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vom 02.10.2019, aktuelle Version,

Grafschaft Vaduz

Schloss Vaduz
Pfarrkirche St. Nikolaus und Burg Gutenberg in Balzers Grafschaft Vaduz

Die Grafschaft Vaduz war ein Territorium im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das heute im Fürstentum Liechtenstein liegt und etwa dem heutigen Wahlkreis Oberland für Wahlen zum Landtag entspricht.

Geschichte

Die Grafschaft Vaduz entstand 1342 durch Erbteilung als Teil der Grafschaft Werdenberg.[1] Als erster Graf gilt Hartmann III. von Werdenberg-Sargans.[2][3] Der Grafschaft wurde 1396 die Reichsunmittelbarkeit gewährt, nachdem vier Jahre zuvor die Ansprüche der Grafen zu Werdenberg geendet hatten. Die gräfliche Linie von Vaduz starb 1416 aus und die Freiherren von Brandis übernahmen die Herrschaft.

Ab 1507 beherrschten die Grafen von Sulz Vaduz sowie die nördlich davon gelegene Herrschaft Schellenberg. Sie verkauften 1613 beide an die Grafen von Hohenems. Wegen der jahrelangen exzessiven Hexenverfolgungen und der widerrechtlichen Aneignung des Vermögens der Hingerichteten wurde am 12. Mai 1681 gegen den regierenden Grafen Ferdinand Karl von Hohenems (1650–1686) die Reichsexekution eingeleitet und der Kemptener Fürstabt Rupert mit ihrer Durchführung beauftragt.[4] Der Graf wurde 1683 auf kaiserlichen Befehl verhaftet,[5] verlor durch Verfügung des Reichshofrates vom 22. Juni 1684 die Herrschergewalt und wurde gleichzeitig zur Rückgabe des konfiszierten Eigentums an die Hinterbliebenen verpflichtet.[6] Da das hochverschuldete Grafenhaus hierzu nicht in der Lage war, kam es unter Ferdinand Karls Nachfolger, seinem Bruder Jakob Hannibal (1653–1730), erneut zur Zwangsverwaltung, mit der 1692 wiederum der Kemptener Fürstabt beauftragt wurde. Nachdem die Hinterbliebenen und andere Gläubiger zum vertraglichen Verzicht auf die Hälfte ihrer Ansprüche gedrängt worden waren,[7] wurde unter seiner Regie 1699 die Herrschaft Schellenberg für 115.000[8] Gulden und nach langwierigen Verhandlungen 1712 auch die Grafschaft Vaduz für 290.000 Gulden[9] an Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein verkauft. Die wohlhabenden und einflussreichen Fürsten von Liechtenstein waren schon seit langem auf der Suche nach einem reichsunmittelbaren Territorium gewesen, um die Voraussetzung für die Erhebung in den Reichsfürstenstand zu schaffen.[10] Dieses Ziel erreichten sie, als Kaiser Karl VI. die beiden Territorien 1719 zum Fürstentum Liechtenstein erhob.

Literatur

  • Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Chur 1847, DNB 941604934.
  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Beck, München 1992, ISBN 3-406-35865-9, S. 646.

Einzelnachweise

  1. Liechtensteiner Landesbibliothek, Roger Sablonier Der Werdenberger Teilungsvertrag von 1342
  2. Landesarchiv Amt für Kultur Fürstentum Liechtenstein
  3. Karl Heinz Burmeister: Werdenberg (-Sargans-Vaduz), Hartmann III. (I.) von. In: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. 31. Dezember 2011, abgerufen am 19. Mai 2019.
  4. Bernd Marquard: 122 Hexenprozesse, die oberste Reichsgerichtsbarkeit und eine Grafenabsetzung. Die reichsunmittelbare Grafschaft Vaduz wegen Missbrauchs der Herrschaftsgewalt vor dem Reichshofrat(1678–1712). In: Andreas Bauer und Karl H. L. Welker (Hrsg.): Europa und seine Regionen. 2000 Jahre Rechtsgeschichte. Böhlau, Köln 2007, ISBN 978-3-412-13804-2, S. 377 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)..
  5. Otto Seger: Der letzte Akt im Drama der Hexenprozesse in der Grafschaft Vaduz und Herrschaft Schellenberg. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein. Band 57. Vaduz 1957, S. 165 (PDF-Dokument; 2,55 MB (Memento vom 18. Mai 2013 im Internet Archive)).
  6. Seger: Der letzte Akt im Drama der Hexenprozesse. 1957, S. 164.
  7. Otto Seger: Rupert von Bodman, Fürstabt von Kempten, in seinem Wirken für unser Land. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein. Band 78. Vaduz 1978, S. 195 (eliechtensteinensia.li [abgerufen am 13. Juli 2019]).
  8. Seger: Rupert von Bodman. 1978, S. 197.
  9. Seger: Rupert von Bodman. 1978, S. 200.
  10. Seger: Rupert von Bodman. 1978, S. 198.