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vom 07.06.2017, aktuelle Version,

Gerichtsbezirk Polna

Ehemaliger Gerichtsbezirk Polna
(tschechisch: soudní okres Polná) Basisdaten
Kronland Böhmen
Bezirk Deutschbrod
Sitz des Gerichts Polna (Polná)
Vorlage:Infobox Gerichtsbezirk/Wartung/Keine Kennziffer
zuständiges Landesgericht  Kuttenberg
Fläche 100,05 km2 (1910)
Einwohner 8.720 (1910)
Aufgelöst 1919
Abgetreten an Tschechoslowakei

Der Gerichtsbezirk Polna (tschechisch: soudní okres Polná) war ein dem Bezirksgericht Polna unterstehender Gerichtsbezirk im Kronland Böhmen. Er umfasste Gebiete in Übergangsgebiet von Mittelböhmen zu Südböhmen im Okres Jihlava bzw. im Okres Žďár nad Sázavou. Zentrum des Gerichtsbezirks war die Stadt Polna (Polná). Nach dem Ersten Weltkrieg musste Österreich den gesamten Gerichtsbezirk an die Tschechoslowakei abtreten, seit 1991 ist das Gebiet Teil der Tschechischen Republik.

Geschichte

Die ursprüngliche Patrimonialgerichtsbarkeit wurde im Kaisertum Österreich nach den Revolutionsjahren 1848/49 aufgehoben. An ihre Stelle traten die Bezirks-, Landes- und Oberlandesgerichte, die nach den Grundzüge des Justizministers geplant und deren Schaffung am 6. Juli 1849 von Kaiser Franz Joseph I. genehmigt wurde.[1] Der Gerichtsbezirk Polna gehörte zunächst zum Kreis Časlau und umfasste 1854 die 42 Katastralgemeinden Altenberg, Altpfauendorf, Bergersdorf, Bosowitz, Briskau, Deutsch-Gießhübel, Deutsch-Schützendorf, Dobrenz, Dobrikau, Ebersdorf, Hilbersdorf, Höfen, Hrbow, Irschings, Janowic, Jesau, Kleinwěžnic, Lukau, Mukenbrunn, Neuhof, Oberwěžnic, Petrowic, Pfaffendorf, Podeschin, Polna, Preitenhof, Raunek, Schachersdorf, Schlappens, Schrittens, Seelens, Simmersdorf, Sirakow, Skreyschow, Smilau, Steindorf, Steken, Unterwěžnic, Walddörfel, Waldhof, Weißenstein und Zaborna.[2]

Der Gerichtsbezirk Polna bildete im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen Verwaltung[3] ab 1868 gemeinsam mit dem Gerichtsbezirk Přibyslau (Přibyslav) den Bezirk Polna.[4]

1878 wurde der Gerichtsbezirk Stecken vom Gerichtsbezirk Polna abgespalten, wodurch der Gerichtsbezirk Polna große Flächen und Einwohnerzahlen verlor. Insgesamt wurden mit den Gemeinden Bergersdorf (Kamenná u Jihlavy), Dobrenz (Dobronín), Ebersdorf (Hybrálec), Deutsch-Gießhübel (Německá Vyskytná), Friedrichsdorf (Bedřichov), Hilbersdorf (Heroltice), Irschings (Jiřín), Neuhof (Nové Dvory), Petrowitz, Schlappenz (Šlapanov), Schrittens, Deutsch-Schützendorf (Střelecká), Seelenz (Ždírec), Simmersdorf, Smilau, Steindorf (Hubenov), Stecken (Štoky), Unterwěžnitz und Waldhof (Zborná) 19 Gemeinden aus dem Gerichtsbezirk Polna ausgeschieden, wodurch die überwiegend deutschsprachigen Gemeinden dem Gerichtsbezirk Stecken zufielen.[5] Per 1. April 1879 wurden die Gemeinden Rischkau, Rosička und Spinov vom Gerichtsbezirk Pribislau abgetrennt und dem Gerichtsbezirk Polna zugeschlagen.[6]

Mit der Errichtung des Bezirks Königliche Weinberge wurde der Bezirk Polna aufgelöst. Während der Gerichtsbezirk Polna der Bezirkshauptmannschaft Deutschbrod zugeschlagen wurde, gelangte der Gerichtsbezirk Přibyslau an den Bezirk Chotěboř, wobei diese Änderung per 1. Oktober 1884 rechtswirksam wurde.[7]

Im Gerichtsbezirk Polna lebten 1869 19.647 Menschen,[8] 1900 waren es 9.142 Personen.[9]

Der Gerichtsbezirk Polna wies 1910 eine Bevölkerung von 8.720 Personen auf, von denen 11 Deutsch und 8.708 Tschechisch[10] als Umgangssprache angaben. Im Gerichtsbezirk lebten zudem eine anderssprachige oder staatsfremde Person.[11]

Durch die Grenzbestimmungen des am 10. September 1919 abgeschlossenen Vertrages von Saint-Germain wurde der Gerichtsbezirk Polna zur Gänze der neugegründeten Tschechoslowakei zugeschlagen, wobei die Gerichtseinteilung bis 1938 im Wesentlichen bestehen blieb. Nach dem Münchner Abkommen bzw. dem Einmarsch deutscher Truppen wurde das Gebiet Teil des Protektorats Böhmen und Mähren.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Gebiet Teil des Okres Jihlava bzw. im Okres Žďár nad Sázavou zu denen das Gebiet des ehemaligen Gerichtsbezirks bis heute gehört. Nachdem die Bezirksbehörden im Zuge einer Verwaltungsreform 2003 ihre Verwaltungskompetenzen verloren, werden diese von den Gemeinden bzw. dem Kraj Vysočina wahrgenommen, zu dem das Gebiet um Polná seit Beginn des 21. Jahrhunderts mit anderen Bezirken zusammengefasst wurde.

Gerichtssprengel

Der Gerichtssprengel umfasste 1910 die 13 Gemeinden Brzkov (Brskau), Dobroutov (Dobrikau), Horní Věžnice (Oberwěžnitz), Hrbov (Hrbow), Janovice (Janowitz), Malá Věžnice (Kleinwěžnitz), Nížkov (Nischkau), Poděšín (Poděschin), Polná (Polna), Rosička (Rosička), Sirakov (Sirakow), Spinov (Spinnhof) und Záborná (Zaborna).

Einzelnachweise

  1. Landes-Gesetz- und Regierungs-Blatt für das Kronland Böhmen (Dritte Abtheilung des Ergänzungs-Bandes) 1849, Nr. 110: „Organisirung der Gerichte in dem Kronlande Böhmen.“
  2. Landes-Regierungs-Blatt für das Königreich Böhmen 1854, I. Abtheilung, XLVII. Stück, Nr. 277: „Verordnung der Ministerien des Inneren, der Justiz und der Finanzen vom 9. Oktober 1854, betreffen die politische und gerichtliche Organisirung des Königreichs Böhmen“
  3. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XVII. Stück, Nr. 44. „Gesetz vom 19. Mai 1868 über die Einrichtung der politischen Verwaltungsbehörden in den Königreichen ...“
  4. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XLI. Stück, Nr. 101: Verordnung vom 10. Juli 1868, die Durchführung des Gesetzes vom 19. Mai 1868 (Reichs-Gesetz-Blatt Nr. 44) in Böhmen, Dalmatien, Oesterreich unter und ob der Enns, Steiermark, Kärnthen, Bukowina, Mähren, Schlesien, Tirol und Vorarlberg, Istrien, Görz und Gradiska betreffend.
  5. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1877, XXXIII. Stück, Nr. 95: „Verordnung des Justizministeriums, betreffend den Beginn der Amtswirksamkeit des Bezirksgerichtes Stecken in Böhmen“
  6. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1878, LIV. Stück, Nr. 147: „Verordnung des Justizministeriums, betreffend die Zuweisung der Ortsgemeinden Nischkau, Rosička und Spinow zu dem Sprengel des Bezirksgerichtes Polna in Böhmen“
  7. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1884, XXXVI. Stück, Nr. 119: „Verordnung des Ministeriums des Innern, betreffend die Theilung des politischen Amtsbezirkes Karolinenthal in Böhmen, dann die Errichtung einer neuen Bezirkshauptmannschaft in der Stadt „Königliche Weinberge“ bei gleichzeitiger Auflassung der Bezirkshauptmannschaft Polna“
  8. Böhmische k. k. Statthalterei (Hrsg.): Orts-Repertorium des Königreiches Böhmen. Mit Benützung der von der k .k. statistischen Central-Commission zusammengestellten Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1869 herausgegeben. Prag 1872, S. 10
  9. C.k. místodržitelství (Hrsg.): Seznam míst v Království českém. K rozkazu c. k. místodržitelství na základě úřadních udání sestaven. Prag 1907, S. 332
  10. In der Volkszählung wurden Personen mit böhmischer, mährischer und slowakischer Umgangssprache zusammengefasst
  11. k. k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915, S. 83

Literatur

  • k. k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915 (Spezialortsrepertorien der österreichischen Länder)