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vom 05.04.2017, aktuelle Version,

Johann Schadowitz

Janko Šajatović,[1] verdeutscht Johann(es) Schadowitz[2] (* 1624 in Žumberak (Sichelberg),[3] Komitat Agram, Königreich Kroatien; † 29. Mai 1704 in Särchen, Kurfürstentum Sachsen), war ein kroatischer Reiter in der Leibkompanie Kroaten zu Ross des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen. Unter dem nachfolgenden sächsischen Kurfürsten Johann Georg III. wurde Schadowitz Obrist und Brigadechef der gesamten Garde-Kavallerie. Seit 1691 war er Gutsherr von Vorwerk Särchen in der Oberlausitz. Schadowitz gilt als historische Vorlage für die in der Lausitz noch heute populäre sorbische Sagengestalt des Zauberers Krabat.

Leben

Herkunft und sächsische Kroaten-Leibgarde

Zeitgenössische Darstellung und Beschreibung eines Kroatischen Reiters in der Leibgarde des sächsischen Kurfürsten bei einer Parade im Jahr 1678: „17. Herr Johann von Peraynsky, Obrist-Lieutenandt von der Leib-Guardie, Cammerherr und Ambts-Hauptmann zu Moritzburg, in einer Leoparden-Haut.“ [4]

Geboren in Žumberak (Sichelberg), in dem zum Komitat Agram gehörenden Žumberak-Gebiet, stammte Schadowitz vermutlich aus einer Familie von Uskoken.[5] Die Habsburgermonarchie siedelte Uskoken erstmals im Jahr 1530 in diesem Gebiet an, um den Mitte des 15. Jahrhunderts durch die Türkenkriege entstandenen Bevölkerungsverlust auszugleichen.

Schadowitz gehörte zur 1660 gebildeten „Leib Compagnie Croaten zu Ross“ des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen. Kommandeur der anfangs 87, später bis zu 150 Mann starken Kompanie war der Rittmeister und spätere Oberstleutnant Graf Janko Peranski († 1689), der für seine Verdienste zum Kammerherrn sowie Amtmann von Moritzburg ernannt wurde. Im Jahr 1680 löste der Sohn und Nachfolger Johann Georgs II., Kurfürst Johann Georg III., diese Einheit aus Kostengründen auf.

Chef der Garde-Kavallerie

Schadowitz diente weiter im kurprinzlichen Regiment zu Roß bevor er als Rittmeister zur Garde-Kavallerie (Trabanten-Leibgarde zu Roß) kam und unter anderem im Großen Türkenkrieg (1683–1699) an der Schlacht am Kahlenberg teilnahm. Unter anderem ist belegt, dass er Johann Georg III. begleitete, als dieser vom 4. bis 7. Februar 1688 mit 130 Personen und 15 Pferden Hoyerswerda besuchte.[6] Aufgrund seiner Kriegserfahrung, bewiesenen Tapferkeit in vielen Gefechten und langen Dienstzeit wurde Schadowitz am 1. Mai 1690 Brigadechef der gesamten kurfürstlichen Garde-Kavallerie.[7][8] Als solcher führte er im Herbst 1691 beim Leichenzug für Johann Georg III. in Tübingen die kurfürstliche Leibgarde an.[9][10] Angeblich soll Schadowitz noch kurz vor dem Tod des Kurfürsten für seine Verdienste den Gutshof von Särchen als Altersruhesitz zum Geschenk erhalten haben und geadelt worden sein.

Pensionierung und Tod

Am 12. Dezember 1691, dem Tag nach der Beisetzung von Johann Georg III. im Freiberger Dom, begab sich sein Nachfolger Johann Georg IV. zu der auf dem Schießplatz aufgestellten Garde-Kavallerie und dankte Schadowitz ab. Der Kurfürst hatte ihm bereits am 24. November 1691 eine monatliche Pension von 100 Reichstalern bewilligte, die Schadowitz noch am 11. Juni 1694 vom nachfolgenden Kurfürst und König August dem Starken bestätigt wurde. Im Fourierzettel des Jahres 1700 ist Schadowitz unter den Generaladjutanten des König aufgelistet.[11] Im Ruhestand erhielt Schadowitz so ein jährliches Deputat in Höhe von mehreren tausend Reichstalern für den Kauf von Speisefisch (Karpfen, Hechte), Landwein, Brennholz und „Pension und Gnadengelder aus der Oberlausitz“.[12] Als praktizierender Katholik soll er fast täglich vom evangelischen Särchen nach Wittichenau gefahren sein, um an der Heiligen Messe teilnehmen zu können. Schadowitz starb am 29. Mai 1704 im Alter von 80 Jahren. Er wurde am 2. Juni 1704 nach einer Leichenpredigt im Presbyterium, beim Wandlungsglöckchen, in unmittelbarer Nähe zum Altar der katholischen Pfarrkirche zu Wittichenau bestattet.[13]

Legendenbildung und Gedenken

Gedenktafel für Schadowitz in der katholischen Kirche von Wittichenau (sorbisch Kulow)

Unter Schadowitz erlebte Särchen eine Blütezeit, was zur späteren Legendenbildung beitrug. Wegen seiner ungewöhnlichen Größe, seines Verhaltens, seiner merkwürdigen Aussprache des Sorbischen und seines Wissens wurde er von der Landbevölkerung als Zauberer angesehen. Schadowitz wurde von der Bevölkerung Krabat genannt, die ältere Form für Kroat (von veraltet kroatisch horvat; sorbisch chorwat).[14] Im Jahr 1848 ist erstmals die Behauptung belegt, dass es sich bei Schadowitz und Krabat um dieselbe Person gehandelt haben soll:

„Im Jahre 1795, als man an dieselbe Stelle den Pfarrer Georg Brückner begrub, fand man daselbst noch den Degen des Obristen. Dieser Croat Schadowitz ist derselbe, der in unserer Gegend unter dem Namen Krabat bekannt ist: denn „Croat“ hat sich im Volksmund in „Krabat“ verwandelt. Der Croat war reich – Herr von Särchen – und stand in dem Rufe eines Schwarzkünstlers.“[15]

Bei einer Gesamterneuerung der Pfarrkirche von Wittichenau in den Jahren 1933 bis 1935 durch den Dresdner Architekten Robert B. Witte wurde am 3. Juli 1933 das Grab von Schadowitz geöffnet. Seine aufgefundenen Gebeine wurden zusammengelegt, fotografiert und wieder beigesetzt.[16]

Des durch Volkserzählung und Literatur in Erinnerung gebliebenen Schadowitz wurde besonders zu seinem 300. Todestag in Wittichenau und Groß Särchen feierlich gedacht. Am 29. Mai 2004 erfolgte in der Groß Särchener evangelischen Kirche die Uraufführung des vom Hoyerswerdaer Kantor Johannes Leue komponierten Te Deum Laudamus, durch drei Chöre, Solisten, Streicher und Bläser.

Siehe auch

Literatur

  • Krabat – Aspekte einer sorbischen Sage. Zentrum für Lehrerbildung der Universität Potsdam, Herausgeber Martin Neumann; Das Dokument enthält die Inhalte verschiedener Krabat-Sagen und historische Bezüge, auch zu Schadowitz (opus.kobv.de PDF; 10,6 MB).
  • Karin Richter: Krabat und die Schwarze Mühle. Die sorbische Sage im literarischen, ethischen, historischen und medialen Kontext. Schneider Verlag Hohengehren GmbH, Baltmannsweiler 2010.
  • Marie-Luise Ehrhardt: Die Krabat-Sage. Quellenkundliche Untersuchung zu Überlieferung und Wirkung eines literarischen Stoffes aus der Lausitz (= Kultur- und geistesgeschichtliche Ostmitteleuropa-Studien. Band 1). N.G. Elwert, Marburg 1982, ISBN 3-7708-0715-4.

Einzelnachweise

  1. Zeitgenössisch eingedeutscht auch Jankho Schajatowitsch (1661). In französischer Hofsprache eigenhändig auch Jean de Sajatowitz. In späteren Quellen auch Janko Sajadowitz (1762), Janco Sagatowitz (1866) oder Janko Sajatowitz (1894).
  2. Auch Schadewitz (1903). (In der Rückübersetzung aus dem Deutschen gegenwärtig sorbisch Jan Šadowic und kroatisch Ivan Šadović).
  3. Eintrag in der Rekrutierungsliste der Leibkompanie Kroaten zu Ross von 1661: „Jankho Schajatowitsch von Süchelberg aus Croatien: Pferd: 2“.
  4. Ausschnitt eines Kupferstichs von Gabriel Tzschimmer: Die Durchlauchtigste Zusammenkunft oder historische Erzehlung, was der durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Johann Georg der Ander, Herzog zu Sachsen usw. bey Anwesenheit Seiner Churfürstlichen Durchlauchtigkeit hochgeehrtesten Herren Gebrüdere dero Gemahlinnen, Prinzen und Prinzessinnen zu sonderbaren Ehren und Belustigung in dero Residenz un Haubt-Vestung Dresden im Monat Februario des 1678 sten Jahres an allerhand Aufzügen, Ritterlichen Exercitien, Schau-Spielen, Schiessen, Jagten, Operen, Comoedien […] Johann Hoffmann, Nürnberg 1680 (Tzschimmers bekanntestes Werk; entstanden im Auftrag des Kurfürsten Johann Georgs II. anlässlich seines Zusammentreffens mit seinen Brüdern, den Herzögen der drei albertinischen Sekundogenitur-Fürstentümer 1678.).
  5. Helmut Schippel: Auf den Spuren eines Kroaten. In: Sächsische Zeitung. 12. Februar 2015, abgerufen am 9. März 2016.
  6. Salomon Gottlob Frentzel: Historischer Schau-Platz Oder Chronike Und Beschreibung Der Königlichen und Churfürstlichen Sächßischen Stadt und Herrschafft Hoyerswerda Im Marggraffthume Ober-Laußitz. David Richter, Leipzig und Budißin 1744, S. 285 (books.google.de dort „Rittmeister von Schadewitz“).
  7. August von Minckwitz: Die ersten kursächsischen Leibwachen zu Roß und zu Fuß und ihre Geschichte. Hrsg.: Georg von Schimpff. Dresden 1894, S. 40.
  8. Richard Albert von Meerheimb: Erlebnisse eines Veteranen der grossen Armee während des Feldzuges in Russland 1812. Meinhold, 1860, S. 319 bzw. 321 (books.google.de dort „Oberst Sajadowitz“).
  9. Eberhard Werner Happel: Der Bayerische Max, Oder so genannter Europaeischer Geschicht-Roman, Auf Das 1691. Jahr; In welchem in einer Liebes- und Helden-Geschichte die denckwürdigste Wunder-Begebnüsse. Wagner, 1692, S. 283 (books.google.de dort „Obrist-Lieutenant von Schadewitz“).
  10. Heinrich Spilner: Kurtze Beschreibung und Ursprung Alt-Dreßden, auch itziger Churfl. Sächß. Residentz- und Haupt-Vestung Neu-Dreßden. Johann Christoph Miethen, Dresden 1708, S. 69 (books.google.de dort „der Obriste Schadewitz“).
  11. August von Minckwitz: Die ersten kursächsischen Leibwachen zu Roß und zu Fuß und ihre Geschichte. Hrsg.: Georg von Schimpff. Dresden 1894, S. 41 (Kurzbiografie unter Fußnote Nr. 55 ohne Erkenntnis der historischen Person: „Vom Abschlusse seines Lebenslaufes hat sich keine Nachricht erhalten.“ [sic!]).
  12. Daniel Gottfried Schreber: Chursächsischer ehemaliger Cammerbesoldungs-Etat. In: D. Daniel Gottfried Schrebers Sammlung verschiedener Schriften, welche in die öconomischen, Policey- und Cameral- auch andere Wissenschaften einschlagen. J.J. Curtis, 1762, S. 157 (books.google.de dort „Obristen Sajadowitz“).
  13. Totenbuch der Katholischen Pfarrkirche Wittichenau. 1704 („Serchen Den 29. Maij ist in Serchen gestorben und alhier in der Kirchen den 2. Junij begraben worden unterhalt des Presbytonj am Gläkel der Gnädige Herr H. Obrist Joannes Schadowitz in Croatien von Agram gebürtig. Dem eine teusche Predigt gehalten. aet 80. an.“).
  14. Jacob Grimm, Wilhelm Grimm, Rudolf Hildebrand: Deutsches Wörterbuch. Band 5 (Buchstabe K). Hirzel, 1873 (books.google.de Artikel „KRABAT, KRABATE“).
  15. Franz Schneider: Chronik von Wittichenau und Umgebung. Band 1: 1848–1852, S. 145 f. (Handschrift, zitiert nach EHRHARD, 1982, S. 83).
  16. Katholische Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt Wittichenau: Rundgang durch die Pfarrkirche. Abgerufen am 26. Februar 2015 (Punkt „Gedenktafel an Johann Schadowitz“, 2. Seite, mit dem Foto der Gebeine).