Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast
vom 23.01.2019, aktuelle Version,

Jörg A. Eggers

Jörg A. Eggers (* 15. Juni 1936 in Heidelberg) ist ein österreichischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Leben und Wirken

Eggers studierte Schauspiel und Regie am Konservatorium in Wiesbaden, ferner Theaterwissenschaft, Psychologie und Philosophie an der Universität Wien, wo er 1964 promovierte. Ab 1958 war er als Schauspieler und Regieassistent an diversen Bühnen engagiert, u. a. beim Kabarett Die Zeitberichter in Frankfurt am Main, anschließend am Parkring-Theater und Zentrum-Theater, am Theater der Jugend in Wien, Wiener Komödie, Theater am Naschmarkt und Burgtheater, bei den Salzburger Festspielen, sowie beim Österreichischen Rundfunk. 1961 wechselte er als Regisseur vom Hörfunk zum Fernsehen, wo er bis 1971 neben Musik- und Unterhaltungssendungen diverse Fernsehspiele inszenierte. Die darauffolgenden drei Jahre leitete er dort die Abteilung Fernsehfilm, Dokumentarspiel und Theater. 1969 inszenierte er am Theater in der Josefstadt.

Mit Der Fall Regine Krause, einer semidokumentarischen Rekonstruktion eines Kriminalfalls aus dem Jahre 1920 realisierte Eggers 1970 seinen ersten langen Fernsehspielfilm. Sein erster Kinofilm war 1971 Der letzte Werkelmann, ein Soziogramm Wiens aus dem Jahr 1914, aufgearbeitet am Schicksal eines Leierkastenmannes, das mit dem Fernsehpreis der österreichischen Volksbildung 1972 ausgezeichnet wurde.

Für seinen Kinofilm Steig aus deinem Luftballon (1985; Arbeitstitel: „Up and down“) wählte Jörg A. Eggers das Pseudonym Arni Liebenberg. Mit dieser, nur für den bewanderten Wien-Kenner durchschaubaren Hommage (angesprochen wird jener legendäre Wiener Bürgermeister, der sich im Pestjahr 1679 und während der Türkenbelagerung des Jahres 1683 aufopfernd für seine Mitbürger einsetzte), „verrät“ der aus Deutschland stammende, seit 1959 in Wien beheimatete Künstler sein Selbstverständnis als Wiener Autor und Regisseur.

„...Eggers schreibt heute, wie hierzulande kein anderer, brauchbare, lakonische, sicher jeder theaterhaften Geste versagende Dialoge, weiß, einen Film richtig zu besetzen. Er verfügt offensichtlich über die Fähigkeit, seinen Darstellern, die in Österreich gezwungenermaßen über weit mehr Bühnen- denn Filmerfahrung verfügen, das Theater erfolgreich auszutreiben und das Gespür für das andere Medium beizubringen... Ich will leben ist alles in allem nicht nur der beste Spielfilm, der seit langem in diesem Land produziert wurde, sondern auch der 'kommerziellste' ... Dieser Film wird, vorausgesetzt er kommt ins Kino, dort nicht nur überleben, sondern auch neues österreichisches Filmleben provozieren.“ So schrieb der Kritiker Franz Manola [1] über Eggers’ „sehr nuanciert beschriebene Konfrontation einer bürgerlichen Zweierbeziehung mit dem Behindertenproblem“.[2]

Das soziale Engagement das die Themen seiner TV-Dokumentationen bestimmt, zeigte sich bereits während seiner Studienzeit, als er die in seiner Freizeit geschaffenen Ölgemälde der von der Burgschauspielerin Hilde Wagener gegründeten Hilfsorganisation Künstler helfen Künstler für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellte. Herbert Hauk, Vorstandsmitglied dieser Organisation und Leiter der Abteilung Jugend und Familie im ORF, wurde auf Eggers aufmerksam. Bei der Einführung des Österreichischen Schulfernsehens engagierte Herbert Hauk Eggers, der dann in Zusammenarbeit mit Helmut Zilk für die Gestaltung didaktisch ausgezeichneter Sendungen verantwortlich war. Eggers entwickelte in den Pionierjahren des ORF über 60 TV-Formate. Bildungsfernsehen, Orientierungshilfen und Beiträge zur Humanisierung der Gesellschaft stehen im Zentrum von Eggers' Fernsehtätigkeit. Gesellschaftsrelevante Themen in fünfzigminütigen Dokumentarfilmen zu vertiefen und in neunzigminütigen fiktiven Unterhaltungsfilmen einzubetten gelang Eggers vor allem mit dem Dokumentarfilm Wir müssen alles tun, was nach bestem Wissen und Gewissen möglich ist (A 1975; Volksbildungspreis 1976), und mit seinem Aufdecken der Ursachen von Jugendkriminalität in Es bedarf keiner Psychoanalyse, um festzustellen, daß das Leben ein einziger Friedhof gescheiterter Pläne ist (A 1976). Mit Wir müssen alles tun, was nach bestem Wissen und Gewissen möglich ist brach Eggers mit dem Tabu, keine Behinderten auf den Bildschirm zu bringen. Das österreichische Fernsehpublikum reagierte darauf äußerst ablehnend.

Mit Kriminaldokumentarspielfilmen wie Verurteilt 1910 – Max Winter kämpft für Oberleutnant Hofrichter (A/D 1974), zeigte Eggers sein Talent, Zeitgeist historisch detailgetreu in Szene zu setzen. Sein Debüt als Kinofilmregisseur, Der letzte Werkelmann von 1971, stand ganz im Zeichen der Wien-Verbundenheit. Am Schicksal eines typischen Wiener Leierkastenmannes zeichnete Eggers ein Soziogramm Wiens des Jahres 1914; für die an Ödön von Horváth orientierte Dialekt-Kunstsprache und für die stimmige Inszenierung wurde das Werk nach seiner TV-Ausstrahlung mit dem Volksbildungspreis 1972 ausgezeichnet. Das Regiekonzept, der Versuch die Ziele der Kasseler documenta im Film umzusetzen, war eine Antwort auf den sterbenden Unterhaltungsfilm der 1950er und 1960er Jahre. Auflösung der Traumfabrik, radikale Annäherung an die Realität, weg von den geschönten Bildern, keine gebauten Dekorationen, keine ausgeleuchteten Gesichter, keine geschminkten Masken, keine Synchronisation, keine musikalischen Untermalungen. Nur O-Ton, nur O-Musik, nur Originalschauplätze. Der letzte Werkelmann war der Auftakt zu einer Serie von sozialkritischen Filmen im Österreichischen Fernsehen. Das Konzept „documenta“ im Österreichischen Film unterschied sich kaum von dem Konzept „Dogma“ das Lars von Trier 24 Jahre später 1995 in Dänemark postulierte.

1975 wechselte Eggers aus dem ORF-Verband in das freie Produzentendasein und gründete die Cine Mercury Film-Fernsehproduktion Ges.m.b.H. mit der er seinen internationalen Achtungserfolg Ich will leben produzierte (5. Platz bei der Vorauswahl zur Nominierung für den Auslandsoscar 1977). Die Hauptrollen spielten Kathina Kaiser und Heinz Bennent. 1979 gründete er die Saturn Film GmbH in München. Im Dezember 2012 übersiedelte diese nach Berlin, wo Eggers die Geschäftsführung und Firmenanteile an Philipp Meuser übergab.

Neben der Produzententätigkeit unterrichtet Eggers seit 2002 an der Fachhochschule St.Pölten (Studiengang Medientechnik) Dramaturgie, Regie und Filmproduktion.

Filmografie

Dokumentarfilme

  • 1969: Pompeji (Dokumentarfilm.; Prodlt./Buch /Regie / 29,45 min.)
  • 1970: Ich liebe die Welt (Dok.-Film, Regie / 70 min.)
  • 1971: Volksmusik & Brauchtum in Vorarlberg (TV-Dok. Buch /Regie / 45 min.)
  • 1975: Gott schütze uns vor Otto Wagner; (TV-Dok. Buch /Regie/60 min.) (Bauherren-Preis 1975)
  • 1975: Wir müssen alles tun, was nach bestem Wissen und Gewissen möglich ist (TV-Dok./Prod./Buch/Regie / 60 min.) (Fernsehpreis der Österreichischen Volksbildung 1975)
  • 1976: Es bedarf keiner Psychoanalyse, um festzustellen, daß das Leben ein einziger Friedhof gescheiterter Pläne ist (TV-Dok./ Prod./Buch /Regie / 65 min.)
  • 1977: Vorurteil (A, TV-Dok./ Prod./Buch /Regie / 60 min.)
  • 1977: Suche eine neue Definition der Erziehung (TV-Dok./ Prod./Buch/Regie / 61 min.)
  • 1978: Alt sein ist ja ein herrliches Ding, wenn man nicht vergessen hat, was anfangen heißt (TV- Dok./ Prod./Buch /Regie / 65 min.)
  • 1979: Mutter, Mut, Mu und raus bist Du! (TV-Dok./ Prod./Buch /Regie / 45 min.)
  • 1980: Vaeter (TV-Dok./ Prod./Buch /Regie / 45 min.)
  • 1980: Alles wirkliche Leben ist Begegnung (TV-Dok./ Prod./Buch / Regie / 45 min.)
  • 1981: Integration (Dokumentarfilm / Prod./Buch+ Co-Autor /Regie / 60 min.)
  • 1981: EbS = Energiegewinn durch Umweltschutz (Industriefilm. Prod./Buch /Regie / 30 min.)
  • 1989: Symptom und Angst I, II, III, (TV-Dok. Prod./Buch /Regie / 3x 50 min.)
  • 1992: Sind wir alle Faschisten? (TV-Dok. Prod./Buch /Regie / 44 min.)
  • 1993: Kurzes Gedächtnis (Dokumentarfilm / Prod./Drehbuch /Co-Regie / 44 min.)
  • 1993: Coop Himmelblau – Construire Le Ciel (Kurzfilm / Prod. / 14 min.)
  • 1999: Falls ich Papst werden sollte (Dokumentarfilm / Prod. / 58 min.)
  • 2000: Die Jesuiten (TV-Dok./ Prod. / 20 min.)
  • 2000: Eine Zukunft, die uns nicht gehört (TV-Dokumentarfilm / Prod. / 20 min.)
  • 2001: Jerusalem – Du heilige Stadt (Dokumentarfilm / Prod. / 51 min.)
  • 2001: George Tabori – Schriftsteller als Fremder (TV-Dokumentarfilm/Koproduktion 43 min.)
  • 2005: Ernst Fuchs – Eros & Mystik (TV-Dokumentarfilm / Prod.)
  • 2006: Ernst Fuchs-Mit den Augen der Seele (Kinodokumentarfilm/Koproduktion 80 min.)
  • 2007: Starke Töchter Gottes (Dokumentarfilm / Prod.)
  • 2007: Das etwas andere Kleid (TV-Dokumentarfilm / Prod./ 41 min.)
  • 2008: Der Charme Allahs (Dokumentarfilm / Prod.)
  • 2010: Geister (Dokumentarfilm / Prod./ 45 min.)
  • 2011: Der Kampf ums Kreuz (Dokumentarfilm / Prod.)

Bildungsfilme

  • 1994: Wenn der Körper für die Seele spricht (Prod./Buch /Regie / 20 min.)
  • 1998: Rudolf Hausner / Malerei und Psychoanalyse (Prod./Buch/Regie)

Opern-, Musicplay- und Musikshow-Inszenierungen im Fernsehen

  • 1966: Porgy in Wien (TV-Show; Buch+Co-Autor/Regie; 65 min.)
  • 1968: Wien Side Story (TV-Show; Buch+Co-Autor /Regie; 72 min.)
  • 1968: Schwarz auf Weiss oder die allmächtige Feder (Oper) (Komp.: Kurt Anton Hueber, Regie / 89 min.) (Opernpreis Salzburg 1968)
  • 1971: Trip (FS-Musicplay) (Komp.: Fatty George Co-Autor/Regie / 85 min.)

Fernseh- und Kinofilme

  • 1964: Our town (TV-Film Autor: Thornton Wilder; Buch/Regie 60 min.)
  • 1965: Le petit Prince (TV-Film Autor: Antoine de Saint-Exupéry; Buch/Regie 75 min.)
  • 1965: Beyond the Horizon (TV-Film; Autor: Eugene O’Neill; Buch/Regie 70 min.)
  • 1966: The Glass Menagerie (TV-Film Autor: Tennessee Williams; Buch/Regie; 60 min.)
  • 1966: The Time and the Conways (TV-Film Autor: J.B.Priestley Buch/Regie 75 min.)
  • 1967: Private Ear (TV-Film Autor: Peter Shaffer; Buch/Regie 65 min.)
  • 1967: The Long Christmas Dinner (TV-Film Autor: Thornton Wilder; Buch/Regie 60 min.)
  • 1967: Zwischenfall in Antiochia (TV-Film Regie 89 min.) (UNDA-TAUBE, Preis 1968)
  • 1969: Ein Abend zu zweit (TV-Film/Theater; Regie; 85 min.)
  • 1969: Frühstück im Büro (Theaterinszenierung u. TV-Übertragung Regie 85 min.)
  • 1970: Rebell in der Soutane / Camillo Torres (TV-Film; Regie 105 min.)
  • 1970: Fall Regine Krause (TV-Film; Regie 89 min)
  • 1970: Mooneys Wohnwagen (TV-Film; Buch/Regie 97 min.)
  • 1971: Der Prokurator oder die Liebe der schönen Bianca (TV-Film; Regie 90 min.)
  • 1971: Der letzte Werkelmann (Kinofilm. Regie 90 min.) (Fernsehpreis der Österr. Volksbildung 1972)
  • 1972: Elisabeth, Kaiserin von Österreich (TV-Film; Co-Regie/Co-Autor 85 min.)
  • 1973: Der Tod eines Mannequin (TV-Film Regie 89 min.)
  • 1974: Verurteilt 1910 (TV-Film; Regie; 95 min.)
  • 1976: Ich will leben (Kinofilm/ Prod./Buch/Regie 98 min.)
  • 1981: Dein Weg entsteht beim Gehen (TV-Film/ Prod./Buch/Regie 94 min.)
  • 1982: Das Nest unter den Trümmern der Jahre (TV-Film/ Prod./Buch/Regie 90 min.)
  • 1983: Die Nacht der vier Monde (Kinofilm/ Prod./Buch + Co-Autor /Regie 102 min.)
  • 1985: Up and down/Steig aus Deinem Luftballon (Kinofilm/Prod./Buch + Co-Autoren /Regie 101 min)

Auszeichnungen

  • 1968 Zwischenfall in Antiochia – UNDA-TAUBE
  • 1972 Der letzte Werkelmann – Volksbildungspreis
  • 1975 Wir müssen alles tun, was nach bestem Wissen und Gewissen möglich ist – Volksbildungspreis
  • 1976 Gott schütze uns vor Otto Wagner – Bauherren-Preis

Literatur

  • Herbert Holba: Reclams deutsches Filmlexikon: Filmkünstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, von Herbert Holba, Günter Knorr und Peter Spiegel. Reclam, Stuttgart 1984, ISBN 3-15-010330-4.
  • „Austriaca“ Cahiers universitaires d’information sur l’Autriche, Université de Haute-Normandie, November 1981, ISSN 0396-4590.

Einzelnachweise

  1. Die Presse, 10. September 1976
  2. Reclams Deutsches Filmlexikon, Stuttgart 1984