unbekannter Gast
vom 17.10.2016, aktuelle Version,

Franz Traunfellner

Holzschnitt Alter Hof

Franz Traunfellner (* 25. März 1913 in Gerersdorf; † 17. Februar 1986 ebenda) war ein österreichischer Maler und Grafiker.

Leben

Franz Traunfellner wurde 1913 auf einem Bauernhof in Gerersdorf bei Pöggstall im südlichen Waldviertel geboren. Bereits in der Schule fiel er durch sein ungewöhnliches Zeichentalent auf. Als er durch Zufall Holzschnittwerkzeuge erhielt, begann er sich autodidaktisch mit Holzstich und Holzschnitt zu beschäftigen. Auch andere grafische Techniken interessierten ihn, wobei ihn Professor Kromar von Hohenwolf in Melk in der Technik der Radierung unterwies.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg konnte sich Traunfellner an Ausstellungen beteiligen. Nach Kriegsende kehrte er auf den elterlichen Bauernhof zurück, wo er sich neben der Arbeit in der Landwirtschaft nun intensiver dem künstlerischen Schaffen widmete; es entstanden vor allem Holzstiche und Holzschnitte. 1956 ermöglichte ihm ein Stipendium das Erlernen der lithografischen Techniken an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Teilnahmen an Ausstellungen im In- und bereits auch im Ausland sowie häufige Presseberichte steigerten seine Bekanntheit. 1960 erhielt er als erster Künstler den neu geschaffenen Kulturpreis des Landes Niederösterreich für Bildende Kunst.

1963 gab Traunfellner die Landwirtschaft auf und lebte von da an als freischaffender Künstler. In den 23 Jahren bis zu seinem Tod entstand der größte Teil seines umfangreichen Werkes, welches sich nicht nur auf Grafiken beschränkte, sondern auch Monotypien und Malerei mit einschloss. Zahlreiche Ausstellungen, Ankäufe von Museen und Sammlungen sowie Berichte in Rundfunk und Fernsehen trugen weiter zu seiner Bekanntheit bei. Daneben fand er auch noch Zeit für Reisen, vorzugsweise nach Südeuropa, aber auch nach Paris und in die Künstlerkolonie Worpswede. Seine künstlerische Heimat blieb aber immer seine nähere Umgebung. Die Landschaft des Waldviertels, seine Menschen und Tiere, boten reichliche Anregung für sein künstlerisches Schaffen.

Franz Traunfellner starb 1986 und liegt auf dem Pöggstaller Ortsfriedhof begraben.

Werk

Das Werk Traunfellners ist aus seinem Umfeld zu verstehen. Er selbst sagte in einem biografischen Aufsatz dazu: "Ich wollte das Wesenhafte der Landschaft schöpferisch zum Ausdruck bringen, z. B. die kargen Linien der winterlichen Landschaft." Der Bogen seiner künstlerischen Entwicklung spannt sich von frühen naturalistischen Zeichnungen und Holzstichen bis zu stark reduzierten Holzschnitten, in denen sich nur mehr die wesentlichen Linien finden, dabei aber immer gegenständlich bleibend, wodurch diese Werke eine starke Ausdruckskraft entfalten.

Holzstich und Holzschnitt waren Traunfellners bevorzugte Techniken. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Blätter von ihm selbst mit der Hand gedruckt, da der Künstler den Druckvorgang als wesentlichen Teil des Schaffensprozesses betrachtete. Daneben schuf er Zeichnungen, Farbholzschnitte, Radierungen, Lithographien, Monotypien, Ölgemälde und Aquarelle.

Werke des Künstlers befinden sich u.a. im Besitz von

Mitgliedschaften (Auswahl)

  • 1948 Österreichische Ex Libris - Gesellschaft
  • 1956 Landesverband der Niederösterreichischen Kunstvereine
  • 1958 Salzburger Kunstverein, Künstlerhaus Salzburg
  • 1963 ARTA Salzburg und ARTA International (ARTA war eine Vereinigung von Künstlern und Kunstfreunden, löste sich 2007 auf)
  • 1965 Gesellschaft Bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus Wien
  • 1979 Internationale Holzschneidervereinigung "Xylon"

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1937 Erste bekannte Ausstellung gemeinsam mit Kromar von Hohenwolf, Ort unbekannt
  • 1948 Kulturamt der Stadt Krems
  • 1950–1974 Regelmäßige Teilnahme an den Frühjahr- und Herbstausstellungen des Künstlerhauses Wien
  • 1956–1985 Regelmäßige Teilnahme an den Wanderausstellungen des Landesverbandes der Niederösterreichischen Kunstvereine
  • 1959 "Österreichischer Holzschnitt", Tokio und Osaka
  • 1960 Oberhausmuseum, Passau
  • 1964 Kleine Galerie Neudeggergasse, Wien
  • 1965 Künstlerhaus Wien
  • 1968 Niederösterreichisches Landesmuseum
  • 1974 Österreichisches Kulturinstitut, New York und Fine Arts Club, Kanada
  • 1975 Galerie Schwarzer, Wien
  • 1976 Galerie Alte Schmiede, Wien
  • 1979 "Xylon 8", Triennale, Winterthur
  • 1980 Wanderausstellung Xylon International durch mehrere Länder Europas und Südamerikas
  • 1981 Stift Geras
  • 1982 "Internationaler Holzschnitt", Künstlerhaus Wien
  • 1983 Niederösterreichisches Dokumentationszentrum für Moderne Kunst, St. Pölten
  • 1984 Galerie Wolfrum, Wien
  • 1986 (posthum) Galerie Belvedere (vormals Österreichische Galerie Oberes Belvedere), Wien
  • 2013 (posthum) "Franz Traunfellner zum 100. Geburtstag", Niederösterreichisches Dokumentationszentrum für Moderne Kunst, St. Pölten

1994 erfolgte die Eröffnung der ständigen Dokumentation "Franz Traunfellner - Leben und Werk" im Schloss Rogendorf in Pöggstall im niederösterreichischen Waldviertel, wo auch jährlich wechselnde Sonderausstellungen gezeigt wurden. Seit Ende 2015 ist sie wegen Umbauten im Schloss zur Vorbereitung der Niederösterreichischen Landesausstellung 2017 geschlossen, soll aber danach wieder errichtet werden. Nähere Informationen können ab 2018 auf der Homepage der Gemeinde Pöggstall abgerufen werden.

Ehrungen (Auswahl)

  • 1948 Silberne Medaille des Landes Niederösterreich
  • 1956 Goldene Medaille des Landes Niederösterreich
  • 1960 Kulturpreis für Bildende Kunst des Landes Niederösterreich
  • 1968 Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich
  • 1974 Berufstitel Professor
  • 1984 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst
  • 1984 Goldener Lorbeer der Gesellschaft Bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus Wien

Literatur

  • Rupert Feuchtmüller, Franz Traunfellner: Mein Waldviertel. Siebenberg-Verlag, Zwettl u. a. 1973, ISBN 3-85074-000-5.
  • Franz Traunfellner. eine Werkübersicht bis 1983. Mit Texten von Jörg Mauthe, Franz Traunfellner und Franz Kaindl. Kunstverlag Wolfrum, Wien 1983, ISBN 3-900178-02-X.
  • Heinrich Fuchs: Die österreichischen Maler des 20. Jahrhunderts. Band 4: S–Z. Selbstverlag Dr. Heinrich Fuchs, Wien 1986, ISBN 3-85390-006-8.
  • Isabella Ackerl, Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1992, ISBN 3-8000-3464-6.
  • Richard Bamberger, Maria Bamberger, Franz Maier-Bruck: Österreich Lexikon. Band 2: M – Z. Verlags-Gemeinschaft Österreich-Lexikon, Wien 1995, ISBN 3-95004-380-2.
  • Senta Baumgartner, Othmar Pruckner: Die Gegend hier herum ist herrlich. Reisen zu Dichtern, Denkern, Malern und Musikern in Niederösterreich. Falter Verlagsgesellschaft, Wien 1996, ISBN 3-85439-165-X.