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vom 16.01.2017, aktuelle Version,

Gert Chesi

Gert Chesi (* 22. August 1940 in Schwaz, Tirol) ist ein österreichischer Fotograf, Autor und Journalist. Er wurde Ende der 1970er Jahre durch seinen in mehrere Sprachen übersetzten Bildband Die letzten Afrikaner bekannt. 1995 gründete Chesi in seinem Geburtsort Schwaz das Haus der Völker, ein Museum für Kunst und Ethographie, dessen Sammlung hauptsächlich aus Exponaten von Chesis Reisen durch Afrika und Asien besteht.[1]

Chesi lebt in Togo, Thailand und Österreich.

Biografie

Frühe Jahre

1959 arbeitete Gert Chesi als freier Journalist und Fotograf lokaler Zeitungen und gründete 1960 den ersten Jazzclub Westösterreichs, das „Studio 12“ in Schwaz sowie 1962 die Galerie „Eremitage Schwaz“. 1974 wurde die Eremitage zu einem Jazzclub und Kulturverein. 1961 unternahm er seine erste fünfmonatige Motorradreise nach Afrika. 1963 wurde Gert Chesi freier Mitarbeiter des ORF und veranstaltete den „Schwazer September,“ ein Musik - und Kunstfestival.

Sammler und Ethnograf

1964 verbrachte Gert Chesi acht Monate im Albert Schweitzer Spital im Urwald von Gabun. Es folgten Publikationen über Lambarene und das Schaffen von Albert Schweitzer. Diese Zeit in Afrika stellt den Beginn seiner Sammlertätigkeit und Beschäftigung mit afrikanischer Kunst dar.

Ab 1965 verfasste Gert Chesi zahlreiche Publikationen über Kunst und ethnographische Themen in überregionalen Medien und dem ORF. Zwischen 1967 und 1977 war er in ständigen Sendereihen des Senders präsent. 1969 veranstaltete er Ausstellungen afrikanischer Kunst, organisierte seine Vortragsreisen in Deutschland und der Schweiz und stellte im folgenden Jahr seine Fotografien in diversen Ausstellungen in der Deutschland, Österreich und der Schweiz aus.

Immer wieder unternahm Gert Chesi ausgedehnte Reisen nach Indien, Afrika und Südamerika. Er nahm ein Doppelalbum mit Ethnomusik auf, das unter dem Namen „Black Magic“ erschien.

1975 folgte sein erster Bildband Die letzten Afrikaner; dieser wurde in sechs Sprachen herausgegeben. In der Folge fanden mehrere Vorträge und Ausstellungen statt. Darunter war 1977 eine Ausstellung afrikanischer Kunst aus der Sammlung Chesi im „Musee des beaux Arts“ Grenoble und der Galerie Numaga Schweiz; im selben Jahr veröffentlichte Gert Chesi Texte und Bildbeiträge in Geo, Stern, Ambiente und wissenschaftlichen Zeitschriften.

1978 unternahm Gert Chesi umfangreiche Studien zum Thema Voodoo in Afrika und Haiti. Der Bildband Voodoo - Afrikas geheime Macht erschien in vier Sprachen. Nachdem 1979 Gert Chesi mehrere Studien- und Arbeitsreisen auf die Philippinen und nach Afrika machte, erschien 1980 der Band Geistheiler auf den Philippinen. Ebenso arbeitete er an der „Enzyklopädie Togolais“ im Auftrag des Staatspräsidenten mit. Weiteren Arbeitsreisen nach Afrika im Jahr 1982 folgte die Buchveröffentlichung „Die Medizin der schwarzen Götter“ sowie die Buchbeteiligungen an Afrika - Im Banne eines Kontinents, Colon - das schwarze Bild des weißen Mannes. 1983 folgte der Band Susanne Wenger - ein Leben mit den Göttern. 1984 wurde er Lehrbeauftragter an der Innsbrucker Technischen Universität und unterrichtete zehn Jahre lang Fotografie am Institut für Raumgestaltung. In diesem Jahr fand eine Ausstellung im Münchner Stadtmuseum statt und der Katalog zur „Kunst der Zauberer“ erschien im selben Jahr.

1980er

1985 reiste Chesi im Auftrag deutscher Verlage nach Bali, Togo und Thailand. Im folgenden Jahr fanden diverse Fotoausstellungen in mehreren internationalen Galerien und Museen statt. Es erschien ein SW-Katalog zu seiner Ausstellung in der Neuen Galerie der Stadt Linz. Ein weiteres Jahr später stellte er im Rahmen der burgenländischen Landesausstellung aus. Es erschien ein Farbkatalog zur Ausstellung „Theater der Übertreibungen“; ebenso publizierte Chesi in diversen Fachzeitschriften und begab sich auf weitere Studienreisen nach Indien, Ladakh, Afrika und Brasilien.

1988 erwarb das Völkerkundemuseum Frankfurt Chesi’s Ethno-Fotoarchiv aus dem Jahr 1973.

Haus der Völker

Afrika-Abteilung, Museum der Völker, Schwaz

1990 und 1991 reiste er erneut nach Afrika und baute seine Afrikasammlung aus. Weiters arbeitete er am Aufbau des „Museum der Begegnung“ in Schmieding mit. 1992 arbeitete Gert Chesi mit dem Völkerkundemuseum Rotterdam zusammen, 1993 fanden mehrere Ausstellungen mit ethnologischen Objekten in zahlreichen Museen und Galerien statt.

1994 begannen die vorbereitende Arbeiten zum Haus der Völker in Schwaz, das 1995 eröffnet wurde. Zugleich erschien das Buch Architektur und Mythos und für die Reihe Universum produzierte der ORF einen Afrika-Film mit Chesi. 1995 wurde auch sein Sohn geboren.

Seit seiner Gründung 1995 ist Gert Chesi Leiter des Museums Haus der Völker, das in den folgenden Jahren zahlreiche Sonderausstellungen zeigte. Zugleich hielt Gert Chesi diverse Vorträge zu ethnologischen Themen, weitere acht Ausstellungen wurden außerhalb des „Haus der Völker“ präsentiert. Er unternahm weitere Studienreisen nach Afrika und Asien.

Publizistische Tätigkeit

1997 wurde Gert Chesi wissenschaftlicher Berater des Museums für Völkerkunde in Hamburg und gestaltete die dortige Jahresausstellung. Ein umfassender Buchkatalog des „Haus der Völker“ erschien sowie eine verbesserte Auflage von „Die Medizin der Schwarzen Götter“. Gert Chesi bereitete ein weiteres Buch zum Thema „Trance und Besessenheitskulte in Westafrika“ vor. Er führte Studienreisen nach Togo, Thailand, Burma und Ghana durch.

1998 wurde von Gert Chesi die erste CD der Reihe „The Sound of Afrika“ (The Sound of Voodoo) produziert. Das „Haus der Völker“ beteiligte sich an den Ausstellungen „Kulte, Künstler, Könige“ im Schlossmuseum Linz und an der Ausstellung „Frauenmacht und Männerherrschaft“ im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln. Er unternahm mehrere Reisen nach China und Asien im Auftrag der deutsch-chinesischen Gesellschaft, um die Exponate für die Ausstellung „2000 Jahre Seidenstraße“ in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dr. M.Yaldiz, Direktorin des Museum für Asiatische Kunst (früher Museum für Indische Kunst)in Berlin- Dahlem auszuwählen.

1999 fanden die Vorarbeiten für das Buch Voodoo in Afrika statt. Chesi reiste nach Westafrika und bereitet die Ausstellung „2000 Jahre afrikanische Keramik“ vor. Im Auftrag der Stadt Schwaz organisierte er zwei Ausstellungen unter dem Titel „The Spirit of Silver“ anlässlich der 100-Jahr-Feier zur Stadterhebung. Nach einer schweren Herzoperation im Jahr 2000 unternahm Chesi mehrere Reisen nach Afrika und Asien.

Nach einer ausgedehnten Chinareise wurden die Vorbereitungen zur Ausstellung „Textile Kunst chinesischer Bergvölker“ abgeschlossen. Das Konzept zu „Buddha in Kunst und Mythos“ wurde umgesetzt, die Ausstellung im März eröffnet. Im selben Jahr entdeckte Gert Chesi in Afrika einige bedeutende Skulpturen der Nok und erwarb sie für das „Haus der Völker“. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Völkerkundemuseum wurde eine große Japanausstellung eröffnet.

2002 erschien sein autobiographisches Buch mit dem Titel Afrika im Herzen im Haymon-Verlag. Ein Jahr später wurde dort sein Band Voodoo in Afrika veröffentlicht.

2005 verlegte Gert Chesi seinen Hauptwohnsitz nach Togo und übergab den operativen Teil des Haus der Völker einem neu gegründeten Kulturverein. Mit Gerhard Merzeder veröffentlichte er im selben Jahr das erste deutschsprachige Magazin für außereuropäische Kunst, das A4 Magazin, das seitdem zwei Mal jährlich erscheint.

Im Jahr 2006 konzipierte der Prestel Verlag mit Merzeder und Chesi den ersten umfassenden Bildband über die Nok-Kultur. Zwei Afrika-Filmen wurden produziert. In den Jahren 2007 bis 2010 organisierte er im „Haus der Völker“ zahlreiche Ausstellungen und veröffentlichte diverse Katalogbeiträge. Ebenso setzte er sich erneut mit den afrikanischen Traditionen auseinander. 2010 erschien das Buch „Afrika – Die Magier der Erde“ im Studienverlag. 2011 erschien nach intensiven Reisen nach Thailand, Indien und Afrika sein Buch „Menschenbilder aus anderen Welten“. Eine Ausstellungsreihe mit den „Menschenbildern“ startete im Januar 2012 im Rabalderhaus in Schwaz. Im Februar 2012 wurden Gert Chesis Fotografien im Institute Francaise in Togo ausgestellt.

2013 produzierte Gert Chesi seinen ersten Dokumentarfilm.

Auszeichnungen

  • 1999 wurde das Haus der Völker mit dem Tiroler Museumspreis ausgezeichnet und bekam den Anerkennungspreis des österreichischen Bundesministerium für Kunst und Kultur verliehen.
  • 2000 erhielt Gert Chesi das Ehrenzeichen der Stadt Schwaz.
  • 2001 wurde Gert Chesi der Berufstitel Professor zuerkannt.

Werke

Artikel

  • Voodoo: Die Götter sind heimgekehrt. In: Geo-Magazin. Hamburg 1980,2, S.92-108. Informativer Erlebnisbericht. ISSN 0342-8311

Dokumentarfilme

  • Buddha in schlechter Gesellschaft 2016.
  • Chinatown - Bangkok 2016.
  • Das Voodoo Tagebuch 2015.
  • Königsstädte Asiens - Laos/Vietnam/Kambodscha 2015.
  • Buddhas unfolgsame Kinder - Teil 3 2015.
  • Königsstädte Asiens - Laos, Vietnam, Kambodscha 2015.
  • Die Medizin der schwarzen Götter - Magie und Heilkunst Afrikas Teil 2 2015.
  • Die Medizin der schwarzen Götter - Magie und Heilkunst Afrikas Teil 1 2015
  • Äthiopien - Eine Zeitreise 2015
  • Burma - Buddhas Erben 2015
  • Tanzende Schatten - Puppentheater in Thailand 2015
  • Buddhas Glanz und Elend 2015
  • Das Lied der Strasse - Teil 2 2015
  • Künstlerporträts Afrika 2014
  • Buddhas unfolgsame Kinder - Teil 2 2014
  • Das Lied der Strasse - Teil 1 2014
  • Alice Mettler - Mein Leben in Afrika 2014
  • Leben und Tod auf Bali 2014
  • Miao - Ein Volk im Wandel 2014
  • Made in Africa 2014
  • Buddhas unfolgsame Kinder Teil 1 2014
  • Voodoo – Magier der Erde 2013
  • Togo im Tanz 2013
  • Maskenkulte in Kerala/Indien 2013
  • Die Geschichte der Ning 2013

Einzelnachweise

  1. Website des Museums der Völker