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vom 08.02.2017, aktuelle Version,

Josef Weninger

Josef Weninger (* 15. Mai 1886 in Salzburg; † 28. März 1959 in Wien) war ein österreichischer Anthropologe und Hochschullehrer.

Leben

Josef Weninger hat bei Rudolf Pöch an der Universität Wien studiert und sich über afrikanische Kriegsgefangene des Ersten Weltkriegs habilitiert. Als Nachfolger von Otto Reche leitete er seit 1927 bis zur Annexion Österreichs 1938 durch die Nationalsozialisten das Anthropologische Institut der Universität Wien, seit 1935 als ordentlicher Professor. Er gilt als Begründer einer Wiener anthropologischen Schule, die einen vergleichenden, morphologischen Begriff der „Menschenrassen“ verfolgte. So legte er nur für die Nase 30 äußere Merkmale zur Bestimmung fest. Seit 1925 war er Mitherausgeber der „Zeitschrift für Rassenkunde“ sowie „Volk und Rasse“. Im Jahr 1938 musste er seinen Lehrstuhl aufgeben, da seine Ehefrau Margarete, ebenfalls Anthropologin, Jüdin war. Ihre Mutter sollte 1941 aus Wien deportiert werden, wurde allerdings vom Anthropologen und SS-Hauptsturmführer Viktor Christian (1885–1963) geschützt.[1] Weninger war zuvor Christians Förderer gewesen, weshalb dieser ihn jetzt schützte und erwirkte, dass das Wissenschaftsministerium Weninger die Auswertung der anthropologischen Erhebungen aus den Kriegsgefangenenlagern übertrug.[2]

Nach 1945 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1955 hatte Weninger wieder die Leitung des Anthropologischen Instituts inne und setzte gemeinsam mit seiner Ehefrau die klassische Tradition der Morphologie fort.[3] 1948 wurde er zum Ordinarius der philosophischen Fakultät ernannt.[4]

Weninger war Wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Altpräsident der Anthropologischen Gesellschaft, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, der Wiener Prähistorischen Gesellschaft und bis zu seinem plötzlichen Tod Ehrenpräsident des Vereins für Volkskunde in Wien.

Schriften

  • Eine morphologisch-anthropologische Studie : durchgeführt an 100 westafrikanischen Negern als Beitrag zur Anthropologie von Afrika. R. Pöchs Nachlass, Wien 1927 [= Wiener Habilitation]
  • Rassenkundliche Untersuchungen an Albanern : ein Beitrag zum Problem der dinarischen Rasse, Wien 1934
  • mit Margarete Weninger: Anthropologische Beobachtungen an Georgiern (Transkaukasien). R. Pöchs Nachlass, Wien 1959

Literatur

  • Richard Pittioni: Festschrift zum 70. Geburtstag von Professor Dr. Josef Weninger, Verlag F. Deuticke, 1956
  • Kurzbiografie in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Verein für Volkskunde in Wien (Hg.), Heft 3/1980, Seite 53
  • Heinz Gabriel, Wolfgang Neugebauer: Vorreiter der Vernichtung?: Eugenik, Rassenhygiene und Euthanasie in der österreichischen Diskussion vor 1938. Zur Geschichte der NS-Euthanasie in Wien, Böhlau, Wien 2005

Einzelnachweise

  1. Michael H. Kater: Das „Ahnenerbe“ der SS 1935-1945. Ein Beitrag zur Kulturpolitik des dritten Reiches, Seite 274, erschienen in der Reihe „Studien zur Zeitgeschichte“, Verlag Oldenbourg, 1973
  2. Der Fall Weninger, in: Gerd Simon: Tödlicher Bücherwahn. Der letzte Wiener Universitätsrektor im 3. Reich und der Tod seines Kollegen Norbert Jokl, Seite 13 (PDF; 298 kB)
  3. Geschichte des Anthropologischen Instituts der Universität Wien (engl.)
  4. Naturwissenschaftliche Rundschau, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1948, Seite 240