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vom 01.10.2018, aktuelle Version,

Gerichtsbezirk Časlau

Ehemaliger Gerichtsbezirk Časlau
(tschechisch: soudní okres Časlav)
Basisdaten
Kronland Böhmen
Bezirk Časlau
Sitz des Gerichts Časlau (Čáslav)
Vorlage:Infobox Gerichtsbezirk/Wartung/Keine Kennziffer
zuständiges Landesgericht  Kuttenberg
Fläche 388,84 km2 (1910)
Einwohner 47.552 (1910)
Aufgelöst 1919
Abgetreten an Tschechoslowakei

Der Gerichtsbezirk Časlau (auch: Tschaslau oder Czaslau, tschechisch: soudní okres Čáslav) war ein dem Bezirksgericht Časlau unterstehender Gerichtsbezirk im Kronland Böhmen. Er umfasste Gebiete in Mittelböhmen im Okres Kutná Hora. Zentrum des Gerichtsbezirks war die Stadt Časlau (Čáslav). Das Gebiet gehörte seit 1918 zur neu gegründeten Tschechoslowakei und ist seit 1991 Teil der Tschechischen Republik.

Geschichte

Die ursprüngliche Patrimonialgerichtsbarkeit wurde im Kaisertum Österreich nach den Revolutionsjahren 1848/49 aufgehoben. An ihre Stelle traten die Bezirks-, Landes- und Oberlandesgerichte, die nach den Grundzüge des Justizministers geplant und deren Schaffung am 6. Juli 1849 von Kaiser Franz Joseph I. genehmigt wurde.[1] Der Gerichtsbezirk Časlau gehörte zunächst zum Kreis Časlau und umfasste 1854 90 Katastralgemeinden.[2] Der Gerichtsbezirk Časlau bildete im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen Verwaltung[3] ab 1868 gemeinsam mit dem Gerichtsbezirk Habern (Habry) den Bezirk Časlau.[4]

Im Gerichtsbezirk Časlau lebten 1869 43.170 Menschen,[5] 1900 waren es 47.461 Personen.[6] Der Gerichtsbezirk Časlau wies 1910 eine Bevölkerung von 47.552 Personen auf, von denen 222 Deutsch und 47.258 Tschechisch[7] als Umgangssprache angaben. Im Gerichtsbezirk lebten zudem 72 Anderssprachige oder Staatsfremde.[8]

Durch die Grenzbestimmungen des am 10. September 1919 abgeschlossenen Vertrages von Saint-Germain kam der Gerichtsbezirk Časlau vollständig zur neugegründeten Tschechoslowakei, wobei die Gerichtseinteilung bis 1938 im Wesentlichen bestehen blieb. Nach dem Münchner Abkommen wurde das Gebiet dem Protektorat Böhmen und Mähren zugeschlagen und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Teil des Okres Kutná Hora, zu dem es bis heute gehört. Nachdem die Bezirksbehörden im Zuge einer Verwaltungsreform 2003 ihre Verwaltungskompetenzen verloren, werden diese von den Gemeinden bzw. dem Středočeský kraj wahrgenommen, zu dem das Gebiet um Čáslav seit Beginn des 21. Jahrhunderts mit anderen Bezirken zusammengefasst wurde.

Gerichtssprengel

Der Gerichtssprengel umfasste 1910 die 75 Gemeinden Bílé Podolí (Weißpodol), Biskupice (Biskupitz), Bojmany (Bojman), Bousov (Bousow), Bračice (Bračitz), Březi (Březi), Bukovina (Bukowina), Čáslav (Časlau), Čejkovice (Čejkowitz), Chlum (Chlum), Chotusice (Chotusitz), Damírov (Damirow), Dobrovítov (Dobrowitow), Dolní Bučice (Unterbučitz), Drobovice (Drobowitz), Horka (Horka), Horní Bučice (Oberbučitz), Horušice (Horuschitz), Hošťalovice (Hošťalowitz), Hostkovice (Hoskowitz), Hostoulice (Hostaulitz), Hraběšín (Hrabeschin), Klucké Chválovice (Kluker Chwalowitz), Kluky (Kluk), Kněžice (Kněžitz), Kozohlody (Kozohlod), Kraskov (Kaskow), Krchlebská Lhota (Lhota Krchleb), Krchleby (Krchleb), Licoměřice (Licoměřitz), Lipovec (Lipowetz), Litošice (Litoschitz), Lohov (Lohow), Loučice (Loučitz), Míčov (Mičow), Mladotice (Mladotitz), Močovice (Močowitz), Morašice (Moraschitz), Moravany (Morawan), Nová Lhota (Neulhota), Opatovice (Opatowitz), Pařížov (Pařižow), Podhořany (Podhořan), Podmoky (Podmok), Potěhy (Potěch), Přibyslavice (Přibislawitz), Rohozec (Rohosetz), Ronov nad Doubravou (Ronow an der Doubrawa), Sauňov (Sauňow), Schořov (Schořow), Sebestenice (Sebestenitz), Semtěš (Semtsch), Skoranov (Skoranow), Sobolusky (Sobolusk), Starkoč (Starkoč), Sulovice (Sulowitz), Třebonín (Třebonin), Třemošnice (Třemoschnitz), Tupadly (Tupadl), Turkovice (Turkowitz), Vinaře (Winař), Vlačice (Wlačitz), Vodranty (Wodrant), Volšany (Wolschan), Vrdy (Wrdy), Žáky (Žak), Zařičany (Zařičan), Závratec (Zawratetz), Zbudovice (Zbudowitz), Zbyslav (Zbyslau), Zbýšov (Zbeischow), Zehuby (Zehub), Žehušice (Sehuschitz), Žlebské Chválovice (Žleber Chwalowitz) und Žleby (Žleb).

Einzelnachweise

  1. Landes-Gesetz- und Regierungs-Blatt für das Kronland Böhmen (Dritte Abtheilung des Ergänzungs-Bandes) 1849, Nr. 110: „Organisirung der Gerichte in dem Kronlande Böhmen.“
  2. Landes-Regierungs-Blatt für das Königreich Böhmen 1854, I. Abtheilung, XLVII. Stück, Nr. 277: „Verordnung der Ministerien des Inneren, der Justiz und der Finanzen vom 9. Oktober 1854, betreffen die politische und gerichtliche Organisirung des Königreichs Böhmen“
  3. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XVII. Stück, Nr. 44. „Gesetz vom 19. Mai 1868 über die Einrichtung der politischen Verwaltungsbehörden in den Königreichen …“
  4. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XLI. Stück, Nr. 101: Verordnung vom 10. Juli 1868, die Durchführung des Gesetzes vom 19. Mai 1868 (Reichs-Gesetz-Blatt Nr. 44) in Böhmen, Dalmatien, Oesterreich unter und ob der Enns, Steiermark, Kärnthen, Bukowina, Mähren, Schlesien, Tirol und Vorarlberg, Istrien, Görz und Gradiska betreffend.
  5. Böhmische k. k. Statthalterei (Hrsg.): Orts-Repertorium des Königreiches Böhmen. Mit Benützung der von der k .k. statistischen Central-Commission zusammengestellten Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1869 herausgegeben. Prag 1872, S. 6
  6. C.k. místodržitelství (Hrsg.): Seznam míst v Království českém. K rozkazu c. k. místodržitelství na základě úřadních udání sestaven. Prag 1907, S. 44
  7. In der Volkszählung wurden Personen mit böhmischer, mährischer und slowakischer Umgangssprache zusammengefasst
  8. k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915, S. 57

Literatur

  • k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915 (Spezialortsrepertorien der österreichischen Länder)