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vom 13.03.2017, aktuelle Version,

Karl Walter Mautner

Karl Walter Mautner (* 2. Mai 1881 in Enns; † 12. Februar 1949 in London) war ein österreichischer, aber überwiegend in Deutschland tätiger Bauingenieur jüdischen Glaubens. Der von ihm konstruierte Förderturm Schacht IV der Grube Camphausen im Saarland wurde 2016 von der Bundesingenieurkammer mit dem Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.[1]

Herkunft und Ausbildung

Mautners Vater Josef war Oberingenieur bei den österr. Staatsbahnen; die Mutter Rosalinde stammte aus der Familie Planner. Karl Mautner heiratete 1907 Mathilde Tragau aus Wien; aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Nach dem Besuch der Oberrealschule in Linz begann Mautner im Jahre 1898 zunächst ein Studium als Lehramtskandidat in Wien, studierte aber zeitgleich Bauingenieurwesen an der dortigen Technischen Universität. Im Anschluss an seine Zweite Staatsprüfung promovierte Mautner 1906 im Fach Brückenbau; 1904–1906 war er als Assistent in diesem Fach an der Hochschule tätig.

Tätigkeit in Düsseldorf bis 1915

Im Jahre 1907 kam Karl Mautner als Oberingenieur zur Baufirma Carl Brandt in Düsseldorf. Der ehemalige Hennebique-Lizenznehmer entwickelt sich in dieser Zeit zur größten Bauunternehmung der Stadt mit zahlreichen Filialen, etwa in Hamburg, Saarbrücken, Breslau etc. Mautner ist unter anderem für die Vorstellung besonderer Bauten in der Fachpresse und auf dem Deutschen Betontag zuständig. 1914 wurde Mautner technischer Leiter der Firma Carl Brandt.

Einsatz im Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg war Mautner ab Herbst 1916 für Österreich-Ungarn als Pionier im Brückenbau und als Dozent an der Technischen Militärakademie in Mödling im Einsatz. Er wurde hierbei mit der goldenen Ehren-Denkmünze für Tapferkeit am Bande sowie das Eiserne Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet.

Tätigkeit für Wayss & Freytag

Vor seiner Einberufung wechselte Mautner 1915 zur Düsseldorfer Niederlassung der Wayss & Freytag AG, zu der er nach Kriegsende auch als Erster Technischer Leiter im Rang eines Direktors zurückkehrte. Aufgrund der Besetzung des linken Rheinufers durch Frankreich wurde die Zentrale der Wayss & Freytag AG 1923 de jure und 1925 auch de facto von Neustadt an der Weinstrasse nach Frankfurt am Main verlegt. Zum 1. April 1928 wechselte Mautner von Düsseldorf ohne den üblichen Zwischenschritt des Stellvertreters als Vorstandsmitglied in die Zentrale.

Zwar entwickelten sich einige ausländische Töchter von Wayss & Freytag, etwa in Argentinien oder der Türkei, in den 1920er Jahren sehr gut, aber während der Weltwirtschaftskrise erlitt das Unternehmen in den Jahren 1929 bis 1931 in Deutschland so schwere Verluste, dass unter Leitung der alleinigen Vorstände Karl Walter Mautner und Alfred Schütze sowie dem Aufsichtsrat unter dem Vorsitz des bisherigen langjährigen Vorstandsvorsitzenden Otto Mayer (Bauunternehmer) der Vergleich angemeldet werden musste. Unter dem Namen „Neue Baugesellschaft Wayss & Freytag“ entstand 1932 eine neue Aktiengesellschaft. In dessen Vorstand ersetzte Alexander Kinen Alfred Schütze, der in den Aufsichtsrat wechselte. Zugleich trat Otto Meyer nochmals in den Vorstand ein. Bereits gut ein Jahr später, zum 30. Juni bzw. 31. Dezember 1933, schieden Kinen und Mautner „in freundschaftlichem Einvernehmen mit der Verwaltung“ aus dem Vorstand aus. Mautners jüdische Konfession spielte dabei wohl eine wesentliche Rolle. Mautners Nachfolger wurde ein langjähriger Düsseldorfer Mitarbeiter, der Ingenieur Gärtner, der stellvertretend in den Vorstand nachrückte.

Mautner lässt sich nun offiziell als selbständiger Beratender Ingenieur in Frankfurt nieder. Mit der "Neuen Baugesellschaft Wayss & Freytag" bleibt er über Emil Mörsch in engster Verbindung und sorgt gemeinsam mit diesem 1935 für den Erwerb der Spannbeton-Lizenz von Eugène Freyssinet, deren Anwendung er durch zahlreiche Versuche vorbereitet. 1938 entsteht die erste Spannbeton-Brücke Deutschlands über die Autobahn in Oelde/Westfalen.

Akademische Laufbahn in Aachen

Im Jahre 1912 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die Rippenkuppel im Fach Eisenbetonbau an der Technischen Hochschule Aachen und lehrte seitdem dort zusammen mit Josef Pirlet als Privatdozent in der Abteilung für Bauingenieurwesen. Seine Lehrtätigkeit in Aachen wurde nur durch seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg unterbrochen, in dessen Rahmen er teilweise ebenfalls als Dozent tätig war (siehe oben). Im Jahre 1926 wurde er zum Honorarprofessor für „Eisenbetonbauten im Berg- und Hüttenbau“ ernannt und setzte seine Lehrtätigkeit auch fort, als er 1928 beruflich von Düsseldorf nach Frankfurt am Main wechselte (s.u.). Mautners wissenschaftliche Verdienste in dieser Zeit liegen unter anderem in der Erforschung des Verbunds von gusseisernen Ringen mit Beton und Eisenbeton für die Stabilität in Schachtausbauten im Bergbau. Zwar tritt er als Direktor und Vorstandsmitglied bei Wayss & Freytag nicht mehr als Entwerfer einzelner Bauten hervor, die breite Tätigkeit des Unternehmens in diesem Gebiet aber zeigt seinen starken Einfluss. So entsteht im Rahmen seiner Beschäftigung mit dem Bauen im Bergsenkungsgebiet u.a. auch der Kokskohlenturm der Kokerei Anna in Alsdorf bei Aachen.

Verfolgung und Vertreibung aus dem Lehramt

Als im Frühjahr 1933 an der TH Aachen die Denunziationsmaßnahmen der Studentenschaft einsetzten, geriet auch Mautner ins Visier. Der ASTA (Allgemeiner Studentenausschuss) und die Studentenführer ließen dem hierfür extra eingesetzten Denunziationsausschuss, bestehend aus Hermann Bonin, Hubert Hoff, Felix Rötscher, Adolf Wallichs und Robert Hans Wentzel darüber Mitteilungen zukommen, welche der Dozenten und Professoren nicht arischer Abstammung waren und vermeintlich oder tatsächlich eine unerwünschte politische Einstellung hatten. Mautner sollte gemäß dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums auf Grund seiner jüdischen Herkunft zusammen mit den anderen nicht arischen Professoren Otto Blumenthal, Walter Maximilian Fuchs, Arthur Guttmann, Ludwig Hopf, Theodore von Kármán, Paul Ernst Levy, Alfred Meusel, Leopold Karl Pick, Rudolf Ruer, Hermann Salmang und Ludwig Strauss die Lehrerlaubnis entzogen werden. Er legte gegen die drohende Entlassung auf Grund des so genannten Frontkämpferprivilegs jedoch Beschwerde ein und bat den amtierenden Rektor Paul Röntgen um vorläufige Beurlaubung bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts. Röntgen hielt diese zunächst nicht für erforderlich, aber nach einem zweiten Denunziationsschreiben des ASTA im April 1933 musste Mautner schließlich doch beurlaubt werden. Die Beurlaubung wurde aufgrund des „Frontkämpferprivilegs“ Anfang Oktober 1933 jedoch wieder aufgehoben, und Mautner konnte seine Lehrtätigkeit zunächst fortsetzen. Die endgültige Entlassung wurde ihm dann nach der Verabschiedung der "Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz" vom 14. November 1935 aufgezwungen, in der die zwangsweise Versetzung in den Ruhestand auch für Beamte mit bisherigem Frontkämpferprivileg vorgeschrieben wurde.

Emigration nach London und Tätigkeit im Exil

Nachdem er bereits im November 1938 für einige Wochen verhaftet und im Lager Buchenwald interniert worden war, sorgten englische Kollegen mit Hilfe des britischen Geheimdienstes dafür, dass Mautner und seine Frau im Sommer 1939 über Rotterdam nach London emigrieren konnten; die verheirateten Töchter blieben in Deutschland. Bei der traditionsreichen Baufirma Mouchel bzw. deren Neugründung „PCC – Prestressed Concrete Company“ in London setzte Mautner mit Hilfe seiner mitgeführten Forschungsergebnisse die Entwicklung des Spannbetonbaus fort und wurde der Begründer dieser Bauweise in Großbritannien. In London verstarb er am 12. Februar 1949.

Fachpublikationen (in chronologischer Reihenfolge)

  • Bogendach und einseitiger Kragarm in Monier-Konstruktion, Brühl bei Köln. Deutsche Bauzeitung, Mitteilungen über Zement, Beton- und Eisenbetonbau, 4. Jahrgang, 1907, Nr. 15, S. 57–59.
  • Feinkohlenturm in Eisenbeton der Zeche Recklinghausen II, Harpener Bergbau AG. Deutsche Bauzeitung, Beilage: Mitteilungen über Zement, Beton- und Eisenbetonbau, 5. Jahrgang, 1908, Nr. 4, S. 25–28.
  • Zur Berechnung von Eisenbeton-Zugringen und wagrecht gebogenen Balken (Kuppel und sonstige Eisenbeton-Konstruktionen am Neubau des Orpheum-Theaters in Bochum) . Deutsche Bauzeitung, Beilage: Mitteilungen über Zement, Beton- und Eisenbetonbau, 5. Jahrgang, 1908, Nr. 11, S. 65–67, Nr. 12, S. 69–71; Nr. 13, S. 73, 75 u. Tf.
  • Über einige Wölb- und Kuppelbauwerke in Eisenbeton (Kreuzkirche u. Oberlandesgericht Düsseldorf) . Deutsche Bauzeitung, Beilage: Mitteilungen über Zement, Beton- und Eisenbetonbau, 6. Jahrgang, 1909, Nr. 1, S. 1–3, Nr. 2, S. 5–7; Nr. 4, S. 13–14.
  • Neuere Eisenbeton-Konstruktionen im Gebiete des Bergbaus. Deutsche Bauzeitung, Beilage: Mitteilungen über Zement, Beton- und Eisenbetonbau, 8. Jahrgang, 1911, Nr. 8, S. 57, 62–64; Nr. 9, S. 70–72; Nr. 10, S. 75–79.
  • Über die baulichen Anlagen der neuen Turbinenpumpstation des Wasserwerkes der Stadt Bochum in Blankenstein an der Ruhr. Armierter Beton, 1911, Heft 12, S. 425–431.
  • Beitrag zur Theorie der im Eisenbetonbau gebräuchlichen Form der Rippenkuppel. Von Dr.-Ing. Karl W. Mautner, Oberingenieur der Firma Carl Brandt. Mit 47 Figuren. Berlin 1911. Wilhelm Ernst & Sohn. (Deutscher Ausschuß für Eisenbeton, Heft 6)
  • Über die Festigkeit gußeisener Tübbinge und ihre Verstärkung durch Eisenbeton. Verlag Bonde, 1913. (38 Seiten)
  • (mit O. Domke) Handbuch für Eisenbetonbau, 2. Aufl., Band 10, Verlag Ernst & Sohn, 1920.
  • Beitrag zur Frage der Gebäudesicherung in Bergbausenkungsgebieten. Der Bauingenieur, Jahrgang 1, 1920, S. 144–149.
  • Über einige Festigkeits- und betontechnische Fragen bei Bauwerken im Bergwerks- und Hüttengebiete. Festschrift aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestehens der Wayss & Freytag AG, 1875–1925, Frankfurt 1925, S. 110–159.
  • Festigkeitsfragen im Schachtausbau. Glückauf, Jahrgang 70, 1934, S. 409–415.
  • Spannbeton nach dem Freyssinet-Verfahren. Beton & Eisen, Jahrgang 35, 1936, S. 320–324.
  • Spannbeton nach System Freyssinet. Beton 2. Beilage zur Zeitschrift De Ingenieur, Jg. 6, 1937, S. 5–15.

Wichtige Bauten

Galerie

Literatur

  • Mautner, Karl W., Personenartikel in Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft, 1931/32, Bd. 2, S. 1210.
  • Ernst-Ulrich Reuther, unter Mitwirkung von Ulrich Kalkmann und Peter Antweiler: Karl Walter Mautner 1881–1949. Klaus Habetha (Hg.): Wissenschaft zwischen technischer und gesellschaftlicher Herausforderung: Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen 1970 – 1995, Einhard Verlag, Aachen 1995, S. 225–230.
  • Jupp Grote, Bernard Marrey: Freyssinet, Prestressing and Europe, 1930–1945. Èditions du Linteau, Paris 2000, ISBN 2-910342-13-1. (bes. S. 38–40)
  • Ulrich Kalkmann: Die Technische Hochschule Aachen im Dritten Reich (1933–1945). Verlag Mainz, Aachen 2003, ISBN 3-86130-181-4, (Aachener Studien zu Technik und Gesellschaft 4), (Zugleich: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2003), S. 86 ff.
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Einzelnachweise

  1. Ausgezeichnete Werke. In: Ingenieurkammer. Abgerufen am 27. November 2016.