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vom 27.08.2017, aktuelle Version,

Kastner & Öhler

Kastner & Öhler AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1873
Sitz Graz, Osterreich  Österreich
Leitung Thomas Böck, Martin Wäg, Andreas Zinschitz, Alexander Petrskovsky
Mitarbeiter 1.760[1]
Umsatz 208,7 Mio. Euro[1]
Branche Kaufhauskette
Website www.kastner-oehler.at
Stand: 28. Februar 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014
Kastner und Öhler in der Grazer Sackstraße

Kastner & Öhler ist eine österreichische Kaufhauskette, die hauptsächlich im Süden Österreichs verbreitet ist. Das Unternehmen geht auf den 1873 von Carl Kastner und Herman Öhler (1848–1918)[2] in Troppau (heute Opava, Tschechien) gegründeten Kurzwarenhandel zurück.[3] Unter der Marke Gigasport verkauft Kastner & Öhler seit 1994 Sportartikel.

Geschichte

1883 versäumte Carl Kastner in Graz seinen Anschlusszug nach Agram/Zagreb. Bei einer Erkundungstour durch die Stadt fand er ein freies Geschäftslokal in der zentral gelegenen Sackstraße und mietete es an. Es entstand das Stammhaus in Graz.[4] 1885 führte das Unternehmen als erstes in Mitteleuropa Festpreise ein. [5] Diese fixen Preise ermöglichten den nächsten innovativen Schritt: 1887 startete Kastner & Öhler als eines der ersten Unternehmen in Europa mit dem Postversand. Mehrsprachige Kataloge wurden an Kunden in der gesamten Donaumonarchie verschickt.[6]

1894 expandierte das Unternehmen und errichtete nach dem Ankauf von angrenzenden Häusern in der Grazer Badgasse das erste Warenhaus in Österreich-Ungarn. Die Galerien reichten über drei Stockwerke, die mit Liften erreichbar waren. Außerdem hatte die Warenhaushalle einen mit Glas überdachten Innenhof.[7]

1912 bis 1914 wurde das Kaufhaus durch die Wiener Architekten des Büros Fellner & Helmer in eines der damals modernsten Europas umgebaut: Hier finden sich Kundenlifte, Lüftungsanlagen, Stromaggregate, Rohrpostanlagen und ein Erfrischungsraum mit Musik.[8] Das Herzstück ist die „Große Halle“: ein über drei Stockwerke reichender Prachtraum, der heute noch besteht und damals mit einer bunten Glaskuppel ausgeschmückt war. Der Unternehmenshomepage zufolge beschäftigte Kastner & Öhler vor dem Ersten Weltkrieg 330 Mitarbeiter, die nun auch Hüte, Parfums, Lederwaren, Papierwaren und Herrenmode verkauften. 1917 wurden zudem Spielwaren, Haushaltsartikel, Porzellan und Glas sowie Herde und Öfen ins Angebot aufgenommen.

1939 verkauften die damaligen Eigentümer Franz Öhler, Dr. Richard Kastner und Albert Kastner das Unternehmen an ihre Schwiegersöhne, um nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland eine Enteignung abzuwenden, und flohen nach Kroatien. Franz Öhler wurde verhaftet, er starb 1945 im Konzentrationslager Buchenwald. Aufgrund der Nürnberger Gesetze musste das arisierte Unternehmen in „Alpenlandkaufhaus“ umbenannt werden.

1945 wurde das Kaufhaus – wie auch der benachbarte Admonterhof – bei einem Bombenangriff teilweise zerstört. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die dritte Gesellschafter-Generation das Warenhaus mit nur noch 168 Mitarbeitern. Die 1950er-Jahre standen dann wieder im Zeichen des Wachstums. 1959 knüpfte man an innovative Zeiten an und nahm im Stammhaus in Graz die erste Rolltreppe der Steiermark in Betrieb. Im selben Jahr wurde das Unternehmen staatlich ausgezeichnet; es darf seither das österreichische Bundeswappen im Geschäftsverkehr verwenden.[9]

Zur 100-Jahr-Feier 1973 entwarfen die polnischen Künstler Grabiański und Jablonski das bekannte Löwenkopf-Logo. Es blieb bis 1991 in Verwendung.[10]

1991 kam es zur Neugestaltung des Grazer Haupthauses durch das Architekturbüro Szyszkowitz + Kowalski. Man verband die alte Substanz des Hauses in der Sackstraße mit modernen Elementen, adaptierte die Fassade und erweiterte die Geschäftsräume um das sogenannte Jugendstilhaus in der Murgasse.

1994 wurde der seit Unternehmensgründung 1887 betriebene Versandhandel an Neckermann verkauft und 1997 in Neckermann Versand Österreich AG umbenannt. Damit einher ging eine Verschlankung des Warenangebots, die 2004 in eine Zwei-Marken-Strategie mündete: Seither werden unter dem Namen Kastner & Öhler die Schwerpunkte Mode & Accessoires, Haushaltsartikel, Spielwaren & Parfums verfolgt, unter der Marke Gigasport wurde der Handel mit Sportartikeln intensiviert.

Dachlandschaft Kastner & Öhler vom Schloßberg (nächst Uhrturm) aus gesehen (2011)

2003 wurde eine Tiefgarage mit 650 Stellplätzen direkt neben der Mur eröffnet. 2008 erfolgte der Startschuss für die völlige Neugestaltung des Hauses in Graz durch das deutsch-spanische Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos. Der Umbau wurde 2010 eröffnet und erhielt 2011 den A.R.E. Design Award der US-Handelsvertretung Association for Retail Environments.[11] Für Kritik sorgte dabei der Abriss eines Gewölbes aus dem Jahr 1629, der ohne Absprache mit der Altstadtkommission erfolgt ist.[12] Die vor dem Umbau versprochene optische Angleichung der markanten Dachkonstruktion an die Grazer Dachlandschaft blieb bis heute aus - obwohl damit die Grazer Altstadt als UNESCO-Welterbe auf dem Spiel steht.[13]

Gegenwart

Seit 1996 wird das Unternehmen in der fünften Familien-Generation geführt. 2011 wurde das Vorstandsteam Thomas Böck und Martin Wäg durch Andreas Zinschitz (für die Marke Gigasport) um ein drittes und im März 2013 mit Alexander Petrskovsky um ein viertes Vorstandsmitglied erweitert.

2014 baute das Unternehmen seinen Onlineshop für Modewaren stark aus.

Heute betreibt Kastner & Öhler Kaufhäuser in Bärnbach, Fohnsdorf, Fürstenfeld, Graz (2 Standorte), Kapfenberg/Sankt Lorenzen im Mürztal, Liezen, Oberwart, Ried im Innkreis, Spittal an der Drau, Villach, Vöcklabruck, und Wolfsberg.[14]

Gigasport

Unter der Marke Gigasport verkauft Kastner & Öhler in eigenen Filialen Sportartikel. Gigasport-Häuser wurden außer in Österreich auch in Slowenien, Tschechien und der Slowakei betrieben. Im Jahr 2012 schloss Gigasport allerdings seine zwölf Filialen in Tschechien und der Slowakei mit insgesamt 280 Mitarbeitern.[15]

Derzeit führt Gigasport 15 Filialen in Österreich.[16]

Sonstiges

Am 19. Dezember 2015 verunfallte eine Frau, die den temporär aufgebauten Flying Fox vom Dach des Grazer Hauses nutzte und dabei gegen die Kaimauer am gegenüberliegenden Murufer prallte.[17] Der für den Betrieb verantwortliche Bergführer gab an, dass er das Bremsseil nicht ordnungsgemäß befestigt hatte. Das Gericht einigte sich im Frühjahr 2016 auf eine Diversion.[18]

Einzelnachweise

  1. 1 2 Über uns
  2. (Parte:) (…) Herman Oehler (…). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 19267/1918, 16. April 1918, S. 15. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  3. Eintrag zu Kastner + Öhler Warenhaus AG im Austria-Forum (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  4. Kastner&Öhler: Eine Familie mit Visionen, aufgerufen am 28. Oktober 2014
  5. Als Carl Kastner 1883 seinen Zug versäumte, aufgerufen am 28. Oktober 2014
  6. http://www.kastner-oehler.at/ueber-uns/geschichte/
  7. http://www.kastner-oehler.at/ueber-uns/geschichte/
  8. http://w-magazin.at/2013/11/140-jahre-kastner-oehler/ 140 Jahre Kastner & Öhler (W!) aufgerufen am 12. November 2014
  9. http://www.staatswappen.at/staatswappen.asp?p=&directory=&src_fa=Kastner+%26+%C3%96hler&submit=suchen+... Österreichische Staatswappenträger, aufgerufen am 12. November 2014
  10. Der Löwe im Kaufhaus (designbox) aufgerufen am 28. Juli 2011
  11. Kastner & Öhler holt Design-Preis. www.kastner-oehler.at, 8. April 2011. abgerufen am 15. Oktober 2011
  12. Das Kreuz mit dem Gewölbe, abgerufen am 19. September 2013.
  13. Eine Wunde in der Grazer Dachlandschaft. Der Standard, 14. November 2014. Abgerufen am 3. März 2015
  14. Standorte von Kastner & Öhler, abgerufen am 12. November 2014
  15. Gigasport sperrt zwölf Filialen in Osteuropa zu auf ORF vom 28. Februar 2012 abgerufen am 28. Februar 2012
  16. Gigasport-Standorte, abgerufen am 17. November 2014
  17. Graz: Schwerer Unfall beim "Flying Fox", kleinezeitung.at, 19. Dezember 2015, abgerufen 21. Dezember 2015.
  18. Gericht - Flying Fox-Unfall: Prozess endete mit Diversion. In: Kleine Zeitung. Abgerufen am 15. Juni 2016.
  Commons: Kastner und Öhler  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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