarkt und die Saualm

Religion

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 89,4 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 2,6 %, zum Islam 2,3 %. Ohne religiöses Bekenntnis sind 4,1 % (Stand: Volkszählung 2001).

Die Gemeinde Eberndorf ist in drei Pfarren gegliedert:

  • Pfarre Eberndorf (župnija Dobrla vas)
  • Pfarre Edling (župnija Kazaze)
  • Pfarre Kühnsdorf (župnija Sinča vas)

Der slowenische Dialekt

Eberndorf/Dobrla vas zählt zum slowenischen Dialektgebiet des Jauntales (slow. podjunsko narečje) [4], der ein Dialekt der Kärntner slowenischen Dialektgruppe ist.[5] Bezeichnend ist, dass auch Sitz des Jauntaler Dekanats Eberndorf/Dobrla vas ist.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kulturni Dom (Slowenisches Kulturhaus)
  • Südkärntner Sommerspiele: Theater im Stiftshof Eberndorf, Kärnten, Juli-August, Komödienraritäten-Komödienspezialitäten.
  • Marktkapelle Eberndorf-Kühnsdorf
  • Sing4Fun Chor & Band Werkstatt
  • Jagdhornbläsergruppe Südkärnten

Einrichtungen und Vereine

  • Stiftskindergarten Eberndorf
  • Jugendzentrum / mladinski center Regenbogen
  • Mehrsprachiger privater Kindergarten / Večjezični zasebni otroški vrtec Mavrica

Das slowenische Vereins- und Kulturleben

Büste des Bürgermeisters Janez Šumah.JPG

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Eberndorf und Umgebung noch ein weitestgehend slowenischsprachiger Ort. Das organisierte Vereinsleben der Slowenen blühte in jener Zeit in der Gegend auf, so dass der slowenische Kyrill und Method-Schulverein Družba sv. Cirila in Metoda (CMD) etwa 1888 in Abtei, 1890 für Pribelsdorf und Umgebung und 1908 in Sankt Margareten im Rosental Zweigvereine gründete.

1907 kam es zur Gründung des Bildungsvereines Trta in Sittersdorf/Žitara vas. 1904 wurde der Verein Društvo "Gorotan" sowie 1910 ein Zweigverein der Pfarre Podružnica župnija Dobrla ves "Slovenske Straže" (Slowenische Wacht) gegründet. Gleichzeitig erhielt das slowenische Chorwesen einen bedeutenden Aufschwung und insbesondere die Kirchenchöre werden wichtige Träger der slowenischen Sprachkultur. Wer im Chor sang, konnte gutes Schriftslowenisch.

Besondere Bedeutung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region, der Menschen und der Sprache kommt der 1890 in Kühnsdorf gegründeten Hranilnica in posojilnica (Spar- und Darlehenskasse)[7] zu, die insbesondere auch die Kulturarbeit förderte.[8] [9]

Slowenischer Kulturverein „Srce“

Am 25. März 1906 wurde der slowenische Bildungsverein Katoliško izobraževalno društvo Dobrla ves auf Betreiben des Gründers der Posojilnica (Darlehenskasse) und Bürgermeisters Janez Šumah sowie des Kaplans Ivan Kogelnik, als Vorgängerorganisation des Slovensko prosvetno društvo „Srce“ (Slowenischer Kulturverein „Srce“) gegründet. Bedeutende Wirkungsbereiche waren das Laienschauspiel, die Bildungsarbeit, die Förderung der Lesekultur durch die vereinseigene Bibliothek sowie das Tamburizzaspiel im Chor. 1909 wurde eine Turnsektion Orel (Adler) gegründet. 1913 wurde die Paternuž-Wirtschaft erworben, um darauf das Kulturhaus Kulturni dom zu errichten. Wegen des Ersten Weltkrieges wurde es jedoch erst nach dem Ende des Krieges fertiggestellt. Die Zwischenkriegszeit, ab den 1920er Jahren, war von zahlreichen Diskriminierungen und Schikanierungen geprägt, das Vereinshaus eingezogen. Schließlich wurden alle slowenischen Vereine verboten, das Vermögen enteignet bzw. kulturelle Werte zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 der Verein unter dem heute noch weithin bekannten Namen Slovensko prosvetno društvo „Srce“ [Slowenischer Kulturverein „Srce“] wiedergegründet. Seitdem ist der Verein eine der tragenden Säulen des Kulturlebens in der Gemeinde.[10]

Sport

  • Sommerrodelbahn
  • Gösselsdorfer Volkstriathlon (Ende Juli)
  • Sportklub Kühnsdorf/Klopeinersee
  • Fußballclub EAC gegründet 1958

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Josefimarkt (März)
  • Salamifest (August)
  • Jauntaler Adventmarkt im Stift (Dezember)
  • Feuer & Eis Party auf der Rohrmeisterwiese, je nach Schneelage (Dezember-Februar)

Politik

Der Gemeinderat besteht aus 23 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2015 wie folgt zusammen:[11]

Bürgermeister

Wappen

Das Wappen von Eberndorf zeigt „In blauem Halbrundschild auf rundem goldenen Berg steigendes weißes Einhorn, nach rechts gerichtet“.[13] Die Gemeinde verwendete schon vor der Wappenverleihung (1960) ein steigendes Einhorn im Siegel. Es wurde von den Jesuiten für das Stift Eberndorf eingeführt und fußt im mittelalterlichen „hortus conclusus“ (das Einhorn flüchtet in den Schoß der Jungfrau Maria). Das goldene Kreissegment im Schildfuß kann als Berg wie auch als Teil der Weltkugel gedeutet werden.

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 6. September 1960 verliehen. Die Fahne ist Weiß-Blau mit eingearbeitetem Wappen.

Wirtschaft

Die Einrichtungshäuser der RUTAR Group haben ihren Sitz in Eberndorf.

Persönlichkeiten

  • Günther Golautschnig (* 1953), Fußballnationalspieler
  • Oswald Gutsmann (1727–1790), Jesuit im Stift, slowenischer Sprachwissenschafter und Lexikograf
  • Mimi Malenšek (1919–2012), slowenische Schriftstellerin
  • Josef Pfeifer (* 1942), ehemaliger Bundesratspräsident, Alt-Bürgermeister
  • Horst Skoff (1968–2008), Tennisspieler
  • Rudolf Vouk (* 1965), Rechtsanwalt und Politiker der Slowenischen Volksgruppe in Kärnten

Literatur

  • Monika Siedler: Marktgemeinde Eberndorf einst und heute. Eigenverlag der Marktgemeinde Eberndorf, Eberndorf 1992, ohne ISBN
  • Kärntner Landesarchiv (Hrsg.), Evelyne Webernig: Geschichtliches über Eberndorf. Ausstellungskatalog, Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt 2000, ohne ISBN
  • SPD »Srce« (izd.): Kjer je moj dragi dom. 80 let SPD »Srce« iz Dobrle vasi / 80 Jahre Slowenischer Kulturverein »Srce« aus Eberndorf. Dobrla vas/Eberndorf 1986;
  • M. Makarovič (ur.): Dobrla vas in okolica. Iz pretekosti v sedanjost / Eberndorf und Umgebung. Vergangenheit und Gegenwart. Celovec, Ljubljana, Dunaj 1996, 387-423.
  • Ursula Katarina Sienčnik: „Izobraževalno delo slovenskih kulturnih društev na Koroškem s posebnim poudarkom na SPD »Srce« v Dobrli vasi“ = „Die Bildungsarbeit der slowenischen Kulturvereine in Kärnten mit besonderem Bezug auf den Kulturverein »Srce« in Eberndorf“ (Diplomarbeit). Wien 2010. [14]
  Commons: Eberndorf  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. A. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, 340-362.
  2. A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, 25-38.
  3. Statistik Austria, Bevölkerung am 1.1.2015 nach Ortschaften
  4. Smole, Vera. 1998. "Slovenska narečja." Enciklopedija Slovenije vol. 12, pp. 1–5. Ljubljana: Mladinska knjiga, p. 2.
  5. Toporišič, Jože. 1992. Enciklopedija slovenskega jezika. Ljubljana: Cankarjeva založba, p. 183.
  6. Štefan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales: Dekanat Eberndorf, Klagenfurt/Celovec 1979
  7. Posojilnica Bank Podjuna: http://www.pbpodjuna.at/index.php/sl/footer/o-nas.html
  8. Ursula K. Sienčnik: Izobraževalno delo slovenskih kulturnih društev na Koroškem s posebnim poudarkom na SPD "Srce" v Dobrli vasi, (Dipl.-Arb.). Wien 2011, 26 f.
  9. Sie ist heute bekannt unter dem Namen Posojilnica Bank Podjuna und hat Zweigstellen in Eberndorf, Völkermarkt, Kühnsdorf sowie eine Selbstbedienungseinrichtung in St. Primus. Vgl. http://www.pbpodjuna.at/index.php/de/footer/ueber-uns.html
  10. Slovensko prosvetno društvo (Hg.): Na poti skozi čas. Kultura v Dobrli vasi in okolici skozi 100 let. Celovec 2006; http://volksgruppenv1.orf.at/slowenen/aktuell/stories/57648/
  11. Amt der Kärntner Landesregierung
  12. Amt der Kärntner Landesregierung
  13. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531641, S. 76
  14. http://othes.univie.ac.at/12755/1/2010-12-23_0309829.pdf