Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast
vom 31.03.2020, aktuelle Version,

Kapeller

Stammwappen derer von Capellen

Die Kapeller (auch Capeller oder Herren von Capellen genannt) waren ein bedeutendes österreichisches Adelsgeschlecht des 12. bis 14. Jahrhunderts mit Schwerpunkt in Österreich ob der Enns (Oberösterreich). Ihre Macht beruhte auf dem politischen Erfolg von König Rudolf I. von Habsburg im Ringen mit König Ottokar II. Přemysl.

Geschichte

Ursprung und Stammsitz

Die Kapeller, deren Name sich vom Stammsitz des Geschlechtes in Kappling bei Gunskirchen ableitet, waren im 12. Jahrhundert Ministeriale der Markgrafen von Steyr. Die Kapeller beteiligten sich mit Geld und Soldaten stets führend an den kriegerischen Unternehmungen ihrer Landesherren.

Nachdem die Kapeller zahlreiche weitere Besitzungen erwarben, verließen sie ihren Stammsitz auf einem kleinen bewaldeten Hügel bei Kappling, Gunskirchen, welcher im Laufe der Zeit verfiel. Noch 1680 standen zu „Kapling die Mauerreste eines Kirchleins“, welche heute verschwunden sind.[1] Luftaufnahmen von Kappling zeigen die Fundamente der Burganlage. Im Nachlass der Sammlung Walter Neweklowsky[2] wird der Stammsitz der Kapeller als „verschwundene Burg“ klassifiziert.

Bedeutende Kapeller

Berengar von Kapellen war im 12. Jahrhundert einer der angesehensten Dienstleute der steirischen Otakare.

Ulrich I. und Pilgrim I. waren um 1237 Ministeriale und erwarben erste Besitzungen im unteren Mühlviertel. Beide wandten sich im 13. Jahrhundert den babenbergischen Herzögen zu. Um 1250 wurden beide vom Passauer Bischof Berthold um Unterstützung bei der Wiedergewinnung von vorenthaltenen Zehenten für das Kloster Baumgartenberg gebeten

Ulrich II., der Lange (1250–1301) war Vertrauter König Rudolf I. von Habsburg und seines Sohnes, Herzog Albrecht I. von Österreich. Er war Herr zu Burg Mitterberg, Burg Steyregg, und anderswo, und Landrichter im Machland, sowie 1279–1288 Hauptmann und Landrichter in ganz ob der Enns.

Hans I. von Kapellen (auch Janns von Kapellen genannt) ließ 1300 ein umfassendes Urbar anlegen, in dem 438 Güter, Zehente, Lehensleute und sonstige Besitzungen angeführt waren. 1312 war Janns von Kapellen Inhaber des "Linzer Urfahrs". Herzog Friedrich erneuerte für Janns die Verpfändung des Landgerichtes Machland an die Kapeller und gestand ihm den Zehent aus diesem Landesteil – dem späteren Amt Naarn zu. Auch das Amt Weitersfelden fiel unter Janns den Kapellern zu. 1352 erwarben sie auch die Herrschaft Reichenstein. Janns war mit Kunigunde von Wallsee verheiratet, welche ihm die Söhne Ulrich und Eberhard schenkte. Janns starb 1354.

Eberhard I. nahm 1356 unter Herzog Albrecht II. an einem Kriegszug gegen die Stadt Zürich teil. Um diesen Kriegszug zu finanzieren, verpfändete der Herzog den Kapellern für 1000 Pfund die Ennsburg. 1354 erwarb Eberhard die Burg Windegg, 1359 Schloss Schwertberg. Eberhard erhielt 1366 vom Passauer Bischof auch das Kirchenlehen Hedreins in Niederösterreich. Um 1370 übernahm er mit seinen Brüdern auch Schloss Hagenberg im Mühlviertel.

Eberhard II. unterstützte den Landesfürsten 1381 gegen die aufständischen Schaunberger und erhielt das Landgericht Machland auf Lebenszeit verliehen. Er wird im Jahre 1384 in einem von der Hofkanzlei Albrechts III. für die Universität Wien ausgestellten Stiftsbrief auch als Zeuge erwähnt. 1388 unterstützte Eberhard II. den Herzog in einem Krieg gegen die Stadt Passau und besetzte mit seinen Leuten die Festung Oberhaus. Mit Eberhard starben die Kapeller im Jahre 1406 aus. Seine Witwe Anna verehelichte sich noch mit Reinprecht von Wallsee und brachte diesem die Herrschaft Windegg zu.

Die Kapeller besaßen zum Zeitpunkt ihres Aussterbens um die 40 Burgen und Sitze im Lande ober und unter der Enns. Deren Erbe kam über die beiden Töchter Dorothea und Williburg an Hartneid von Liechtenstein und Jörg von Dachsberg.

Wappen

Blasonierung: Das Stammwappen zeigt den Schild fünfmal in Rot und Silber im Bogenschnitt schräg rechts geteilt; auf dem Helm mit rot-silbernen Helmdecken zwei goldene Hörner.

Stammliste

  1. NN[3]
    1. Piligart, ∞ Otachar I. von Schlierbach
    2. Berengar/Pernger (urk. ca. 1125–1165?)
      1. Berengar (II., III.?) (1165–1215)
      2. \\ Degenhart (1205–1215)
        1. Pilgrim ∞ Gisela von Viehofen
          1. Ulrich II. (1250–1301) , Landrichter ob der Enns, ∞ I) 1276 Gertraud von Lonsdorf, ∞ II) 1281 Elisabeth von Zelking, ∞ III) Margarete von Falkenstein
            1. (II) Leutgard, ∞ Otto II. (von Zelking)
            2. (III) Elisabeth (1291–1334), ∞ Otto I. von Zelking
            3. (III) Hans/Jans († 1354), ∞ Kunigunde von Walsee
              1. Eberhard I. († nach 1370), Hauptmann zu Enns
                (?)
                1. Eberhard II. († 1406), ∞ Anna von Tybein (∞ II. Reinprecht II. von Walsee)
                  1. Wilburg ∞ Jörg von Dachsberg
                  2. Dorothea ∞ Hartneid V. von Liechtenstein
              2. Ulrich († 1357), Verkauf Schlierbach 1353
        2. (Hadmar)
        3. \\ Ulrich I. (1241–1270)
          (?)
          1. Pilgrim N. Passau
          2. \\ Ulrich III. (1276–1315), ∞ M. von Volkersdorf
            1. Agnes, ∞ Albero von Kuenring
          3. \\ Konrad (1280–1315), Landrichter in Linz(1)
          4. Margareta
        4. NNw, ∞ Ulrich I. von Trixen [Truchsen]

Anmerkungen:

\\ hier scheint in der Quelle [3] zumindest eine Generation zu fehlen
(1) ein Konrad von Kapellen ist 1287 als Besitzer urkundlich [4] (derselbe?)

Literatur

  • Alois Weiß von Starkenfels, Johann Kirnbauer von Erzstätt: J. Siebmachers grosses und allgemeines Wappenbuch, IV. Band, 5. Abteilung; Oberösterreichischer Adel; Bauer & Raspe, Nürnberg 1904, S. 19, Tafel 9.
  • Leopold Josef Mayböck, Alfred Höllhuber: Der Markt Schwertberg und die Burg Windegg. Arbeitskreis Windegg im Schwertberger Kulturring. Schwertberg 1987, S. 156–158.
  • Peter Grassnigg: 700 Jahre Markt – 500 Jahre Stadt Steyregg. Stadtgemeinde Steyregg. Steyregg 1982, S. 25–29.

Einzelnachweise

  1. Johann Ev Lamprecht: Historisch-topographische Matrikel oder geschichtliches Ortsverzeichnis des Landes ob der Ens: als Erläuterung zur Charte des Landes ob der Ens in seiner Gestalt und Eintheilung vom VIII. bis XIV. Jahrhunderte. Kaiserl.-Königl. Hof- u. Staatsdr., 1. Januar 1863 (google.co.id [abgerufen am 26. Februar 2017]).
  2. Landesarchiv: Oberösterreichisches Landesarchiv - Sammlung Walter Neweklowsky*. Abgerufen am 26. Februar 2017.
  3. 1 2 Kurt Holter: Geschichte von Schlierbach bis 1355. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 116a, Linz 1971, S. 217 (Stammtafel), gesamter Artikel S. 213–248, PDF (2,8 MB) auf ZOBODAT.at.
  4. Wilheringer Urkunde vom 23. Juli 1287, Übergabevertrag des Konrad von Kapellen an Stift Wilhering, in Urkundenbuch des Landes ob der Enns 4, S. 63–64, Nr. 71 (Original, 1287 VII 23, auf mom)