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vom 09.06.2017, aktuelle Version,

Gertrud Bodenwieser

Gertrud Bodenwieser (* 3. Februar 1890 in Wien; † 10. November 1959 in Sydney[1]) war Tänzerin, Choreografin, Tanzlehrerin und Wegbereiterin des Ausdruckstanzes.

Leben

Bodenwiesers Schülerinnen tanzen Walzer, 1953

Die Tochter von Theodor und Maria Bondi, einem wohlhabenden jüdischen Ehepaar, wandte sich dem Tanz zu und wählte den Künstlernamen Gertrud Bodenwieser, unter dem sie in Wien aufsehenerregende Erfolge als Tänzerin feierte. Bodenwieser wurde von 1905 bis 1910 durch Carl Godlewski in klassischem Ballett unterrichtet. Aufbauend auf diesem entwickelte sie ab 1910 einen neuen Tanzstil. Sie wurde von den Werken von Isadora Duncan und Ruth St. Denis inspiriert. 1917 nahm sie den Nachnamen Bodenwieser an und hatte am 5. Mai 1919 im Wiener Konzerthaus ihren ersten Auftritt. Ihr Tanzstil stieß bei Publikum, Kritik und jungen Schülerinnen auf Begeisterung. Einer ihrer größten Erfolge wurde „Dämon Maschine“, eine Tanzperformance, in der sich eine Gruppe von Tänzerinnen in Maschinen verwandelte.[1]

In Wien unterrichtete sie von 1920 bis 1928 auf Vertragsbasis und von 1928 bis 1938 als Professorin für Tanz an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst.[1] Im Keller des Konzerthauses führte sie ein eigenes Tanzstudio. Ihre Schülerinnen schickte sie als „Bodenwieser Tanzgruppe“ auf Tourneen durch ganz Europa. Ihr Tanz „Die Masken Luzifers“ zeigt Intrige, Terror und Hass als Personifikationen des politischen Totalitarismus und wurde als Verkörperung des unheilvollen Zeitgeist berühmt.

Mai 1938 floh Gertrud Bodenwieser aus Österreich und schloss sich einer Handvoll Schülerinnen in Kolumbien an, wo sie im Rahmen der 400-Jahr-Feiern von Bogotá ein Gastspiel gaben. Die Emigration führte Gertrud Bodenwieser weiter nach Australien. In Sydney unterrichtete sie schließlich Tanz.[1] Ihr Unterricht brachte einige der wichtigsten Choreografen und Tänzer Australiens hervor, darunter Anita Ardell, Keith Bain und Margaret Chapple.

Bodenwieser war ab 1920 mit dem Wiener Regisseur und Dramaturgen Friedrich Rosenthal verheiratet, der 1942 im KZ Auschwitz vom NS-Regime ermordet wurde.[2]

Im Jahr 2016 wurde in Wien Donaustadt (Seestadt Aspern) die Gertrud-Bodenwieser-Gasse nach ihr benannt.

Literatur

  • Cuckson, Marie: Gertrud Bodenwieser. Her Contribution to the Art of the Dance. Vaucluse, NSW 1960.
  • Dunlop MacTavish, Shona: An Ecstasy of Purpose. The Life and Art of Gertrud Bodenwieser. Dunedin, N.Z. 1987.
  • Grayburn, Patricia (ed.): Gertrud Bodenwieser, 1890-1959. A celebratory monograph on the 100th anniversary of her birth, with a catalogue of the exhibition shown at the University of Surrey (...) and the Royal Festival Hall (...). Surrey 1990.
  • Dunlop MacTavish, Shona: Gertrud Bodenwieser. Tänzerin, Choreographin, Pädagogin. Wien - Sydney. (Gekürzte Ausgabe, aus dem Englischen übersetzt von Gabriele Haefs, hrsg.v. Denny Hirschbach). Zeichen und Spuren, Bremen 1992. ISBN 3-924588-21-X.
  • Vernon-Warren, Bettina and Charles Warren (ed.): Gertrud Bodenwieser and Vienna's Contribution to Ausdruckstanz. Harwood Academic Publishers, Amsterdam u.a. 1999. ISBN 90-5755-035-0.
  • Amort, Andrea: Free Dance in Interwar Vienna. In: Interwar Vienna. Culture between Tradition and Modernity. Eds. Deborah Holmes and Lisa Silverman. New York, Camden House, 2009, p. 117-142. ISBN 978-1-57113-420-2
  • H. Reitterer, Marie Cuckson: Gertrud Bodenwieser. In: Douglas Pike (Hrsg.): Australian Dictionary of Biography. Melbourne University Press, Carlton, Victoria 1966 ff. (englisch)

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Australian Dictionary of Biography - Gertrud Bodenwieser. Abgerufen am 26. Januar 2016.
  2. aeiou (Österreich Lexikon): Friedrich Rosenthal. Abgerufen am 3. Januar 2016.