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vom 14.02.2017, aktuelle Version,

Johann Lang (Henker)

Johann Lang (* ?; † 22. Juni 1938 im KZ Dachau) war Scharfrichter in der Zeit der ersten österreichischen Republik (1918–1938).

Lang war ursprünglich Polizeibeamter, verließ den Exekutivdienst jedoch und wurde Versicherungsvertreter. Als die österreichische Bundesregierung am 11. November 1933 die Todesstrafe wieder einführte, wurde auch wieder ein Henker benötigt. Da aus der Zeit der Monarchie keine Personen „mit wirklicher Erfahrung“ mehr am Leben waren, gestaltete sich diese Suche schwierig. Johann Lang bekam den Posten, weil er seinem Onkel Josef Lang einige Male bei Hinrichtungen als Assistent zur Seite gestanden hatte und so über praktische Erfahrung im Umgang mit dem Würgegalgen verfügte.

Die Regierung des Ständestaats unter Engelbert Dollfuß und später Kurt Schuschnigg ließ mehr als 20 Menschen wegen verschiedener Delikte hinrichten. Als erster Verurteilter wurde am 11. Jänner 1934 in Graz der Brandstifter Peter Strauß gehängt, im Laufe des Jahres folgten wegen ihrer Beteiligung an den Februarkämpfen unter anderem die Sozialdemokraten Koloman Wallisch, Karl Münichreiter und Georg Weissel. Insgesamt wurden nach den Ereignissen des 12. Februar 1934 neun Menschen hingerichtet. 13 Personen, die im Zusammenhang mit dem Juliputsch durch Militärgerichte zum Tod verurteilt worden waren – darunter die Nationalsozialisten Otto Planetta und Franz Holzweber – wurden ebenfalls von Lang hingerichtet. 1937 vollzog er in Ried im Innkreis die Hinrichtung des Innviertler Bauern Anton Einböck, der auf seinem Hof bei Taiskirchen im Innkreis zuerst seine Frau umgebracht und anschließend zur Vertuschung der Tat Feuer gelegt hatte.

Aufgrund seiner Tätigkeit für die Regierung wurde Lang besonders für die Nationalsozialisten in Österreich zum Symbol eines verhassten Systems. Da die Presse sein vom Staat zugesichertes Inkognito schon kurz nach seinem Amtsantritt lüftete, lebten er und seine Familie in ständiger Bedrohung. Sein Haus musste von der Polizei rund um die Uhr bewacht werden.

Als im März 1938 die Nationalsozialisten im Rahmen des „Anschlusses“ in Österreich an die Macht kamen, wurde Lang verhaftet und mit einem der ersten Transporte in das KZ Dachau eingeliefert, wo er noch im selben Jahr starb. Auch einige andere Mitglieder seiner Familie, darunter sein Sohn Hans († 22. August 1938 im KZ Flossenbürg), wurden in ein Konzentrationslager eingeliefert und überlebten den Krieg nicht.

Literatur

  • Harald Seyrl (hg.): Die Erinnerungen des österreichischen Scharfrichters. Erweiterte, kommentierte und illustrierte Neuauflage der im Jahre 1920 erschienenen Lebenserinnerungen des k.k. Scharfrichters Josef Lang, Edition Seyrl, Wien 1996, ISBN 3-901697-02-0.