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vom 18.06.2020, aktuelle Version,

Eugen Steinach

Eugen Steinach (ca. 1932)

Eugen Steinach (* 22. Januar 1861 in Hohenems, Vorarlberg; † 14. Mai 1944 in Territet bei Montreux) war ein österreichischer Physiologe und Pionier der Sexualforschung.

Leben

Der Sohn eines jüdischen Arztes studierte Medizin an den Universitäten Genf und Wien, wurde 1886 an der Universität Innsbruck promoviert und war mehrere Jahre Assistent von Ewald Hering an der Deutschen Universität in Prag. 1890 habilitierte er sich dort für Physiologie, wurde 1895 außerordentlicher Professor, 1907 ordentlicher Professor und richtete mit dem Laboratorium für allgemeine und vergleichende Physiologie die erste derartige Anstalt im deutschsprachigen Raum ein. 1912 ging er nach Wien und übernahm die Leitung einer Abteilung der Biologischen Versuchsanstalt der Akademie der Wissenschaften. Seine bedeutendsten Arbeiten betrafen die Physiologie der kontraktilen Substanz, die Sinnes- und Nervenreizphysiologie und vor allem die Sexualphysiologie.

Umstritten auf dem Gebiet der Reaktivierungsforschung war seine Methode einer Verjüngung des Menschen mittels der Verpflanzung von Hoden (Verjüngung durch experimentelle Neubelebung der alternden Pubertätsdrüse, 1920). Robert Lichtenstern und Steinach waren Protagonisten dieser Methode. Er beschrieb die Hodentransplantation auch als „Therapie“ bei Homosexualität. Nach 1945 kam auch die umstrittene Xenotransplantation aus der Mode.

Steinach wollte den Verjüngungsprozess auch durch Unterbindung der Samenleiter erreichen. Seine berühmtesten Patienten waren Sigmund Freud und Adolf Lorenz, nach der Methode wurde 1934 auch der Literaturnobelpreisträger William Butler Yeats vom britischen Mediziner Norman Haire „verjüngt“.

In den 1920er Jahren war er der Erfinder des ersten funktionierenden Hormonpräparates. Ab 1923 arbeitete er mit der deutschen Pharmafirma Schering zusammen, die im Bereich der Hormonpräparate zu den führenden Konzernen zählte. 1928 kam der Ovarienextrakt Progynon in Form von Dragées auf den Markt – das in den Laboratorien von Schering entwickelte Präparat wurde bis vor vielen Jahren hergestellt und war gegen Wechseljahrbeschwerden, vor allem aber bei Geschlechtskorrekturen in Verwendung.[1]

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 konnte Steinach von einem Kuraufenthalt in der Schweiz nicht mehr nach Wien zurückkehren.

Ehrungen

  • Im Jahr 1955 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) die Steinachgasse nach ihm benannt.

Literatur

Commons: Eugen Steinach  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Helga Satzinger, Adolf Butenandt, Hormone und Geschlecht, in: Wolfgang Schieder, Achim Trunk, Adolf Butenandt und die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Wallsteinverlag 2004 S. 102, vgl. Schering (2) im Museum Sybodo, Innsbruck.
  2. Mitgliedseintrag von Eugen Steinach bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 26. Juni 2016.