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vom 24.05.2017, aktuelle Version,

Fairtrade Österreich

Fairtrade Österreich
Zweck: faire Handelsbedingungen mit benachteiligten Kleinproduzenten in sog. Entwicklungsländern als weiterführendes Instrument der Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungspolitik fördern und stärken, ohne selbst Handel zu betreiben
Vorsitz: Helmut Schüller (seit 2007)
Gründungsdatum: 1993
Mitgliederzahl: 22 Organisationen (2016)
Sitz: Wien, Österreich
Website: fairtrade.at

Fairtrade Österreich (voller Name: Verein zur Förderung des fairen Handels mit den Ländern des Südens) ist ein 1993 gegründeter gemeinnütziger Verein mit Sitz in Wien. Er vergibt in Österreich das Fairtrade-Siegel für den Fairen Handel in Österreich.

Ziele und Aufgaben

Das übergeordnete Ziel von Fairtrade Österreich ist ein entwicklungspolitisches: die Minderung von Armut in Asien, Lateinamerika und Afrika. Kleinbauern und Plantagenarbeiter sowie ihre Familien und Gemeinden sollen gefördert und ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessert werden.

Fairtrade Österreich vergibt an Importeure, Verarbeitungsbetriebe und Händler, die die Fairtrade-Standards erfüllen, das Recht, das Fairtrade-Siegel für ihre Produkte zu nutzen. Daneben gehören zu den Aufgaben von Fairtrade auch Marketing und Öffentlichkeitsarbeit für Fairtrade-Produkte. Um die Anliegen von Kleinbauernfamilien oder ArbeiterInnen auf Plantagen im globalen Süden ins Zentrum der gesellschaftlichen und politischen Aufmerksamkeit zu rücken, sieht Fairtrade seine Aufgaben darin, Ansprechpartner in der Politik, in Gemeinden, in Handels- und Wirtschaftsverbänden, Nichtregierungsorganisationen und Umweltvereinigungen sowie UN-Organisationen zu informieren und in einem Netzwerk zu verbinden.

Schließlich wirkt Fairtrade Österreich als nationale Fairtrade-Organisation auch am Dachverband Fairtrade International mit, welche die Fairtrade-Standards setzt (siehe Organisation). Weder Fairtrade Österreich noch Fairtrade International betreiben selbst Handel.

Geschichte

Der Verein wurde 1993 von mehreren Organisationen unter dem Namen Transfair Österreich gegründet. Nach eigenen Angaben waren darunter alle wichtigen österreichischen Organisationen des Fairen Handels und Gewerkschaftsvertreter. Mit der Gründung des Dachverbandes FLO 1997 (heute: Fairtrade International) trat Fairtrade Österreich dem Dachverband bei. Im Jahr 2003 wurde der Verein in Fairtrade Österreich umbenannt.

Organisation

Mitglieder des Vereins sind Organisationen aus den Bereichen Entwicklungspolitik, Kirche, Umwelt, Verbraucherschutz, Frauen, Bildung und Soziales. Im Jahr 2016 waren es insgesamt 22 Organisationen.

In der Geschäftsstelle des Vereins arbeiteten im Jahr 2016 insgesamt 16 angestellte und freie Mitarbeiter. Ehrenamtliche Mitarbeiter sollen den Verein bei der Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel bei Verkostungen oder Infoständen, unterstützen.

International ist Fairtrade Österreich mit 22 weiteren nationalen Fairtrade Organisationen, acht Fairtrade Marketing Organisationen und drei Produzentennetzwerken (Stand 2017) in der Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International e.V. (Fairtrade International) zusammengeschlossen. Fairtrade International setzt für seine Mitgliedsorganisationen international gültige Fairtrade-Standards und berät Produzentenorganisationen. Er legt, als Teil der Standards, auch die Höhe der Mindestpreise und Fairtrade-Prämie fest, die vom Handel an Produzentenorganisationen gezahlt werden. Für die Zertifizierung und Kontrolle der am Fairtrade-System beteiligten Organisationen ist die FLO-Cert GmbH international zuständig.

Fairtrade-Lizenzierung

Händler zahlen dem Verein eine Lizenzgebühr für die Nutzung des Fairtrade-Siegels. Diese Gebühr wird zusätzlich zu den an die Produzenten gezahlten Produktpreisen und der Fairtrade-Prämie gezahlt. Die Höhe der Lizenzgebühr hängt vom Produkt ab und wird pro Gewichtseinheit oder als Anteil vom Verkaufspreis erhoben.

Produkte mit dem Fairtrade-Siegel sind in Österreich in 5000 Verkaufsstellen sowie in 1.800 Cafés, Bäckereien, Hotels, Restaurants und Kantinen erhältlich. 1.100 Produkte mit dem FAIRTRADE-Siegel von 114 lizenzierten Partnerunternehmen sind verfügbar (Stand Mai 2015).

Finanzierung

Der Verein finanziert seine Arbeit zum weitaus größten Teil über Lizenzeinnahmen für das von ihm vergebene Fairtrade-Siegel, im Jahr 2015 etwa 1,75 Mio. Euro bei ca. 2 Mio. Euro Gesamteinnahmen. Hinzu kommen Mittel aus Förderungen und Sponsoring (2014: 0,09 Mio Eur). Die übrigen Einnahmequellen, etwa Förderungen der Bundesländer, Mitgliedsbeiträge, Sponsorengelder, spielen nur eine geringe Rolle.

Der größte Teil der Einnahmen fließt in den Posten "Öffentlichkeitsarbeit" (0,87 Mio Euro). 0,44 Mio Euro werden für Beiträge zu den internationalen Zertifizierungs- und Inspektionsorganisationen Fairtrade International und FLO-Cert GmbH aufgewendet.

Wirkungen

Produkte mit dem Fairtrade-Siegel brachten 2014 in Österreich einen Umsatz von ca.149  Mio Eur. Die wichtigsten Produktkategorien sind Kaffee und Heißgetränke (2014 2.390 Tonnen), Schokolade und Süßwaren (2014 1.492 Tonnen) und Bananen (2014: 15.300 Tonnen).

Für die Produzenten sollen die Fairtrade-Standards wirtschaftliche Wirkungen sowohl durch Preisvorteile aufgrund der garantierten Mindestpreise und Fairtrade-Prämie, als auch durch Preisstabilität, langfristige Lieferbeziehungen und Möglichkeiten zur Vorfinanzierung erzielt werden. Des Weiteren sollen die Lebensbedingungen der Bauern und Landarbeiter durch ökologische und soziale Standards verbessert werden.

Im Jahr 2014 erzielten die Produzenten, die zertifizierte Produkte in Österreich verkauft haben, Direkteinnahmen von mehr als 30,1 Mio USD.

Literatur

  • fairtrade.at, Webseiten von Fairtrade Österreich
  • fairtrade.net, Webseiten des Dachverbandes Fairtrade Labelling Organizations International (FLO)

Einzelnachweise