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vom 18.12.2019, aktuelle Version,

K.u.k. Hofsalonzug

Der k.(u.)k. Hofsalonzug war ein Salonzug von Kaiser Franz Joseph I.

Geschichte

Empfang für Kaiser Franz Joseph am k.u.k. Hofsalonzug
Nachbau des k.u.k. Hofsalonzugs bei der Fahrt durch die Wachau
Interieur

„Die Ziele sind nur deshalb so begehrenswert, weil die Reise dazwischen liegt“, schrieb Kaiserin Elisabeth (1837–1898) einst während einer Zugreise in ihr Tagebuch. Der erste Hofsalonwagen wurde kurz nach der Eröffnung des Eisenbahnbetriebes in der Habsburger Monarchie gefertigt. 1837 wurde der erste vierachsige Waggon in Betrieb genommen. Österreich besaß als einzigen Hofzug den kaiserlich-königlichen Hofsalonzug des Hauses Habsburg. In der ungarischen Reichshälfte wurde ein zweiter Hofzug bereitgehalten, wenn der Monarch als König von Ungarn unterwegs war. Den letzten ungarischen Hofzug fertigte Ganz.[1]

Bereits 1873 wurden zwei Salonwagen für Kaiserin Elisabeth von Ringhoffer gefertigt. Mehr als 20 Jahre blieben die Wagen im Einsatz.[2] Der beheizte Schlafwagen von Kaiserin Elisabeth mit der Kennzahl HZ0011 war ausgestattet mit einem Bett, einem Damenzimmer (Boudoir) mit Toilettentisch und einer Toilette. Die Erstausstattung beherbergte ein kleines Abteil für die Kammerfrau. Der zweite Wagen war ein exklusiver Salonwagen für Kaiserin Elisabeth, der die Kennzahl HZ0010 besaß.

Die ersten Hofzüge bestanden noch aus Wagen mit unterschiedlicher Bauart und Ausstattung. Der erste ganzheitliche k.u.k. Hofzug wurde von der Prager Waggonfabrik F. Ringhoffer Smichow im Jahr 1891 gebaut. Die Gesamtkosten lagen bei umgerechnet 40 Millionen Euro. Schon zur damaligen Zeit konnte der Hofsalonzug alle normalspurigen europäischen Eisenbahnnetze befahren.[3] Im Juni 1891 wurde die Konstatierung der vertragsmäßigen Ausführung und die Übernahmsfähigkeit des von Ringhoffer gelieferten Zuges durch ein Komitee, bestehend aus Generaldirektion und sämtlichen österreichischen Eisenbahnverwaltungen, festgehalten.[4] Die zwei Wagen von Kaiserin Elisabeth wurden in den Hofzug eingereiht. 1895 wurde nur der Schlafwagen von Kaiserin Elisabeth an den neuen Hofzug angepasst. Nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth 1898 wurden die Wagen aus Pietätsgründen vom Hofzug ausgegliedert. Der historische Zug besaß insgesamt acht Waggons, die drei oder vier Achsen hatten. Sämtliche Wagen waren mit Spindel-, Druckluft- und Vakuumbremsen ausgestattet. Die Wagenquerschnitte waren so angelegt, dass der Kaiserzug auf allen normalen europäischen Lichtraumprofilen fahren konnte. Ein Teil der vierachsigen Wagen wurde als Buffetwagen mit entsprechender Kücheneinrichtung und Speise- sowie Gesellschaftsräumen genutzt.[5]

Der Zug wurde im Makart-Stil in historischem Glanz und imperialer Üppigkeit gehalten. Das bewiesen vor allem die Vorhänge aus Samt und Plüsch, die Wandbespannungen aus edler Seide und die mit Gold gefassten und geschnitzten Tür- und Fensterrahmen.[6] Zur Erhöhung der Bequemlichkeit wurden vollständig geschlossene Souffletübergänge geschaffen, die ein Überqueren der Wagen während des Fahrens möglich machten.

Mit dem Zerfall der Habsburger Monarchie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges endete die Geschichte der kaiserlich-königlichen Hofsalonzüge. Ein letztes Mal wurde der Kaiserzug eingesetzt, als Karl I., Kaiser von Österreich und König von Ungarn, nach seiner Abdankung 1919 Österreich verließ und mit seiner Familie vom Bahnhof Kopfstetten-Eckartsau ins Exil in die Schweiz reiste. Im Laufe der Jahrzehnte geriet der Kaiserzug in Vergessenheit. Lange Zeit galten die kaiserlichen Luxuszüge als verschollen und zerstört. Nur der kaiserliche Speisewagen aus dem Hofzug von 1891, der im Technischen Nationalmuseum Prag ausgestellt ist, sowie der erste Salonwagen von Kaiserin Elisabeth, der im Wiener Technischen Museum zu sehen ist, haben die Wirren des Krieges überstanden.[7]

Einzelnachweise

  1. Scécsey István und Villámyi György: Ganz. Vasúti jármüvek 1868–1918 / Railway Vehicles 1868–1918. Minden jog fenntartva, Budapest 2015. ISBN 978-963-88145-6-2, S. 100–104.
  2. D. Winkler: Die k.u.k. Hofzüge und ihre Geschichte. Album Verlag für Photographie, Wien 1997.
  3. A. Bäumer: Reisen wie zu Kaisers Zeiten. Majestic Imperator Train de Luxe, Wien 2006, S. 12, S. 23.
  4. A. Bäumer: Reisen wie zu Kaisers Zeiten. Majestic Imperator Train de Luxe, Wien 2006, S. 12.
  5. H. Strach: Geschichte der Eisenbahnen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Österreichischer Eisenbahnbeamten-Verein, Wien 1898, S. 493.
  6. A. Bäumer: Reisen wie zu Kaisers Zeiten. Majestic Imperator Train de Luxe, Wien 2006, S. 8.
  7. A. Bäumer: Reisen wie zu Kaisers Zeiten. Majestic Imperator Train de Luxe, Wien 2006, S. 28.

Literatur

  • Angelica Bäumer: Reisen wie zu Kaisers Zeiten. Ein Traum wird Wirklichkeit. Majestic Imperator. Geschichte und Gegenwart geben sich die Hand. Majestic Imperator, Wien 2006.
  • Ingrid Haslinger, Franz Hochwarter, Gottfried Rieck: Imperiale Züge. Die Geschichte der österreichischen Hofsalonzüge / Kaiserzüge. Wien 2001, ISBN 3-8364-8917-1.
  • Dieter Winkler: Die k.(u.)k. Hofzüge und ihre Geschichte. Wien 1997, ISBN 3-85164-055-1.