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vom 06.01.2017, aktuelle Version,

Friedrich August von Etzel

Friedrich August von Etzel (ursprünglich O’Etzel). (* 16. Oktober 1808 in Berlin; † 25. Dezember 1888 ebenda) war ein preußischer General der Infanterie und Politiker sowie Mitglied des Deutschen Reichstages.

Leben

Familie

Friedrich August stammte aus einer ursprünglich irischen Adelsfamilie. Er war der Sohn des späteren preußischen Generalmajors Franz August O’Etzel (1784–1850) und dessen Ehefrau Elise Adelheid, geborene Hitzig (1789–1866). Nach der preußischen Anerkennung des Adels am 25. Juni 1846 nannte sich die Familie von Etzel.[1][2]

Militärkarriere

Etzel besuchte Schulen in Berlin und Koblenz und studierte in Berlin. Nach ausgedehnten Reisen trat er am 3. November 1824 als Schütze in das Garde-Schützen-Bataillon der Preußischen Armee ein. Hier stieg er bis 14. Oktober 1826 zum Sekondeleutnant auf und absolvierte von 1831 bis 1834 die Allgemeine Kriegsschule. Zwischen 1835 und 1837 war Etzel Lehrer bei der Korpsschule des Gardekorps. In den Jahren 1837 bis 1840 war er dem topographischen Büro zugeordnet. Er wurde 1842 Kapitän im Großen Generalstab und wechselte 1844 in den Generalstab des II. Armee-Korps. Als Major diente er ab 1848 erneut im Großen Generalstab. Während der Revolution von 1848/49 war er zudem Telegraphendirektor. Etzel war 1849 während des Feldzuges gegen Dänemark Chef des Generalstabes der mobilen Division „von Hirschfeld“ in Jütland. Er nahm an den Kämpfen Alminde, Viuf, Veile sowie Aarhus teil und wurde verwundet.

Im Jahr 1850 war er mit militärischen Verhandlungen in Kopenhagen betraut. Danach war er von 1850 bis 1851 Lehrer für Taktik an der Allgemeinen Kriegsschule. Im Jahr 1853 wurde er zum Oberstleutnant befördert und zum Abteilungschef im Großen Generalstab ernannt. Drei Jahre später folgte die Beförderung zum Oberst. Im Jahr 1857 wurde Etzel Kommandeur des 15. Infanterie-Regiments in Minden ernannt. Unter Stellung à la suite beauftragte man ihn am 19. Mai 1859 mit der Führung der 32. Infanterie-Brigade. Ende des Monats wurde Etzel zum Generalmajor befördert und zum Kommandeur dieser Brigade ernannt. Im Jahr 1860 erhielt er das Kommando über die 29. Infanterie-Brigade in Köln und 1863 wieder über die 32. Infanterie-Brigade. Gleichzeitig war er Befehlshaber der preußischen Truppen in der Stadt Frankfurt am Main. Im gleichen Jahr wurde er am 19. Dezember mit der Führung der 16. Division beauftragt, am 4. Januar 1864 zum Kommandeur ernannt und in dieser Stellung am 25. Juni 1864 zum Generalleutnant befördert.

Während des Krieges gegen Österreich nahm Etzel 1866 an den Schlachten bei Münchengrätz und Königgrätz teil. Noch im selben Jahr wurde er Direktor der Kriegsakademie. Bei der Mobilmachung anlässlich des Krieges gegen Frankreich ernannte man ihn zum Kommandierenden General des Stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps. In dieser Stellung erhielt Etzel am 26. Juli 1870 den Charakter als General der Infanterie. nach dem Frieden von Frankfurt überführte man ihn zunächst zu den Offizieren von der Armee und ernannte Etzel am 22. Juli 1871 zum Gouverneur von Stettin. Seine langjährigen Leistungen fanden am 29. August 1871 durch die Verleihung des Kronenordens I. Klasse mit dem Emaileband des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe seinen Ausdruck. Am 19. Oktober 1871 wurde Etzel schließlich mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt.

Politik

Etzel war in der zweiten Legislaturperiode des Deutschen Reichstages von 1874 bis 1877 Mitglied des Parlaments als Abgeordneter des Wahlkreises Regierungsbezirk Minden 1 (Minden-Lübbecke). Er gehörte der Fraktion der Nationalliberalen Partei an.[3]

Familie

Er hatte sich am 5. November 1838 in Tilsit mit Fanny Luise Marianne Nernst (1816–1884) verheiratet. Sie war die Tochter des Oberpostdirektors Hermann Nernst. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:

  • Fransiska Beatrix Martha (* 29. Juli 1840 in Wittenberg)
  • Walter Franz August Albert (* 22. Januar 1847 in Stettin; † 29. August 1893 in Erfurt), zuletzt preußischer Oberstleutnant und Ritter des Johanniterordens

Wie sein Vater gehörte er dem Freimaurerbund an und war Mitglied der Berliner Freimaurerloge „Zur Eintracht“.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues Allgemeines Adelslexikon. Band 3, Leipzig 1861, S. 172. Digitalisat
  2. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 6, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, ohne Jahr, S. 81.
  3. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage, Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 135; vgl. auch A. Phillips (Hg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Verlag Louis Gerschel, Berlin 1883, S. 85.