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vom 06.01.2017, aktuelle Version,

Heiltumstuhl

Der Heiltumstuhl im Jahr 1502
Stephansplatz, 1609. Rechts unten im Bild der Heiltumstuhl (Nr. 54)

Der Heiltumstuhl war ein von 1483 bis 1485 in Wien am Rande des Stephansplatzes errichtetes Gebäude für die Reliquien und Kirchenschätze, das 1699 als Verkehrshindernis abgetragen wurde[1].

Geschichte

Im Hochmittelalter wurde der Stephansplatz im Westen von einer einstöckigen Häuserzeile begrenzt, die zwischen dem heutigen Stock-im-Eisen-Platz und der Rotenturmstraße verlief. Teil des Baukomplexes waren das Zinnentor von 1466 zwischen der damaligen Kantorei und dem Kirchenschließerhaus und das ebenfalls 1466 errichtete Mesnertor an der heutigen Ecke Stephansplatz und Rotenturmstraße.

Quer zu dieser Häuserzeile stand der Heiltumstuhl, der unter dem Kirchenbaumeister Niklas Teschler als Ort der Reliquienverehrung errichtet wurde. Er bestand aus einem Bogen mit loggienartigem Obergeschoß, das aus einer rechteckigen Halle mit 22 (?) Spitzbogenfenstern bestand, je acht an den Längsseiten und je drei an den Schmalseiten. Die Reliquien von St. Stephan wurden ab 1486 an jedem ersten Sonntag nach Ostern, dem so genannten Weißen Sonntag, vom Heiltumstuhl aus dem Volk gezeigt ("gewiesen"). Dies geschah auch bei besonderen Festen, wie Hochzeiten des Herrscherhauses. Aus den Fenstern wurden kostbare Stoffe gehängt, auf der Straße, die vom Heiltumstuhl überspannt wurde, Bänke aufgestellt und der Domschatz aus der Reliquienschatzkammer in einer Prozession zum Heiltumstuhl gebracht. Es gab in vielen großen Städten des Regnum Teutonicum (Königreich der Deutschen) Heiltumsweisungen (Aachen, Regensburg und viele andere), aber nur in Wien (vielleicht auch in Prag) gab es einen gemauerten Heiltumstuhl. Anderswo wurden sie aus Holz gebaut, geschmückt und nach dem Ende der Heiltumsweisung wieder abgebaut. Beim Bau der U-Bahn-Linie U1 fand man die Fundamente des Heiltumstuhls.

Mit der Reformation (ab 1517, Wien war damals zu 60–70 % protestantisch) und den Türkenkriegen wurde vieles, was aus Gold und wertvoll war, in Waffen investiert, was auch die Reliquiarien betraf; das Interesse an Heiltumsweisungen erlosch. Das Gebäude wurde allmählich zum Verkehrshindernis und ca. 1699 abgetragen. Obwohl es 200 Jahre etwa dort stand, wo sich heute die Apotheke auf dem Stephansplatz befindet, ist es kaum bekannt und wird weder im Wien-Museum noch im Dom-Museum in Ausstellungen erwähnt.[2]

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Einzelnachweise

  1. ABC_zur_Volkskunde abgerufen am 16. Juni 2011
  2. Liselotte Beran: Heiltumstühle im Spätmittelalter im Regnum Teutonicum. Diplomarbeit, Universität Wien 2011.