unbekannter Gast
vom 13.01.2017, aktuelle Version,

Johann Josef Leitenberger

Johann Josef Leitenberger

Johann Josef Leitenberger (* 17. März 1730[1] in Lewin, Leitmeritzer Kreis; † 30. Mai 1802[2] in Wernstadt) war ein österreichischer Textilunternehmer.

Johann Josef Leitenberger war ein Sohn des Lewiner Färbermeisters Franz Leitenberger (1701–1802). Er absolvierte eine Färberlehre bei seinem Vater mit anschließenden Wanderjahren in Italien, Frankreich und Polen und arbeitete auch in einer Kattundruckerei in Augsburg. Nach seiner Rückkehr übernahm er 1764 die Färberei seines Schwiegervaters Reitländer in Wernstadt. 1770 errichtete er eine eigene Fabrik für Blaudruckerei, Leinwand- und Kattun-Erzeugung, eine Baumwollspinnerei im Teynhof in Prag sowie weiteren Orten in Nordböhmen.

Durch die Einführung neuer Produktionsverfahren wurde Leitenberger ein erfolgreicher Unternehmer. Nachdem er als erster ein Verfahren zum verschiedenfarbigen Zeugdruck, den Anbau des Färberkrapp und den französischen Färber-Wau eingeführt hatte, wurde er einer der Begründer der erfolgreichen Textilindustrie in Böhmen.

1793 errichtete er im ehemaligen Piaristenkloster in Kosmanos eine Textilfabrik für bedruckte Tücher. Seine 1794 in Wernstadt gegründete und mit englischen Wyatts-Spinnmaschinen ausgestattete maschinelle Baumwollspinnerei war die erste dieser Art in Böhmen.

Mit seinem Sohn Franz Leitenberger (1761–1825), welcher Erbe des vom Vater in einem alten Meierhof errichteten Kattunfabrik in Neu-Reichenau „Josef Leitenberger & Söhne“ und später Alleinbesitzer der von Joseph von Bolza gegründeten Fabrik Josefsthal-Kosmanos war, führten sie den Plattendruck und das einfädige Spinnrad ein. 1810 erhielten sie die Landesfabriksbefugnis, führten 1812 den Lapisdruck und 1815 den englischen Walzendruck ein. Dadurch erreichten die Kosmanoser Stoffe Weltruf. Der Schwiegersohn seines Sohnes Franz Leitenberger, der Chemiker Ignaz von Orlando (1785–1846), übernahm nach 1820 die Leitung der Unternehmensgruppe.

Johann Josef Leitenberger starb 1802. Erbe des Unternehmens war sein Sohn Franz Leitenberger.[3][4] Dessen jüngerer Bruder Ignaz Leitenberger (1764–1839) erbte die Zitz- und Kattun-, Walzen- und Kupferplatten-Druckfabrik in Neu-Reichstadt. Sie führten als erste in Böhmen eine Pockenschutzimpfung zur Seuchenbekämpfung ein.

Sein Enkel Ferdinand Leitenberger (1799–1869) war ein Wegbereiter der Freiwilligen Feuerwehr in Böhmen.

Sein Urenkel, der Textil-Großindustrielle Friedrich Franz Josef von Leitenberger, seit 1873 mit dem Adelstitel Freiherr von (1837–1899), Sohn des Hauptmann-Auditors Franz I. (1811–1881) war Ehrenpräsident des Verbandes der Baumwollindustriellen. Dieser ließ 1871/1872 das Wiener Palais Leitenberger erbauen. Dessen Sohn Friedrich Freiherr von Leitenberger (1862–1904) war der letzte männliche Inhaber des Industrieunternehmens der Freiherrn von Leitenberger, welches 1905 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.

Literatur

  • Heribert Sturm (Hrsg.) Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut), Band II. R.Oldenbourg Verlag München 1984, ISBN 3 486 52551 4, Seite 418 ff. Kurzbiographien der Textil-Großindustriellen Leitenberger
  • Robert Lahmer: Einiges von der nordböhmischen Kattunindustrie. In: Mittheilungen des Nordböhmischen Exkursions-Clubs, 1888, S. 298–304.
  • Hermann Hallwich: Firma Franz Leitenberger 1793 * 1893. Eine Denkschrift. Verlag des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Prag 1893, S. 39 ff. (zu den Lebensdaten insbesondere S. 43 und 93).
  • Ottův slovník naučný. Illustrovaná encyklopædie obecných vědomostí. Band 15 (Krajčij–Ligustrum). Otto, Prag 1900, S. 813 f.
  • Franz Hantschel: Biographien deutscher Industrieller aus Böhmen. Künstner, Böhmisch Leipa 1920.
  • Roman von Procházka: Meine 32 Ahnen und ihre Sippenkreise, Leipzig 1928
  • Gustav Otruba: Die Familie Leitenberger. In: Ferdinand Seibt: Lebensbilder zur Geschichte der böhmischen Länder. Bd. 4, Oldenbourg, München 1981, S. 91–180, ISBN 3-486-50591-2.
  • Gustav Otruba: Leitenberger, Johann Josef. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 165 (Digitalisat).

Einzelnachweise

  1. Dieses Geburtsdatum gibt Hallwich (1893) unter Berufung auf die Kirchenbücher an, dem folgen das Ottův slovník naučný (1900) und das ÖBL (1972). Procházka (1928) und Otruba (1981 und 1985) geben stattdessen den 27. März an, das ist laut Hallwich allerdings das Datum der Taufe, nicht der Geburt. Weiterhin findet sich bei Lahmer (1888) und Hantschel (1920) der 20. Januar 1726 als Geburtsdatum; dabei handelt es sich allerdings Hallwich zufolge um den Erstgeborenen Johann Josef, der bereits als Kind starb und dessen Namen daraufhin der dritte Sohn, der hier behandelte Johann Josef, 1730 erhielt.
  2. Das Todesdatum 30. Mai wird bei Hallwich (1893) und in fast allen späteren Quellen angegeben; nur Procházka (1928) und Otruba (1981 und 1985) führen stattdessen den 20. Mai an.
  3. Hillbrand: Leitenberger, Franz. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1972, S. 112.
  4. Gustav Otruba: Leitenberger, Franz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 165 f. (Digitalisat).