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vom 18.12.2018, aktuelle Version,

Johann Lang (Henker)

Johann Lang (* ?; † 22. Juni 1938 im KZ Dachau) war österreichischer Scharfrichter in der Zeit von 1933 bis 1938.

Lang war ursprünglich Polizeibeamter, verließ den Exekutivdienst jedoch und wurde Versicherungsvertreter. Als die österreichische Bundesregierung am 11. November 1933 die Todesstrafe wieder einführte, wurde auch wieder ein Henker benötigt. Da aus der Zeit der Monarchie keine Personen „mit wirklicher Erfahrung“ mehr am Leben waren, gestaltete sich diese Suche schwierig. Johann Lang bekam den Posten, weil er seinem Onkel Josef Lang einige Male bei Hinrichtungen als Assistent zur Seite gestanden hatte und so über praktische Erfahrung im Umgang mit dem Würgegalgen verfügte. Als Assistenten Johann Langs bei den Exekutionen zwischen 1934 und 1938 fungierten ein Fiakerfahrer und ein Markthändler.

Hauptfriedhof St. Pölten: Grabstein für Viktor Rauchenberger und Johann Hois, hingerichtet nach den Ereignissen des 12. Februar 1934

Die Regierung des Ständestaats unter Engelbert Dollfuß und später Kurt Schuschnigg ließ über 40 Menschen wegen verschiedener Delikte hinrichten. Die Todesstrafe wurde seit November 1933 im standrechtlichen Verfahren verhängt, im Juni 1934 wurde sie auch für ordentliche Verfahren wieder eingeführt.[1] Als erster Verurteilter wurde am 11. Jänner 1934 in Graz der Brandstifter Peter Strauß gehängt. Von Februar 1934 bis März 1938 wurden in Österreich 141 Todesurteile ausgesprochen, von denen 44 vollstreckt wurden.[2] Nach den Ereignissen des 12. Februar 1934 wurden neun Menschen hingerichtet, darunter die Sozialdemokraten Koloman Wallisch, Karl Münichreiter und Georg Weissel. Im Sommer 1934 wurden 13 Personen, die im Zusammenhang mit dem Juliputsch durch Militärgerichte zum Tod verurteilt worden waren – darunter die Nationalsozialisten Otto Planetta und Franz Holzweber – ebenfalls von Lang und seinen Gehilfen hingerichtet. Zwei weitere Hinrichtungen erfolgten nach einem Eisenbahnattentat auf den Ostende-Wien-Express (D-Zug 117). Die übrigen 19 Hinrichtungen, die bis 1938 in Österreich durchgeführt wurden, erfolgten nach Mordfällen ohne politischen Zusammenhang. So erhängten Lang und seine Assistenten 1937 in Ried im Innkreis den Bauern Anton Einböck, der auf seinem Hof bei Taiskirchen im Innkreis zuerst seine Frau umgebracht und dann zur Vertuschung der Tat Feuer gelegt hatte.[3]

Aufgrund seiner Tätigkeit für die Regierung wurde Lang besonders für die Nationalsozialisten in Österreich zum Symbol eines verhassten Systems. Da die Presse sein vom Staat zugesichertes Inkognito schon kurz nach seinem Amtsantritt lüftete, lebten er und seine Familie in ständiger Bedrohung. Sein Haus musste von der Polizei rund um die Uhr bewacht werden.

Als im März 1938 die Nationalsozialisten im Rahmen des „Anschlusses“ in Österreich an die Macht kamen, wurde Lang verhaftet und mit einem der ersten Transporte in das KZ Dachau eingeliefert, wo er noch im selben Jahr starb. Auch einige andere Mitglieder seiner Familie, darunter sein Sohn Hans († 22. August 1938 im KZ Flossenbürg), wurden in ein Konzentrationslager eingeliefert und überlebten den Krieg nicht.

Literatur

  • Harald Seyrl (Hrsg.): Die Erinnerungen des österreichischen Scharfrichters. Erweiterte, kommentierte und illustrierte Neuauflage der im Jahre 1920 erschienenen Lebenserinnerungen des k.k. Scharfrichters Josef Lang. Edition Seyrl, Wien 1996, ISBN 3-901697-02-0.

Einzelnachweise

  1. BGBl. Nr. 77/1934
  2. Hintergrund_Die-Todesstrafe-in-Oesterreich Hintergrund: Die Todesstrafe in Österreich, DiePresse.com, 5. September 2013, Zugriff am 14. Oktober 2018.
  3. N.N., Schwere Sühne einer schrecklichen Tat. Der Gattenmörder Einböck hingerichtet, in: Rieder Volkszeitung (57. Jg., Nr. 41), 14. Oktober 1937, S. 10.