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vom 02.10.2016, aktuelle Version,

Franz Spunda

Franz Spunda (* 1. Jänner 1890 in Olmütz; † 1. Juli 1963 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller und Gymnasiallehrer.

Leben

Franz Spunda studierte Romanistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik in München, Wien und Berlin. Er betrieb dann zusätzliche Studien in Paris, wo er in Kontakt zu Alchimie und Mystik kam. Er promovierte 1913 und war bis 1917 Soldat im Ersten Weltkrieg. Danach war er zunächst für kurze Zeit Lehrer in Mährisch-Ostrau, dann bis 1945 Gymnasialprofessor in Wien. Er unternahm zahlreiche ausgedehnte Reisen nach Griechenland und in den Orient, schrieb Lyrik und ab 1921 auch Romane. Nach eigenen Angaben schrieb er in den 1930ern unter anderem auch für den Völkischer Beobachter.

Im Juni 1932 wurde Spunda Mitglied im NS-Lehrerbund und gab einige Jahre später auch an, seit 1932 Mitglied der NSDAP gewesen zu sein. 1933 wurde er Mitglied im Bund deutscher Schriftsteller Österreichs; Spunda wurde nach dem „Anschluss“ 1938 Landesleiter des Reichsverbandes deutscher Schriftsteller für Österreich und ersuchte im selben Jahr um Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer.[1]

Im Juni 1945 ersuchte Spunda um Befreiung von der Registrierungspflicht im Zuge der Entnazifizierung an. Dabei gab Spunda an, dass er seit 1942 in Gegnerschaft zum Nationalsozialismus gestanden habe, für deren Wahrheitsgehalt Spunda 35 Zeugen anführte. Das Ansuchen wurde im August desselben Jahres vom zuständigen Magistratischen Bezirksamt abgelehnt und die Registrierungspflicht im Oktober 1945 bestätigt. Spundas Einspruch bei der Einspruchkommission 1947 wurde ebenfalls abgelehnt. Anschließend schrieb Spunda im selben Jahr einen Antrag auf Ausnahmebehandlung an den damaligen Bundespräsidenten Karl Renner, dem im April 1948 stattgegeben wurde, aber Spunda nicht von der Entrichtung der einmaligen und laufenden Sühneabgabe befreite.[1]

Nach 1945 war er freier Schriftsteller.

Rezeption

Spunda verfasste vor allem okkulte und historische Romane in der Tradition etwa von Gustav Meyrink, Leo Perutz oder Karl Hans Strobl. Der Kritiker Hermann Bahr schrieb:

„Darum ist auch gegen den Versuch Franz Spundas, ein Jules Verne des Okkultismus zu werden, grundsätzlich nichts einzuwenden.“

Hermann Bahr : Liebe der Lebenden. Tagebücher 1921/23. Hildesheim: Borgmeyer 1925, III, 248.

Spundas Werke waren nach dem Zweiten Weltkrieg Gegenstand von Untersuchungen der „Zentralkommission zur Bekämpfung der NS-Literatur“. 1946 gelangte Edwin Rollett auf Anfrage des Unterrichtsministeriums zu der Einschätzung, dass er sich in der „illegalen Zeit“ in den verschiedenen Schriftstellerverbänden immer extrem national und nationalsozialistisch betätigt habe, was auch in manch seiner Bücher Niederschlag gefunden habe. 1949 wiederholte Rollett seinen Standpunkt und untermauerte dies mit Figuren aus Spundas Büchern. Nachdem die zuständige Lektorin Rolletts Meinung nicht teilte, wurden alle Werke am 27. Jänner 1949 freigegeben.[1]

Ehrungen

1979 wurde in Wien-Floridsdorf die Spundagasse nach ihm benannt.[1]

Werke

  • Hymnen. Georg Müller, München 1919
  • Devachan. Ein magischer Roman. Strache, Wien 1921; Ansata, Schwarzenburg 1980
  • Der gelbe und der weiße Papst. Ein magischer Roman. Rikola, Wien 1923
  • Der magische Dichter. Essays. Wolkenwanderer, Leipzig 1923
  • Gottesfeuer. Gedichte. Wolkenwanderer, Leipzig 1924
  • Das ägyptische Totenbuch. Ein nekromantischer Roman. Rikola, Wien 1924; Hess, Bad Schussenried 2004, ISBN 3-87336-233-3
  • Paracelsus. König, Wien 1925
  • Griechische Reise. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin 1926
  • Baphomet. Ein alchimistischer Roman. Arbeitsgemeinschaft für Kultur und Aufbau, München 1928; Festa, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86552-073-9
  • Der heilige Berg Athos. Landschaft und Legende. Mit 40 Bildtafeln. Insel, Leipzig 1928
  • Minos oder Die Geburt Europas. Roman. Adam Kraft, Karlsbad 1931
  • Wulfila. Zsolnay, Wien 1936
  • Alarich. Roman der Westgoten. Zsolnay, Wien 1937
  • Das Reich ohne Volk. Zsolnay, Wien 1938
  • Griechenland. Fahrten zu den alten Göttern. Insel, Leipzig 1938
  • Romulus. Zsolnay, Wien 1939
  • Tyrann Gottes. Der Roman des Papstes Bonifaz VIII. und seiner Zeit. Zsolnay, Wien 1940
  • Das Weltbild des Paracelsus. Andermann, Wien 1941
  • Der Herr vom Hradschin. Roman Kaiser Karls IV. Zsolnay, Wien 1942; Hess, Bad Schussenried 2007, ISBN 978-3-87336-337-3
  • Geschichte der Medici. Bruckmann, München 1944
  • Verbrannt von Gottes Feuer. Der Lebensroman Giordano Brunos. Festungsverlag, Salzburg 1949
  • Clara Petacci. Roman um die Geliebte Mussolinis. Zimmerer, Berchtesgaden 1952
  • Hellas Fackel leuchtet. Roman der Philhellenen 1821. Bischoff, Laichingen 1953
  • Römischer Karneval. Roman. Pallas, Salzburg 1953
  • Herakleitos. Der Denker zwischen den Schlachten. Romandichtung. Kienreich, Graz 1957
  • Das mystische Leben Jakob Böhmes. Bauer, Freiburg im Breisgau 1961; Edition Pleroma, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-939647-03-4
  • Legenden und Fresken vom Berg Athos. Steinkopf, Stuttgart 1962
  • Jugendjahre in Olmütz. Frühlingsannalen. Quellenverlag Diwisch, Steinheim 1966
  • Die Phädriaden. Gedichte und Gesänge. Bruno Langer, Esslingen 1970
  • Der Weg nach Delphi. Internationaler Literatur- und Lyrik-Verlag, Wien 1987
  • Heiligtum der Welt. Baulegende der Hagia Sophia in Byzanz als Gleichnis der gnostischen Sophia Achamoth. Edition Pleroma, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-939647-04-1
Herausgaben
  • Theophrastus Paracelsus: Magische Unterweisungen des edlen und hochgelehrten Philosophi und Medici Philippi Theophrasti Bombasti von Hohenheim Paracelsus genannt. Leipzig: Wolkenwanderer-Verlag 1923.

Literatur

  • Robert Cermak: Der magische Roman. Hanns Heinz Ewers, Gustav Meyrink, Franz Spunda, Dissertation, Wien 1950
  • Clemens Ruthner: Unheimliche Wiederkehr. Interpretationen zu den gespenstischen Romanfiguren bei Ewers, Meyrink, Soyka, Spunda und Strobl, Corian Verlag, Meitingen 1993. ISBN 3-89048-119-1

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,4 MB), S. 78ff, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013