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vom 14.04.2018, aktuelle Version,

Herzogskolleg

Buchmalerei um 1400. Links: Herzog Albrecht III. übergibt das Herzogskolleg der Universität. Rechts: Eine theologische Vorlesung

Das Herzogskolleg (lateinisch Collegium ducale) in Wien wurde 1384 von Herzog Albrecht III. gegründet, dann umgebaut und im Jahr darauf eröffnet. Der Begriff „Herzogskolleg“ bezieht sich sowohl auf das Gebäude als auch auf den damit verbundenen universitären Betrieb. Das Gebäude war ein wichtiger Teil der Universität Wien, zwischen 1625 und 1650 wurde an seiner Stelle die bis heute erhaltene Alte Universität errichtet.

Universitätsgebäude

Rechts das Jesuitenkloster, das sich seit 1650 an der Stelle des Herzogskollegs befindet, Gemälde von Bernardo Bellotto, um 1760

Die Universität Wien wurde 1365 von Herzog Rudolf IV. (mit dem Beinamen „der Stifter“) gegründet. Anfangs fanden die Vorlesungen in der Bürgerschule zu St. Stephan statt. Zu einer wesentlichen Stärkung und Erweiterung kam es 1384: Rudolfs Bruder, Herzog Albrecht III., berief Professoren von der renommierten Pariser Universität, wo das durch konkurrierende Päpste verursachte Schisma zu Parteiungen innerhalb der Professorenschaft geführt hatte. Albrecht erreichte die päpstliche Erlaubnis zur Gründung einer theologischen Fakultät, und er gab der Universität ihren ersten eigenen Gebäudekomplex, das Herzogskolleg. Dieses lag an der heutigen Adresse Postgasse 7-9, gegenüber dem Dominikanerkloster.

Die Gründungsurkunde ist 1384 ausgestellt. Es folgte ein Umbau und schließlich die Eröffnung 1385. Die historische Fachliteratur ist bei der Angabe des Beginns des Herzogskollegs nicht einheitlich, sondern nennt entweder die eine oder die andere Jahreszahl.[1] Das Herzogskolleg bestand aus drei dreigeschossigen Häusern mit zwei Höfen und einem Turm, der zur Himmelsbeobachtung verwendet wurde. Im ersten Stock gab es für festliche Universitätsakte eine Aula. Für die Artistenfakultät gab es drei Hörsäle, für die Mediziner und die Theologen je einen Hörsaal.[2]

Eine Miniatur in einer um 1400 angefertigte Abschrift der spätmittelhochdeutschen Übersetzung des lateinischen Werkes Rationale divinorum officiorum von Guilelmus Durandus von Mende stellt das ursprüngliche Herzogskolleg dar (siehe Bild).[3]

Die Universität erhielt in der Folge weitere Gebäude: die Juristenschule (Collegium iuristarum, 1385) sowie das Haus der Ärzte (1419). Wegen des steigenden Raumbedarfs wurde das Herzogskolleg 1423–1425 um einen Neubau erweitert, die Neue Schul (Nova structura in der Bäckerstraße 13). Hier gab es eine Aula, eine Bibliothek, Speisesäle sowie Hörsäle für alle Fakultäten. Um das Herzogskolleg entstanden Studentenhäuser (Bursen). Die zahlreichen universitären Gebäude im Wiener Stubenviertel machten dieses zum „Universitätsviertel“.

An der Stelle des mittelalterlichen Herzogskollegs und mehrerer anderer Häuser entstanden im 17. Jahrhundert frühbarocke, noch erhaltene Gebäude, heute als Alte Universität bezeichnet.

Die Lehrer am Herzogskolleg

Im Herzogskolleg wurden nicht nur Vorlesungen gehalten, dort wohnten auch vierzehn unverheiratete, fest besoldete Lehrer, zwei Doktoren der Theologie und zwölf Magister der Artistenfakultät. Diese Magister unterrichteten zwar an der Artistenfakultät, waren aber gleichzeitig auch Studenten der Theologie.[4] Der Zölibat erinnert an die klerikalen Wurzeln der Universität: Bis 1537 waren die besoldeten Artistenmagister zur Ehelosigkeit verpflichtet, ebenso der Universitäts-Rektor bis 1534.[5]

Ein Prior stand an der Spitze dieser Gemeinschaft. Die Artistenmagister waren keine Fachlektoren; die Themen der Vorlesungen des jeweils kommenden Semesters wurden ihnen im Rahmen der „Bücherverteilung“ zugelost, ebenso wie den anderen Magistern, die durch Hörergelder bezahlt wurden.

Das Herzogskolleg stand in der Tradition der Scholastik. Das 1501 gegründete humanistische Poetenkolleg war eine Konkurrenz dazu.

Literatur

  • Günther Hamann, Kurt Mühlberger, Franz Skacel (Hrsg.): Das alte Universitätsviertel in Wien, 1385–1985 (= Schriften des Archivs der Universität Wien; 2). Wien 1985.
  • Kurt Mühlberger: Wiener Studentenbursen und Kodreien im Wandel vom 15. zum 16. Jahrhundert. In: Kurt Mühlberger, Thomas Maisel (Hrsg.): Aspekte der Bildungs- und Universitätsgeschichte. 16. bis 19. Jahrhundert (Schriften des Archivs der Universität Wien; 7). Wien 1993, S. 129–190.
  • Kurt Mühlberger: Die Universität Wien. Kurze Blicke auf eine lange Geschichte. Wien 1996.
  • Paul Uiblein: Die Universität Wien im Mittelalter. Beiträge und Forschungen (Schriften des Archivs der Universität Wien; 11), hrsg. von Kurt Mühlberger, Karl Kadletz. Wien 1999.

Einzelnachweise

  1. 1385 gibt Uiblein: Universität Wien, 1999, S. 81, für den Kauf des Gebäudes in der Schönlaterngasse vom Stift Lilienfeld an.
  2. Mühlberger: Universität Wien, 1996, S. 14.
  3. Beschreibung des Inhalts der Rationale …, der auf CD-ROM zugänglich ist. (Memento des Originals vom 15. Juni 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/hollinek.at
  4. Zu den Lehrern siehe Mühlberger: Studentenbursen, 1993, S. 139–150: Burse oder Kolleg?.
  5. Franz Graf-Stuhlhofer: Humanismus zwischen Hof und Universität. Georg Tannstetter (Collimitius) und sein wissenschaftliches Umfeld im Wien des frühen 16. Jahrhunderts (= Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien; 8). Wien 1996, S. 41 f. Dort auch weitere Literatur zum Herzogskolleg.