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vom 03.09.2018, aktuelle Version,

Gerichtsbezirk Tepl

Ehemaliger Gerichtsbezirk Tepl
(tschechisch: soudní okres Teplá)
Basisdaten
Kronland Böhmen
Bezirk Tepl
Sitz des Gerichts Tepl (Teplá)
Vorlage:Infobox Gerichtsbezirk/Wartung/Keine Kennziffer
zuständiges Landesgericht  Eger
Fläche 178,22 km2 (1910)
Einwohner 10,123 (1910)
Aufgelöst 1919
Abgetreten an Tschechoslowakei

Der Gerichtsbezirk Tepl (tschechisch: soudní okres Teplá) war ein dem Bezirksgericht Tepl unterstehender Gerichtsbezirk im Kronland Böhmen. Er umfasste Gebiete im Westen Böhmens. Zentrum und Gerichtssitz des Gerichtsbezirks war die Stadt Tepl (Teplá). Das Gebiet gehörte seit 1918 zur neu gegründeten Tschechoslowakei und ist seit 1993 Teil der Tschechischen Republik.

Geschichte

Die ursprüngliche Patrimonialgerichtsbarkeit wurde im Kaisertum Österreich nach den Revolutionsjahren 1848/49 aufgehoben. An ihre Stelle traten die Bezirks-, Landes- und Oberlandesgerichte, die nach den Grundzügen des Justizministers geplant und deren Schaffung am 6. Juli 1849 von Kaiser Franz Joseph I. genehmigt wurde.[1] Der Gerichtsbezirk Tepl gehörte zunächst zum Kreis Eger und umfasste 1854 die 50 Katastralgemeinden Abaschin, Altsattl, Auschowitz, Besikau, Böhmisch-Borau, Branischau, Deutsch-Borau, Dobrawod, Einsiedl, Enkengrün, Habakladrau, Hohendorf, Hollewing, Hurscht, Kladerlas, Krips, Kschiha, Kuttnau, Landek, Lusading, Marienbad, Martnau, Müllestau, Neschikau, Nesnitz, Obergramling, Paßlas, Pauten, Pern, Pfaffengrün, Pistau, Pobitz, Pöken, Prochomuth, Prosau, Rankowitz, Rauchenbach, Royau, Sahrat, Schrikowitz, Stanowitz, Stift-Tepl, Tepl, Unter-Gramling, Weserau, Wilkowitz, Wischezahn, Wischkowitz, Witschin und Zeberhisch.[2] Der Gerichtsbezirk Tepl bildete im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen Verwaltung[3] ab 1868 gemeinsam mit dem Gerichtsbezirk Weseritz (Bezdružice) den Bezirk Tepla.[4] 1887 wurde die Errichtung eines zusätzlichen Gerichtsbezirkes Marienbad beschlossen. Hierzu wurden die zehn Gemeinden Abaschin, Auschowitz mit Stanowitz, Einsiedl, Kabakladrau mit Müllestau, Hohendorf, Marienbad, Pitsau mit Untergramling, Hollawing, Kcettnau mit Martnau, Rauschenbach, Royau, Witjowitz aus dem Gerichtsbezirk Tepl ausgeschieden und mit der Stadt Sangerberg aus dem Gerichtsbezirk Petschau zum Gerichtsbezirk Marienbad zusammengeschlossen.[5] Die Errichtung des Gerichtsbezirks erlange per 1. Mai 1888 seine Amtwirksamkeit.[6] Dafür wurde die Gemeinde Deutsch-Thomaschlag per 1. Jänner 1890 vom Gerichtsbezirk Plan dem Gerichtsbezirk Tepl zugewiesen.[7]

Im Gerichtsbezirk Tepl lebten 1869 16.258 Menschen in 33 Gemeinden bzw. 50 Katastralgemeinden.[8] Nach den Gebietsveränderungen des späten 19. Jahrhunderts sank die Bevölkerungszahl auf 10.227 Einwohner. Der Gerichtsbezirk umfasste im Jahr 1900 eine Fläche von 178,22 km² wobei im Gerichtsbezirk nur noch 31 Gemeinden bzw. 34 Katastralgemeinden bestanden.[9] Der Gerichtsbezirk Tepl wies 1910 eine Bevölkerung von 10.123 Personen auf, von denen 10.095 Deutsch und vier Tschechisch[10] als Umgangssprache angaben. Im Gerichtsbezirk lebten zudem 24 Anderssprachige oder Staatsfremde.[11]

Durch die Grenzbestimmungen des am 10. September 1919 abgeschlossenen Vertrages von Saint-Germain kam der Gerichtsbezirk Tepl vollständig zur neugegründeten Tschechoslowakei, wobei die Gerichtseinteilung bis 1938 im Wesentlichen bestehen blieb. Nach dem Münchner Abkommen wurde das Gebiet dem Landkreis Tepl zugeschlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Gebiet zum Okres Cheb, dessen Behörden jedoch im Zuge einer Verwaltungsreform 2003 ihre Verwaltungskompetenzen verloren. Diese werden seitdem von den Gemeinden bzw. dem Karlovarský kraj, zudem das Gebiet um Teplá seit Beginn des 21. Jahrhunderts gehört, wahrgenommen.

Gerichtssprengel

Der Gerichtssprengel umfasste Ende 1914 die 31 Gemeinden Altsattl (Staré Sedlo), Besikau (Bezděkov), Böhmisch Borau (Český Beranov), Branischau (Branišov), Deutsch Borau (Německý Beranov), Deutsch Thomaschlag (Německé Domaslavičky), Dobrawod (Dobrá Voda), Enkengrün (Jankovice), Hruschk (Hošice), Kladerlas (Kladruby), Kschiha (Cíhaná), Landek (Ostročin), Lusading (Služetín), Neschikau (Nežichov), Nesnitz (Nezdice), Pauten (Poutnov), Pern (Beroun), Pfaffegrün (Popovice), Pobitz (Babice), Pöcken (Pěkovice), Prochomuth (Prachometí), Prosau (Mrazov), Rankowitz (Rankovice), Sahrat (Zahrádka), Schrikowitz (Křepkovice), Tepl (Teplá), Tepl Stift (Teplá Klášter), Weserau (Bezěrov), Wischkowitz (Výškovice), Witschin (Vidžín) und Zeberhisch (Drěvohryzy).

Einzelnachweise

  1. Landes-Gesetz- und Regierungs-Blatt für das Kronland Böhmen (Dritte Abtheilung des Ergänzungs-Bandes) 1849, Nr. 110: „Organisirung der Gerichte in dem Kronlande Böhmen.“
  2. Landes-Regierungs-Blatt für das Königreich Böhmen 1854, I. Abtheilung, XLVII. Stück, Nr. 277: „Verordnung der Ministerien des Inneren, der Justiz und der Finanzen vom 9. Oktober 1854, betreffen die politische und gerichtliche Organisirung des Königreichs Böhmen“
  3. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XVII. Stück, Nr. 44. „Gesetz vom 19. Mai 1868 über die Einrichtung der politischen Verwaltungsbehörden in den Königreichen ...“
  4. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XLI. Stück, Nr. 101: Verordnung vom 10. Juli 1868, die Durchführung des Gesetzes vom 19. Mai 1868 (Reichs-Gesetz-Blatt Nr. 44) in Böhmen, Dalmatien, Oesterreich unter und ob der Enns, Steiermark, Kärnthen, Bukowina, Mähren, Schlesien, Tirol und Vorarlberg, Istrien, Görz und Gradiska betreffend.
  5. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1887, XXVIII. Stück, Nr. 71: „Verordnung des Justizministeriums vom 5. Juni 1887, betreffend die Errichtung des Bezirksgerichtes Marienbad in Böhmen“
  6. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1887, VI. Stück, Nr. 21: „Verordnung des Justizministeriums vom 12. Februar 1888, betreffend den Beginn der Amtswirksamkeit des Bezirksgerichtes Marienbad in Böhmen“
  7. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1889, XL. Stück, Nr. 104: „Verordnung des Justizministeriums vom 27. Juni 1889, betreffend die Zuweisung der Gemeinde Deutsch-Thomaschlag zu dem Sprengel des Bezirksgerichtes Tepl in Böhmen.“
  8. Böhmische k. k. Statthalterei (Hrsg.): Orts-Repertorium des Königreiches Böhmen. Mit Benützung der von der k .k. statistischen Central-Commission zusammengestellten Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1869 herausgegeben. Prag 1872, S. 12
  9. C.k. místodržitelství (Hrsg.): Seznam míst v Království českém. K rozkazu c. k. místodržitelství na základě úřadních udání sestaven. Prag 1907, S. 636
  10. In der Volkszählung wurden Personen mit böhmischer, mährischer und slowakischer Umgangssprache zusammengefasst
  11. k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915, S. 446

Literatur

  • k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915 (Spezialortsrepertorien der österreichischen Länder)