unbekannter Gast
vom 26.04.2016, aktuelle Version,

Guido Kaschnitz von Weinberg

Guido Freiherr Kaschnitz von Weinberg (* 28. Juni 1890 in Wien; † 1. September 1958 in Frankfurt am Main) war ein österreichischer Klassischer Archäologe.

Grab von Guido und Marie Luise Kaschnitz in Bollschweil

Der Sohn von August Kaschnitz von Weinberg, eines Sektionschefs im österreichischen Ministerium für Landesverteidigung, legte 1908 die Reifeprüfung ab und studierte an der Universität Wien Klassische Archäologie und Kunstgeschichte. Er wirkte an Ausgrabungen in Dalmatien und an wissenschaftlichen Führungen in Griechenland, Nordafrika und Ägypten mit. 1913 wurde er mit der Arbeit Griechische Vasenmalerei der klassischen Zeit bei Emil Reisch promoviert. 1914 nahm er an Ausgrabungen im Kerameikos teil. Im Ersten Weltkrieg diente er als österreichischer Offizier. Ab 1918 lebte er als Verlagslektor in München, von 1923 bis 1931 in Rom, wo er für das Deutsche Archäologische Institut und die Vatikanischen Museen tätig war.

1932 habilitierte sich Kaschnitz von Weinberg in Freiburg im Breisgau bei Hans Dragendorff mit der Arbeit Die Struktur der griechischen Plastik und trat noch im gleichen Jahr als ordentlicher Professor die Nachfolge von Bernhard Schweitzer an der Universität Königsberg an. 1937 wechselte er an die Universität Marburg, 1940 ging er an die Universität Frankfurt. Von 1953 bis 1956 war er 1. Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Zum 30. August 1955 wurde er in Frankfurt emeritiert.

Sein besonderes Interesse galt der Entwicklung der mittelmeerischen, vor allem der griechischen und römischen Kunst im Altertum. Er war einer der Begründer der Strukturforschung.

Seit 1925 war er mit der deutschen Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz verheiratet. Gemeinsam mit ihr liegt er auf dem Friedhof von Bollschweil begraben.

Schriften (Auswahl)

  • Römische Porträts (= Bibliothek der Kunstgeschichte. Bd. 80). E. A. Seemann, Leipzig 1924.
  • Die Grundlagen der antiken Kunst. 2 Bände. Klostermann, Frankfurt am Main 1944–1961;
    • Bd. 1: Die mittelmeerischen Grundlagen der antiken Kunst. 1944.
    • Bd. 2: Die eurasischen Grundlagen der antiken Kunst. 1961.
  • Römische Kunst. Herausgegeben von Helga von Heintze. 4 Bände. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1961–1963.
    • Bd. 1: Das Schöpferische in der römischen Kunst (= Rowohlts deutsche Enzyklopädie. Bd. 134, ZDB-ID 985674-2). 1961.
    • Bd. 2: Zwischen Republik und Kaiserzeit (= Rowohlts deutsche Enzyklopädie. Bd. 137). 1961;
    • Bd. 3: Die Grundlagen der republikanischen Baukunst (= Rowohlts deutsche Enzyklopädie. Bd. 150). 1962.
    • Bd. 4: Die Baukunst im Kaiserreich (= Rowohlts deutsche Enzyklopädie. Bd. 165). 1963.
  • Ausgewählte Schriften. 3 Bände. Mann, Berlin 1965.
    • Bd. 1: Kleine Schriften zur Struktur. Herausgegeben von Helga von Heintze. Mit einem Vorwort von Harald Keller und einer Biographie des Verfassers von Marie Luise Kaschnitz.
    • Bd. 2: Römische Bildnisse. Herausgegeben von Gerhard Kleiner und Helga von Heintze.
    • Bd. 3: Mittelmeerische Kunst. Eine Darstellung ihrer Strukturen. Aus dem Nachlass herausgegeben von Peter H. von Blanckenhagen und Helga von Heintze.

Literatur