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vom 30.08.2016, aktuelle Version,

Hans Thimig

Hans Emil Thimig (* 23. Juli 1900 in Wien; † 17. Februar 1991 in Wien) war ein österreichischer Schauspieler und Regisseur.

Leben

Das jüngste Kind des Burgschauspielers Hugo Thimig und seiner Ehefrau Franziska (laut Grabstein: Fanny; geb. Hummel; 1867–1944) spielte ohne jede Ausbildung als Sechzehnjähriger unter dem Pseudonym Hans Werner am Wiener Volkstheater. Seine um elf bzw. zehn Jahre älteren Geschwister Helene Thimig und Hermann Thimig waren ebenfalls Schauspieler; Helene verwendete zeitweise das Pseudonym Helene Werner.

Von 1918 bis 1924 war er unter seinem richtigen Namen am Burgtheater engagiert und ging dann ans Theater in der Josefstadt, das sein späterer Schwager Max Reinhardt leitete. Dort spielten neben seinem Vater auch bereits seine Geschwister Helene und Hermann, so dass das Theater beim Wiener Publikum damals nur „Thimig-Theater“ genannt wurde. Bald begann er auch Regie zu führen, zunächst am Theater in der Josefstadt, später auch beim Film.

Dem Theater in der Josefstadt blieb Hans Thimig bis 1942 treu. Ihm ist es zu verdanken, dass das Haus die Zeit des Nationalsozialismus relativ „nazirein“ überstand (Propagandaminister Joseph Goebbels: „Ein KZ auf Urlaub“); Hans Thimig gelang es, dass der Direktor des Deutschen Theaters in Berlin, Heinz Hilpert, diese Intendanz zusätzlich übernahm (auch Reinhardt hatte die beiden Häuser gleichzeitig geführt). Als Max Reinhardt 1943 im amerikanischen Exil starb, organisierte Hilpert mit den Brüdern Thimig trotz der Naziherrschaft im Theater in der Josefstadt eine Trauerfeier.

Ende 1944 forderte man Hans Thimig auf, in Berlin einen tendenziösen Film zu drehen. Wien-Film-Produktionsleiter Karl Hartl riet Thimig jedoch, „einfach abzuhauen“, was er dann auch tat. Er zog sich nach Wildalpen in der Steiermark zurück, wo Familie Thimig ein Sommerhaus besaß, und wurde von Karl Hartl gedeckt, der ihn krank meldete. Nach dem Krieg wurde Hans Thimig für kurze Zeit Bürgermeister von Wildalpen, da er der einzige Mann im Ort ohne nationalsozialistische Vergangenheit war.

Er spielte ab 1949 weiter am Burgtheater (dessen Ehrenmitglied er wurde), an der Josefstadt und am Wiener Volkstheater. Er arbeitete auch wieder als Filmregisseur und übernahm 1959 von seiner Schwester Helene (die sich aus Altersgründen zurückzog) die Leitung des renommierten Wiener Max-Reinhardt-Seminars. Die Abteilung für Schauspiel der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien war zu Ehren des großen österreichischen Regisseurs nach dem Zweiten Weltkrieg umbenannt worden.

1952–1960 trat Thimig in der sehr beliebten „Radiofamilie“, an der anfangs auch Ingeborg Bachmann mitarbeitete, akustisch als Familienvater Hans Floriani auf; seine Ehefrau Vilma spielte seine Schwägerin Vilma Degischer.

Er war zweimal verheiratet; seine 1947 geborene Tochter Henriette Thimig ist ebenfalls Schauspielerin.

Hans Thimig starb 1991 im Alter von 90 Jahren in Wien. Er überließ seinen Körper dem Anatomischen Institut der Universität Wien zu wissenschaftlichen Zwecken. Den Toten, die ihren Körper in dieser Form gewidmet haben, sind Gedenkstätten im Wiener Zentralfriedhof gewidmet (hier: Neue Anatomiegräber, Gruppe 26).

Literatur

  • Hans Thimig: Neugierig wie ich bin. Erinnerungen. Amalthea, Wien u. a. 1983, ISBN 3-85002-182-3.
  • Arthur Kahane: Die Thimigs. Theater als Schicksal einer Familie. Erich Weibezahl, Leipzig 1930.
  • Franz Hadamowsky (Hrsg.): Hugo Thimig erzählt von seinem Leben und dem Theater seiner Zeit. Briefe und Tagebuchnotizen. Böhlau, Graz u. a. 1962.
  • Gwendolyn von Ambesser: Die Ratten betreten das sinkende Schiff. Das absurde Leben des Schauspielers Leo Reuss. Edition AV, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-936049-47-5.

Filmografie

Stummfilme:

  • 1921: Kleider machen Leute
  • 1921/22: Der Taugenichts
  • 1922: Der Ausflug in die Seligkeit
  • 1922: Märchen aus Alt-Wien
  • 1924: Die Sklavenkönigin
  • 1924: Der Fluch
  • 1925: Liebesgeschichten
  • 1927: Die Kirschen in Nachbars Garten /Die Strecke
  • 1928: Eine Frau von Format
  • 1928: Dorine und der Zufall
  • 1929: Die weiße Nacht
  • 1930: Was kostet die Liebe?

Tonfilme:

Auszeichnungen