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vom 21.03.2017, aktuelle Version,

Erwin Roth

Erwin Roth (1926–1998)

Erwin Roth (* 29. Mai 1926 in Marktbreit am Main; † 7. April 1998 in Salzburg) war deutsch-österreichischer Psychologe, Ordinarius für Psychologie an der Universität Salzburg (1970–1988) und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychologie von 1978-1980.

Leben

Kindheit und Jugendzeit

Aus einer fränkischen Winzer- bzw. Handwerkerfamilie kommend, besuchte Roth nach der Volksschule in Marktbreit eine Aufbauschule in Würzburg und wechselte von dort auf die Lehrerbildungsanstalt, wobei die Schüler dazumal kaserniert und uniformiert wurden. Im März 1943 wurde Roth zum Reichsarbeitsdienst und im Mai des gleichen Jahres zum Wehrdienst eingezogen. Er erhielt eine Ausbildung zum Flugzeugführer, bekam 1944 seinen Flugschein, wurde aber im Krieg nicht mehr als Flieger eingesetzt, sondern der Fluglehrerschule Brandenburg-Briest zugewiesen. Im April 1945 geriet er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde danach nach Frankreich ausgeliefert. Er musste zuerst bei einem Bauern arbeiten und dann unter harten Bedingungen für dreieinhalb Jahre in einem nordfranzösischen Kohlebergwerk.

Studium und akademischer Werdegang

Nach Deutschland zurückgekehrt, holte Roth 1949 das Abitur nach und begann im WS 1949/50 an der Universität Würzburg, vor allem bei Gustav Kafka, zu studieren. 1954 machte er die Diplomprüfung bei Wilhelm Arnold, 1957 die Promotion an der Universität Würzburg mit dem Thema: Untersuchungen zur Ermittlung der diagnostischen Sicherheit einfacher Eignungsuntersuchungsverfahren. Roth wechselte auf eine Stelle als Forschungsassistent zu Hans Thomae an die Friedrich-Alexander-Universität. Ab 1963 war er bei Theodor Scharmann am Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie tätig. Seine Habilitation erfolgte 1967 an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Roth war verheiratet mit Margit R., geb. Lick, aus der Ehe stammen vier Kinder (* 1955 Gaida, * 1956 Gritta, * 1957 Jens, * 1963 Anne).

Leistungen

Roth wurde Leiter des dortigen Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums und von 1968-1970 Professor an der Pädagogischen Hochschule der Universität Erlangen-Nürnberg.

Ab 1970 wurde Roth Professor an der Universität Salzburg. Roth war von 1976-1977 Gründungsdekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät.[1]

Roth gilt methodisch als Vertreter einer empirisch-experimentell ausgerichteten Psychologie. Inhaltlich bezogen sich die Arbeiten von Roth auf die Gebiete der Intelligenzforschung, Studien zur Lernfähigkeit und deren alterskorrelierten Veränderungen, der Persönlichkeitspsychologie, der Organisationspsychologie und der Einstellungsforschung. Bedeutend sind seine Arbeiten über die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung (Hicksches Gesetz), über Intelligenz und Alterungsprozesse, die im Rahmen der sog. Erlanger Schule der Informationspsychologie erarbeitet wurden. Mit seinen Arbeiten über die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit eröffnete er auch die Möglichkeit, Intelligenz auf einem höheren Messniveau zu erfassen (Absolutskala), als es mit dem Intelligenz-Quotient (IQ) gelingt, der nur das Ordinalskalenniveau erreicht.[2] Aufgrund seines Interesses an EEG-Korrelaten der Intelligenz gründete er am Salzburger Institut die Abteilung für Physiologische Psychologie.

In seiner Eigenschaft als Schriftführer der DGfPs wurde von ihm 1974 der 29. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Salzburg ausgerichtet.. Roth war 1980 Kongresspräsident des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Zürich[3].

An der Universität Salzburg gründete Roth 1982 ein dem Senat zugeordnetes Forschungsinstitut für Organisationspsychologie, das speziell Aufgaben der angewandten Forschung übernommen hatte, das aber in der Zwischenzeit in die Organisationsstruktur des Instituts für Psychologie eingegliedert wurde. [4]

Eine weitere wichtige Aufgabe übernahm Roth als Ombudsmann der Landeskrankenanstalten von Salzburg.

Ausgewählte Schriften

  • (1964). Die Geschwindigkeit der Verarbeitung von Information und ihr Zusammenhang mit Intelligenz. Zeitschrift für experimentelle und angewandte Psychologie 11, S. 616–622
  • (1967). Einstellung als Determination individuellen Verhaltens. Göttingen: Hogrefe (Habilitationsschrift).
  • (Hrsg.). (1972). Führungskräfte und Führungsstrukturen in Wirtschaftsunternehmen. Forschungsergebnisse des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum der Universität Erlangen/Nürnberg (Bd. I-IV). Frankfurt am Main: Akademische Verlagsgesellschaft.
  • mit Oswald, W. D. & Daumenlang, K. (1972). Intelligenz. Aspekte – Probleme – Perspektiven. Stuttgart: Kohlhammer.
  • (1967). Persönlichkeitspsychologie. Stuttgart: Kohlhammer.
  • mit Oswald, W. D. (1979). Der Zahlen-Verbindungs-Test (ZVT). Göttingen: Hogrefe.
  • (1992). Erwin Roth. Wehner, E. (1992). Psychologie in Selbstdarstellungen (S. 245-274). Bern: Huber.
  • (Hrsg.). (1998). Intelligenz. Grundlagen und neuere Forschung. Stuttgart: Kohlhammer.
  • mit Heidenreich, K. (1995). Sozialwissenschaftliche Methoden. Lehr- und Handbuch für Forschung (3. völlig überarbeitete Auflage). München: Oldenbourg.
  • (Hrsg.). (1989). Organisationspsychologie. Enzyklopädie der Psychologie, Bd. 3 - Wirtschafts-, Organisations- und Arbeitspsychologie. Göttingen: Hogrefe.

Literatur

  • Daumenlang, K. & Sauer, J. (1986). Aspekte psychologischer Forschung. Festschrift zum 60. Geburtstag von Erwin Roth. Göttingen: Hogrefe.

Einzelnachweise

  1. vgl. Joachim Sauer (1986). Biographische Anmerkungen zur wissenschaftlichen Entwicklung von Erwin Roth. In Konrad Daumenlang & Joachim Sauer (Hrsg.), Aspekte psychologischer Forschung. Festschrift zum 60. Geburtstag von Erwin Roth (S. XIII-XXV). Göttingen: Hogrefe.
  2. vgl. Siegfried Lehrl (2015). Hat der IQ ausgedient? Geistig fit, 25(5):3-6.
  3. vgl. Helmut E. Lück „100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Psychologie“ (PDF)
  4. Abteilung Sozialpsychologie an der Universität Salzburg