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vom 01.05.2017, aktuelle Version,

Helene Richter

Helene Richter (geboren 4. August 1861 in Wien, Kaisertum Österreich; gestorben wahrscheinlich 8. November 1942 im Ghetto Theresienstadt) war eine österreichische Anglistin und Kritikerin.

Leben

Die Tochter eines Arztes bildete sich als Autodidaktin und begann 1886 mit Shelley-Studien. Sie widmete sich später umfangreichen biographischen und literarisch-kritischen Werken über Shelley, „Mary Wollstonecraft, die Verfechterin der Rechte der Frau“, „William Blake“ und „Lord Byron“. Sie schrieb auch ein dreibändiges Werk „Geschichte der englischen Romantik“. Mit Büchern wie „Unser Burgtheater“, „Schauspielercharakteristiken“, „Joseph Lewinsky, 50 Jahre Wiener Kunst und Kultur“ schrieb sie über das Wiener Burgtheater. Aufgrund ihrer Leistungen wurde sie 1931 Dr. h. c. der Universitäten Heidelberg und Erlangen. Helene Richter lebte mit ihrer Schwester, der Romanistin Elise Richter zusammen. Gemeinsam mit ihrer Schwester musste sie 1942 in ein jüdisches Altersheim ziehen und beide wurden von dort in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie wahrscheinlich am 8. November 1942 starb.

Ehrungen

Im Jahr 2008 wurde die Helene-Richter-Gasse in Wien-Floridsdorf nach ihr (statt zuvor nach Margret Dietrich) benannt. Der Deutsche Anglistenverband vergibt einen Helene-Richter-Preis für „eine Dissertation, Habilitation oder vergleichbar niveauvolle wissenschaftliche Arbeit […], die sich durch Intensität der geleisteten Forschungsarbeit, Klarheit in Aufbau und Argumentation, Bedeutung der Ergebnisse, große Textnähe und gewandte sprachliche Darstellung auszeichnet“.[1]

Richter-Bibliothek

1942 gelangte die Bibliothek der beiden Schwestern von etwa 3.000 Bänden unter dem politischen Druck der NS-Zeit an die Universität zu Köln. Nachdem dort der Schriftwechsel zur Bibliothek im Archiv gefunden wurde, wird seit 2005 im Rahmen der NS-Provenienzforschung die Bibliothek rekonstruiert, publiziert und – wenn möglich – an Erben restituiert. Zudem soll ein kleiner Platz zwischen USB und Philosophikum nach den Richterschwestern benannt werden.[2]

Literatur

  • Christiane Hoffrath: Bücherspuren - Das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im Dritten Reich. Böhlau, Wien 2009.
  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 18, de Gruyter, Berlin 2010, S. 236–241.
  Wikisource: Helene Richter  – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Stiftung Helene Richter beim Deutschen Anglistenverband (anglistenverband.de); abgerufen am 11. November 2014.
  2. Christine Haffmans: Wiedergutmachung durch Erinnerung, Opfer und Nutznießer: Die Rekonstruktion der Richter-Bibliothek in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. In: Mit Uns. (Mitarbeiterzeitschrift Uni-Köln), Juni 09, S. 20f + Ende 09 Teil II Notverkauf nach Köln. S. 22f. Siehe auch uni-koeln.de pdf S. 22-25