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vom 10.03.2017, aktuelle Version,

Ernst Schönbauer

Ernst Schönbauer (* 29. Dezember 1885 in Windigsteig, Niederösterreich; † 3. Mai 1966 in Großdietmanns) war ein österreichischer Rechtswissenschaftler und Politiker (GDVP/LB).

Schönbauer, der sich selbst als „Hochschullehrer und Bauer“ bezeichnete,[1] stammte aus einfachen Verhältnissen und war das jüngste von 6 Kindern. Nach Volksschule, Untergymnasium und Oberstufe legt er 1906 die Matura ab. Anschließend studierte er klassische und deutsche Philologie an der Universität Wien, wechselte aber dann an die Deutsche Universität Prag und schloss sein Studium dort mit Staatsexamen und Promotion zum Dr. phil. ab. Dann begann er in Prag Rechtswissenschaften zu studieren, setzte das Studium in Wien fort und schloss es 1915 ebenfalls mit einer Promotion ab, diesmal zum Dr. iur. Zeitgleich war Schönbauer auch Student an der Universität für Bodenkultur Wien. Ab 1915 nahm er ein Jahr freiwillig am Ersten Weltkrieg teil, allerdings wegen eines Herzfehlers nicht an der Front sondern im Ministerium für Landesverteidigung. Am 4. März 1919 wurde Schönbauer für die Großdeutsche Volkspartei Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung, im Anschluss war er vom 10. November 1920 bis zum 20. November 1923 ohne Parteizugehörigkeit Abgeordneter im Nationalrat. Schönbauer vertrat zudem den Landbund vom 7. Januar 1924 bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden am 1. Oktober 1930 im Nationalrat. Innerparteilich war Schönbauer Bundesobmann auch Mitglied der Reichsparteileitung der Deutschösterreichischen Bauernpartei bzw. des Landbundes für Österreich.

1919 habilitierte Schönbauer sich in Berlin und wurde 1924 Privatdozent und außerordentlicher Professor für Römisches Recht, Antike Rechtsgeschichte und Papyrologie an der Universität Wien. 1933 wurde er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1934 wurde zum Dekan der juridischen Fakultät gewählt aber nicht bestätigt, weil er den Beitritt zur Vaterländischen Front verweigert.

Seine Ablehnung des Ständestaates führte nach dem Anschluss Österreichs 1938 dazu, dass er als kommissarischer Dekan eingesetzt und unter der Mitgliedsnummer 6193422 am 20. Mai 1938 in die NSDAP aufgenommen wurde. „Schönbauer war ein einwandfreier Nationalsozialist, wie die Ortsgruppenleitung der NSDAP Schönbrunn am 2. Juli 1940 und die Kreisleitung VI am 24. Oktober 1940 bestätigen.“[2] Schönbauer war Mitglied in der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), im Reichslehrerbund (RLB) und im Rechtswahrerbund (RWB). „Nur sechs Tage nach dem ‚Anschluss‘ wurde Ernst Schönbauer in der nun nach Führerprinzip durchorganisierten Universität als neuer Dekan eingesetzt. Zirka 50 Prozent des Lehrkörpers wurden unter seiner Führung wegen ‚Fremdrassigkeit‘ oder ‚politischer Unzuverlässigkeit‘ entlassen.“[3] Im selben Jahr wurde Schönbauer zum Mitglied der Akademie für Deutsches Recht ernannt. Seine formelle Bestätigung zum Dekan erfolgte 1939.

Nach Kriegsende wurde Schönbauer im Mai 1945 von seiner Lehrtätigkeit suspendiert. Am 30. Jänner 1946 erhob er dagegen Einspruch doch blieb die Berufung ohne Erfolg, ebenso erfolglos war eine Eingabe vom 7. Juli 1948 an das Unterrichtsministerium. Am 20. Juli 1948 wurde Schönbauer endgültig des Dienstes enthoben. Ernst Schönbauer publizierte 1964 in dem der Neuen Rechten zuzuordnenden Eckartboten.[4]

Literatur

  • Dünser, Lukas & Moser Nikolai (2011). „Spiegelbild einer Wissenschaft? Das Wiener Juridicum zwischen Selbstverständnis und Erinnerung“. In: Gedenkdienst 2.
  • Kalwoda, Johannes (2012). „Ernst Schönbauer (1885–1966). Biographie zwischen Nationalsozialismus und Wiener Fakultätstradition“. In: Beiträge zur Rechtsgeschichte Österreichs 2. S. 282–316.
  • Mayer-Maly, Theo (1967) „Ernst Schönbauer zum Gedächtnis“. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Romanistische Abteilung 84. S. 627–630.
  • Schartner, Irmgard (2011). Die Staatsrechtler der juridischen Fakultät der Universität Wien im ‚Ansturm‘ des Nationalsozialismus. Umbrüche und Kontinuitäten. Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien: Lang. Insbesondere S. 258–303.
  • Stifter, Christian H. (2014). Zwischen geistiger Erneuerung und Restauration. US-amerikanische Planungen zur Entnazifizierung und demokratischen Reorientierung und die Nachkriegsrealität österreichischer Wissenschaft 1941–1955. Wien – Köln – Weimar: Böhlau, S. 298; 399; 603–604.

Einzelnachweise

  1. Schartner, Irmgard (2011). Die Staatsrechtler der juridischen Fakultät der Universität Wien im ‚Ansturm‘ des Nationalsozialismus. Umbrüche und Kontinuitäten. Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien: Lang. S. 259.
  2. Schartner, Irmgard (2011). Die Staatsrechtler der juridischen Fakultät der Universität Wien im ‚Ansturm‘ des Nationalsozialismus. Umbrüche und Kontinuitäten. Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien: Lang. S. 261.
  3. Dünser, Lukas & Moser Nikolai (2011). „Spiegelbild einer Wissenschaft? Das Wiener Juridicum zwischen Selbstverständnis und Erinnerung“. In: Gedenkdienst 2.
  4. Österreichische Nationalbibliothek (Hg.). „Eckartbote AutorInnen“.