unbekannter Gast
vom 26.11.2016, aktuelle Version,

Intercitybus

ÖBB-Intercitybus vor dem Hauptbahnhof Graz

Der Intercitybus (in Fahrplänen als ICB abgekürzt) ist eine Reisekategorie der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Der Linienverkehr wurde am 1. Oktober 2007 erstmals in der Relation zwischen Graz und Klagenfurt eingeführt, und mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2008 kam eine weitere Verbindung zwischen Klagenfurt und Venedig dazu. Obwohl es sich um Autobuslinien handelt, stehen sie im Österreichischen Eisenbahn-Kursbuch, und es gilt für sie der Eisenbahntarif der ÖBB.

Linien

Graz – Klagenfurt

Die erste Intercitybuslinie der ÖBB verkehrt zwischen Graz Hauptbahnhof und Klagenfurt Hauptbahnhof siebenmal täglich im zweistündigen Taktverkehr und macht beim Bahnhof Wolfsberg einen Zwischenhalt.

Die Einführung erfolgte, weil zwischen den Landeshauptstädten der Steiermark und Kärntens keine direkte Eisenbahnverbindung besteht; diese wird erst mit der Fertigstellung der Koralmbahn im Jahr 2022 gegeben sein. Damit mussten Eisenbahnfahrgäste bisher einen weiten Umweg machen und in Bruck an der Mur umsteigen. Die kürzest mögliche Reisedauer für die 228 km beträgt 2:48 Stunden.

Der Intercitybus benötigt für die 141 km lange Strecke, die über die Süd Autobahn (A2) führt, genau zwei Stunden. Die Fahrpläne der Busse sind mit den Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Züge abgestimmt. Um die Umsteigwege so kurz wie möglich zu gestalten, halten die Busse in unmittelbarer Nähe der Bahnhofshalle. Ein eigenes Leitsystem unterstützt dabei den Weg zur Abfahrtsstelle.

Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie bestand übrigens zwischen Graz und Klagenfurt eine weitere, circa 192,5 km lange Verbindung über Marburg an der Drau über das Netz der Südbahngesellschaft. Mit dem Verlust der Untersteiermark an Jugoslawien, durch den Friedensvertrag von Saint-Germain, wurde diese Reisemöglichkeit jedoch unterbrochen.

Klagenfurt – Villach – Udine – Venedig

Die italienischen Staatsbahnen zogen sich mit der Einstellung zweier Zugpaare im Jahr 2008 und 2009 vorerst vom internationalen Fernverkehr über Tarvisio an der Pontebbana-Eisenbahnstrecke zurück. Der Fernverkehr über diese Strecke hat für die österreichische Südbahn allerdings große Bedeutung. Im Gegensatz zur Nachtreisezugverbindung dieser und einer anderen Strecke nach Italien haben sich die ÖBB jedoch gegen den Betrieb der Zugverbindung mit eigenen Mitteln entschieden.[1] Stattdessen wurde die mit zwei täglichen Verbindungen bestehende Intercitybuslinie am 13. Dezember 2009 ganzjährig um zwei weitere Verbindungen verstärkt, während der Sommermonate kommt noch eine dazu, dann sind es insgesamt 5. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 wurde wieder ein Zugpaar von Wien-Meidling bis Venedig, seit 2014 wird der Zug vom neu eröffneten Wiener Hauptbahnhof bis Venedig geführt. [2] Der Nachtzug von Wien über Salzburg nach Venedig verkehrt weiterhin.

Die Busse fahren im Intervall von 2 bis 4 Stunden von Klagenfurt über Villach, wo ein möglichst direktes Umsteigen aus den Intercityzügen der Südbahn erreicht werden soll, von dort verläuft die Route über Udine zur Endhaltestelle des People Mover auf der Insel Tronchetto in Venedig und zurück.[3]

Ausstattung

Für den Betrieb der IC-Buslinie wurden drei Komfort-Doppelstockbusse des Typs „SETRA S 431 DT“ beschafft, die jährlich rund 711.000 km zurücklegen. Die 13,89 m langen Busse sind mit schadstoffarmen V 8-Motoren nach EURO IV Norm ausgestattet und entsprachen bei der Einführung dem letzten Stand der Technik. Die Motorleistung beträgt 370 kW.[4] [5]

Die vollklimatisierten Busse weisen einen Niederflureinstieg auf, sind barrierefrei ausgerüstet und haben eine eingebaute Toilette. Das Sitzplatzangebot beträgt in der 1. Klasse 16 Sitze und in der 2. Klasse 56 Sitze. Zusätzlich bestehen zwei Plätze für mobilitätseingeschränkte Personen und ein Rollstuhlabstellplatz. Die hintere Tür wurde verbreitert und zweiflüglig ausgeführt, als weitere Abweichung von der Serienausführung gibt es eine LED-Zielanzeige an der Front. Seit Anfang 2015 gibt es ein kostenloses WLAN in den Bussen, welches jedoch nicht bei jeder Fahrt verfügbar ist. Die Plätze der 1. Klasse sind mit Ledersitzen ausgestattet und weisen eine Steckdose und eine Arbeitsfläche auf. Der Service für die Fahrgäste der 1. Klasse umfasst neben dem üblichen Zeitungsangebot überdies zwei Gratisgetränke (warm und kalt).[4]

Zur Verdeutlichung seiner Sonderstellung weicht der Intercitybus im äußeren und inneren Design vollständig von der Corporate Identity der sonstigen Busse der ÖBB-Postbus GmbH ab. Die Farben entsprechen denen der Wagen der ÖBB-Fernverkehrszüge.

Tarif

Obwohl es sich um eine Busverbindung handelt, gelten die Bahntarife der ÖBB-Personenverkehrs AG. Da die Sitzplätze begrenzt sind, kommt es an starken Reisetagen zu einem Mangel an Sitzplätzen, weshalb eine Reservierung (3,-- €) möglich ist. In der 1. Klasse ist diese im Fahrpreis bereits inbegriffen. Buchungen können an jedem ÖBB-Schalter in Österreich, in jedem Reisebüro am Bahnhof, online[6], über die Hotline oder an Fahrkartenautomaten (jedoch ohne Reservierung) vorgenommen werden. Die Linie Klagenfurt – Venedig ist reservierungspflichtig; hier ist die Platzreservierung bereits im Globalpreis inbegriffen.[7]

Einzelnachweise

  1. Presseaussendung der ÖBB zur Entstehung: ÖBB: Neues Angebot mit Zug und ÖBB-Intercitybus nach Venedig
  2. Neue direkte Bahnverbindungen zwischen Venedig und Wien verfasst am 14. November 2013, abgerufen am 11. Jänner 2016
  3. Fahrplan: ÖBB Intercitybus (PDF; 475 KB)
  4. 1 2 ÖBB-Personenverkehr AG: Presseinformation vom 1. Oktober 2007 (download als pdf)
  5. ÖBB-Postbus GmbH: Graz und Klagenfurt rücken näher zusammen
  6. ÖBB-Personenverkehrs AG: Online-Ticket
  7. Fahrplan und Preise Klagenfurt – Venedig